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Die Religion der Semiten
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60 Drittes Kapitel. Die Bezieliungeh der Gottheiten zu Naturdingen etc.

Drittes Kapitel.

Die Beziehungen der Gottheiten zu Naturdingen. Heilige Orte.

Die Ginnen.

In grossen Umrissen versuchten wir bisher die allgemeinen Züge derreligiösen Institutionen der Semiten anzudeuten, sofern diese auf der Anschauungberuhen, dass die Götter und die Menschen oder vielmehr der Gott und dieihm ausschliesslich zugethanen Verehrer eine einzige Gemeinschaft bilden,und dass die Stellung der Gottheit in dieser Gemeinschaft nach Analogiemenschlicher Beziehungen aufgefasst wird. Von diesem Gesichtspunkt aushaben wir jetzt die Einzelheiten des Ritus und heiligen Brauches zu verfolgenund dabei zu erwägen, inwiefern die verschiedenen cultischen Handlungen undreligiösen Bräuche zu der Stellung, die der Gottheit in der Gemeinschaft mitihren Anhängern zuerkannt war, in Beziehung stehen. Sobald wir aber andiese Einzelheiten herantreten, ergiebt sich die Notwendigkeit, auf eine neueReihe von Beziehungen Rücksicht zu nehmen, die den Menschen einerseits,die Gottheit andererseits mit der physischen Natur und materiellen Grössenverknüpfen. In der alten Religion haben alle cultischen Handlungen einematerielle Gestalt, die nicht dem Belieben des Verehrers überlassen ist, son-dern durch feste Regeln bestimmt wird. Sie müssen an bestimmtenOrten, zu bestimmten Zeiten, mit Hülfe bestimmter mate-rieller Mittel und nach bestimmten äusseren Formen voll-zogen werden.

Diese Bestimmungen zeigen, dass der Verkehr zwischen der Gottheit undihren Verehrern natürlichen Bedingungen bestimmter Art unterworfen ist, waswiederum einschliesst, dass die Beziehungen zwischen Göttern und Menschenvon der materiellen Umgebung nicht unabhängig sind. Die Beziehungen einesMenschen zu seinen Mitmenschen sind an natürliche Bedingungen gebunden,weil der Mensch als körperlicher Organismus selbst em Glied der materiellenWelt ist. Wenn wir sehen, dass die Beziehungen eines Menschen zu seinemGotte in gleicher Weise begrenzt sind, so werden wir damit zu dem Schlüssegenötigt, dass die Götter ebenfalls in irgend welchem Sinne als Gliederdes natürlichen Universums aufgefasst werden, sowie dass darin der Grundliegt, weshalb die Menschen mit ihnen nur mit Hülfe bestimmter materiellerMittel in Verbindung treten können.

Es ist allerdings sicher, dass in den höheren Formen der antiken Re-ligion die materiellen Einschränkungen, die dem als rechtmässig geltendenVerkehr zwischen Göttern und Menschen auferlegt waren, nicht als natürliche,