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Anhang. Das Schafopfer im Cultus der kyprischen Aphrodite.
Die kyprischen Münzen, auf denen sich die Aphrodite in der Haltungeines Schwimmenden an einen laufenden Widder anklammert, erinnert an die
Sage von Helle und dem goldenen Widder, abersie haben auch in der Gestalt der Europa mit demStier eine Parallele. Nach dieser Analogie müssenwir daran erinnern, dass die männliche, mit dem Wid-der verknüpfte Gottheit Hermes ist, und dass diekyprische Göttin in androgyner Gestalt verehrt wurde,die Theophrastus als H e r m a p h r o d i t u s bezeichnet.Wir haben diesen androgynen Charakter der Göttinbereits erwähnt, um aus ihm zu erklären, warum dieAphrodite von Paphos — und offenbar auch die pu-nische — männliche Opfertiere vorzog. Für die An-nahme, dass es die androgyne oder bärtige Astartewar, die besonders mit dem Widder verknüpft wurde,ergiebt sich noch ein weiterer Grund. Auf einer der Säulen, auf denen dieTanith unter dem Symbol eines Schafes abgebildet ist, lautet die Inschrift nicht,wie gewöhnlich „Der Herrin Tanith", sondern „Meinem Herren Tanith" 803 .Wenn das kein Versehen des Steinmetzen ist, so deutet es auf dieselbe Er-scheinung hin. Es scheint ferner nicht unwahrscheinlich, dass der ständigeTitel bvz ja run, der so vielfach erörtert worden ist, nichts anderes bedeutetals Tanith mit dem Antlitz des Baal — die bärtige Göttin 80 *.
Fig. 13.
Kyprische Münze.
Nach Perrot und Chipiez
III, 270.
803) CIS. I, No. 419.
804) [Ueber den Cultus der kyprischen Aphrodite vergl. im allgemeinen E d.Meyer, Gesch. des Altertums, II, § 146. Die Frage nach dem androgynen Charakterder Gottheit ist eines der schwierigsten archäologischen und religionsgeschichtlichenProbleme. Nach Macrob. Sat. III, 8 bestand auf Cypern der Cult einer mannweib-lichen Gottheit, die als bärtige Göttin dargestellt wurde. Dieselbe Quelle, die Macrobiusanführt, liegt auch vor bei S e r v i u s, zu Vergil II, 632. Ein Vergleich beider Stellenlehrt, dass ihre Angaben über die mannweibliche Aphrodite von Cypern sämtlich aufPhilochorus zurückgehen. Ausserdem aber wird eine bärtige Aphrodite in Pam-phylien erwähnt von J o. Ly du s, De mens. IV, 44 (Wuensch, 64): „ndiicpuXoi xai 7tu>Y(ovaexouaav i-uu/Kjaav 'AcppoSixvjv tcoxe". Vergl. II, 10 (Wuensch, 11): „<5>j xal aüxr) 'AcppoSixv)xvjv xoü äppsvo; xV;v xe xoö S-vjXeo; i^ouaex cpüaiv". Diese Angaben des Lydus führen unsin den orientalischen Astartecult zurück, in dem wir die Wurzel für den kyprischenBrauch werden sehen dürfen. Dieses mannweibliche Wesen (äppsvofryjXus, Lydus II, 11)wird von den Griechen 'AcppoSixog genannt, nach Macrob. III, 8 zuerst bei Aristophanes(bei Servius ist nur „quod 'AcppöSttov vocant" überliefert). Das Bild einer männlichenAphrodite auf Cypern erwähnt Hesychius, s. v. „'AcppiSitof 6 Sä xa uspi'AuaftouVtaYEYpacfo); ävSpa xyjv 6-eöv eax , )[l|J.a-£a9'CU 4v KÜTtpco XefE'. Bei Suidas finden wir die An-gabe, dass die Göttin bärtig dargestellt wurde s. v. 'Asppo5ixyj • TtXäxxouat. 8e aüxyjv xalYsveiov sx°»aav u . Diese Angaben ruhen wohl nur auf litterarischen Quellen seeundärenWertes. Auf Philochorus geht (bei Macrob. und Servius) noch die Angabe zurück, dassim Cultus der Gottheit die Männer weihliche, die Frauen männliche Kleidung trugen,was man als Anpassung an den androgynen Charakter der Gottheit erklärt hat.
Diese Angaben der einzigen primären Quelle über den kyprischen Cult — des Philo-chorus — sind nun an den kyprischenDenk malern nachzuprüfen; der aus denlitterarischen und archäologischen Zeugnissen gewonnene Befund bildet dann erst daseigentliche religionsgeschichtliche Problem. Die Deutung der kyprischenDenkmäler ist zunächst deshalb schwierig, weil kein einziges eine inschriftliche Be-zeugung trägt. Sodann aber zeigt ihr Kunststil eine Vermengung von Motiven der ver-schiedensten Herkunft; sie sind also nicht ohne weiteres als Zeugnisse für einen in sichgeschlossenen religiösen Ideenkreis oder als aus einem einheitlichen Cultus entstandeneDenkmäler zu verwerten. Es ist von Ed. Meyer (Roschers Mythol. Lexikon, I, 654)betont worden, „dass unter den zahlreichen kyprischen Funden, sich keine einzige bild-liche Darstellung eines derartigen Wesens findet".