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Die Religion der Semiten
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Die Erstlinge der Früchte, der Zehnte und die Opfermahle. 183

Siebentes Kapitel.Die Erstlinge der Fruchte, der Zehnte nnd die Opferniahle.

In der voraufgehenden Darstellung ist uns als zweifellose Thatsacheentgegengetreten, dass der Unterschied zwischen miriha nnd sebah, zwischendem Getreideopfer und dem Tieropfer, auf einer alten Grundanschauung beruht.Die Idee der Gemeinschaft mit der Gottheit, die im Opfermahl zum Ausdruckkam, war ursprünglich auf das sebah, das Tieropfer, beschränkt,; die eigent-liche Bedeutung der Darbringung von Garben ist die des Tributes, den derVerehrer von dem Ertrage des Bodens entrichtet. Wir haben nun bereitsfrüher gesehen, dass sich die Auffassung der nationalen Gottheit als Baal oderHerrn des Landes im Zusammenhang mit der Entstehung des Ackerbausund des auf seiner Grundlage entwickelten Rechtes ausgebildet hat. Orte, dievon Natur fruchtbar waren, waren das Land des Baal, weil sie ertragreichwaren ohne menschliche Arbeit, die nach orientalischer Anschauung die alleinigeGrundlage des persönlichen Eigentumsrechtes an Grund und Boden bildet.Aber auch ein Gebiet, das künstlich bewässert wurde, war zur Entrichtungeiner heiligen Abgabe verpflichtet, weil es seine Fruchtbarkeit durch Wasser-läufe erhielt, die der Gottheit zu eigen waren oder die als mit göttlicherKraft ausgestattet galten. Dieser ganze Vorstellungskreis entspricht einemZustand der menschlichen Gesellschaft, in dem der Ackerbau und die ihnbestimmenden Gesetze bereits eine bedeutsame Stellung einnahmen, währender den Anschauungen, in denen sich die rein nomadischen Beduinen bewegen,durchaus fremd ist. Dass die minha nicht eine ebenso alte Form des Opfersist wie das zebali kann nicht zweifelhaft sein; denn das nomadische Lebenist älter als der Ackerbau. Ist aber die voraufgehende Beweisführung zu-treffend, so dürfen wir noch einen Schritt weiter gehen. Wir können behaupten,dass die Auffassung des Opfermahles als eines Aktes der Gemeinschaft älterist als das Opfer hn Sinne des Tributs, und dass die zweite Anschauung mitder Entwickelung des Ackerbaus und mit der Auffassung der Gottheit alsBaal des Landes zur Geltung kam. Unter den nomadischen Arabern ist dieAuffassung des Opfers als Tribut fast ganz oder gänzlich unbekannt; alleOpfer sind freiwillige Gaben, und ausser in wenigen Fällen des Sühnopfers besonders beim Menschenopfer und vielleicht bei einigen sehr einfachenOpfern, wie der Milchlibation, ist der Zweck des Opfers, das Material füreinen Akt der durch das Opfer dargestellten Gemeinschaft mit der Gottheitzu beschaffen. Diese Sachlage erfordert in einzelnen Punkten eine nähereBetrachtung.