346
Anhang. Das Schafopfer im Cultus der kyprischen Aphrodite.
Stier erscheinenden Zeus identifiziert wurde 798 und wo sie nach Philo von Byblusden Kopf eines Stieres auf dem eigenen Kopfe trug 799 . [Fig. 11.] Eine andere
Gestalt ist die Schaf-Astarte, die ihre ur-sprüngliche Heimat in Kanaan gehabt zuhaben scheint; denn Deut. 7, 13 wirdder Nachwuchs der Herden „ A s t a-r ö t h der Schafe" genannt 80 °. Ein Aus-druck wie dieser, der aus der Religionin das alltägliche Leben übergegangenist und von den monotheistischen He-bräern beibehalten wurde, ist ein sehraltes Zeugnis für die Verknüpfung derAstarte mit dem Schaf. Das lässt sichunmöglich anders erklären als dadurch,dass man offen zugesteht, dass die As-tarte in einer ihrer Gestalten ursprüng-lich die Form eines Schafes hatte, unddass sie selbst einst als Schaf erschien,wie sie in anderen Gestalten eine Taubeoder ein Fisch war.
Dagegen könnte man geltend ma-chen, dass der Widder oder das Schafnicht das Symbol der Tanith sind, son-dern des Baal-Hammän, der mit ihrverknüpften männlichen Gottheit, derauf einer Terracotta der Sammlung Barremit Widderhörnern dargestellt ist undseine Hand auf den Kopf eines Schafeslegt. [Fig. 12.] Die oben erwähnte In-schrift (CIS. I, 419) ist aber der Tanith,nicht der Tanith und dem Baal-Hammängemeinschaftlich geweiht, woraus erhellt,dass die hegleitenden Symptome sowohlfür die Göttin wie für ihren männlichen
Genossen angemessen waren.
Die Verwendung desselben Tier-
Fig. 11.
Phönizische Astarte.
Nach der Stele des Jehawmelek v. Gebal
und einer syrischen Broncestatuette.
symbols für die männliche und weibliche
Gottheit ist durchaus begründet; bei einer Göttin, die oft als androgyn vor-gestellt wurde sox , braucht man nicht einmal anzunehmen, dass ihr Symbol das
798) L u c i a n, De dea Syria, 4.
799) [Ueber die Astarte als Kuhgöttin s. oben S. 237 und den das. Anm. 515mitgeteilten Text des Philo von Byblus. In der religiösen Kunst Syriens und Phöniciens,die ganz von ägyptischen Einflüssen abhängt (s. Ed. Meyer, Gesch. des Altert. I,§ 200 ff., und in Roschers Mythol. Lexikon, I, p. 652), ist auch die Darstellung derAstarte sowohl stilistisch wie hinsichtlich der Symbole völlig durch den Typus der Isis-Hathor bestimmt. — Die oben gegebene Abbildung der phönicischen Astarte beruht aufdem Versuch, die älteste Darstellung derselben auf der Weihinschrift des Königs Je-hawmelech mit Hülfe der wohl etwas jüngeren syrischen Broncestatuette aus der Col-lection Peretie (bei Perrot u. Chipiez, III, p. 77) zu reconstruieren.]
800) [Vergl. oben S. 237. cf. auch Baudissin, PRE 3 . II, 157.]
801) [S. unten S. 348. Anm. 804.]