XV Vorbemerkungen des Uebersetzers.
forschung der Religionen nicht bloss ein Gegenstand gelehrter Wissbegierdeoder gar bloss pathologischen Interesses ist, die vielmehr auch in den selt-samsten Verirrungen des religiösen Triebs ein Suchen und Fragen der Völkernach dem lebendigen Gott erblickt, ob sie ihn etwa fühlen und finden möchten.Und so ist auch dieses Werk des Verfassers bei all' seinem strengwissen-schaftlichen Gepräge und all' seiner Vorurteilslosigkeit in Fragen der bib-lischen Kritik dennoch von einer apologetischen Tendenz im besten und edelstenSinne des Wortes getragen. Und das ists, warum ich ihm von jeher unterden wissenschaftlich weiterstrebenden evangelischen Theologen recht vieleLeser gewünscht habe und nun auch seine Verbreitung in dem mit aller Sorg-falt von einem jüngeren Fachmann hergestellten deutschen Gewand auf dasWärmste empfehle.
Halle, im April 1899.
E. Kautzsch.
Vorbemerkungen des Uebersetzers.
Mit dem vorliegenden Werke ist es mir vergönnt, die letzte reife Frucht,die uns das arbeitsreiche Leben des allzufrüh dahingegangenen Verfassersbeschieden hat, in deutscher Gestalt zu geben. Indem ich die Arbeit, die ichdiesem gehaltreichen Werke habe widmen dürfen, nunmehr abschliesse, kannes nicht meine Aufgabe sein, seine wissenschaftliche Bedeutung eingehenderdarzustellen. Mit herzlicher Dankbarkeit darf ich dafür auf das vorauf-gehende Vorwort verweisen, mit dem mein sehr verehrter Lehrer, Herr Pro-fessor D. Kautzsch, den Leser in das innerste Verständnis der religionsge-schichtlichen Arbeiten von Robertson Smith einführt. Besonders gerneverweise auch ich auf die Darstellung, die Herr Prof. D. Rothstein von demLebensgange und den wissenschaftlichen Arbeiten des grossen Forschers inder Einleitung zu seiner deutschen Uebersetzung „Das alte Testament. SeineEntstehung und Ueberlieferung". Freiburg i/Br. 1894 gegeben hat. Diezahlreichen Probleme, zu denen das vorliegende Werk in so bedeutsamerWeise Stellung nimmt, darzustellen oder zu erörtern ist liier nicht der Ort.Gegenüber einem Werke, wie dem vorliegenden, nehme ich überdies persön-lich nur das Verhältnis des dankbar Lernenden ein, sodass es mir schon des-halb nicht zustehen würde, an dieser Stelle in die Erörterung der principiellenAnschauungen und kritischen Einzelfragen einzugreifen.
Doch sei es mir gestattet, an dieser Stelle einiges über das Verhältnisder Uebersetzung zu dem englischen Originalwerke zu sagen. Der Gesichts-punkt, der mich bei der Arbeit leitete, war das Streben nach einer möglichsttreuen Wiedergabe der Gedanken des Verfassers. Dabei habe ich auch denAusdruck des Originals, soweit es durchführbar schien, zu wahren gesucht.Mit dem Bestreben nach engem Anschluss an den Wortlaut des englischenWerkes war indes eine gewisse Freiheit wohl vereinbar, um dadurch in derangemessensten Form die Anschauungen des Verfassers sinngemässwiederzugeben. Ich hoffe, dass es mir damit gelungen ist, ohne wesentlicheMissverständnisse die Gedanken des Originalwerks zum Ausdruck zu bringen.