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Die Religion der Semiten
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300 Elftes Kapitel. Opfergaben und Sühnopfer.

Elftes Kapitel.

Opfergaben und Sühnopfer. Die im Sühnopfer ausgeprägtenbesonderen Anschauungen.

Das Wesen des F e xi e r o p f e r s.

Bei den späteren semitischen Opfern kommt das Feuer für zwei Zweckezur Anwendung, die von einander offenbar ganz unabhängig sind. Gewöhnlichdient es auf dem Altare dazu, Opfergaben von Fleisch, die als Speise derGötter gelten, aufzulösen und sie so den Gottheiten als Wesen geistiger Artzu übermitteln. Bei bestimmten Sühnebräuchen der Hebräer wird aber dasOpferfleisch ausserhalb des Lagers verbrannt; in diesem Falle gilt es nichtals Speise der Gottheit. Die Teile des Opfers, die bei den höchsten Formender Sühnopfer ausserhalb des Lagers verbrannt werden, sind dieselben , die inden niedrigeren Formen des Sündopfers von den Priestern als Vertretern derVerehrer verzehrt oder bei gewöhnlichen Opfern von den Verehrern selbstgegessen wurden. Hier scheint also das Feuer die gleiche Bedeutung zu habenwie sie ihm durch die Bestimmung beigelegt wird, dass beim gewöhnlichenOpfer, wenn es nicht in einem oder zwei Tagen verzehrt ist, der Rest ver-brannt werden muss. Alles Opferfleisch ist heilig. und es muss mit ihmnach bestimmten rituellen Regeln verfahren werden; eine derselben ist die,dass man es nicht der Verwesung anheimfallen lassen darf. Das Fleisch dergewöhnlichen Opfer kann gegessen oder verbrannt werden; die Sündopferaber sind zu heilig, als dass sie ausser von den Priestern gegessen werdendürften, und in bestimmten Fällen ist auch ihnen der Genuss wegen derHeiligkeit des Opfers untersagt. Sie müssen deshalb verbrannt werden, nichtum sie damit der Gottheit zu übermitteln, sondern um sich ihrer auf ge-eignete Weise zu entledigen.

Gewöhnlich wird angenommen, dass das Feuer ursprünglich auf demAltar zur Anwendung kam, und dass die Verbrennung ausserhalb des Lagersein später erfundener Brauch sei, in dem die Vorstellung zum Ausdruck komme,dass die Gottheit bei einem Sündopfer nicht eine materielle Opfergabe, sondernlediglich den Tod des Sünders fordere. Das Ritual des hebräischen Sünd-opfers gibt selbst zu einer solchen Deutung hinreichend Anlass; aber eslässt sich unmöglich annehmen, dass sein Ursprung aus einer derartigen An-schauung zu erklären sei. Wenn das Sündopfer lediglich die symbolischeDarstellung eines Strafvollzuges ist, warum ist dann das Fleisch des Opfersim höchsten Grade heilig, und warum werden das Blut und das Fett auf