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Die Religion der Semiten
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Anhang. Das Schafopfer im Cultus der kyprischen Aphrodite. 341

nahezu so identisch, dass ihre Opfer sehr wohl die gleichen sein konnten.Dadurch wird es auch natürlich, dass Lydus zu einer Bemerkung über daskyprische Ritual übergeht, in dem dieselben Opfer mit charakteristischen Um-gestaltungen auftreten. Das Geschlecht der Opfertiere ist verschieden, ausdem bereits erörterten Grunde und die Opfer verteilen sich auf zwei Tage.Aber stets sind die Opfertiere das Schaf und das Schwein, sodass die we-sentliche Identität des römischen und orientalischen Cultus an diesem Tage(1. April) eine neue Bestätigung erfährt.

Soweit ist alles klar. Jetzt aber kommen wir zu einer noch nicht ge-lösten Schwierigkeit, die in den WortenTtpoßatov xcaSicp eoy.£7taanEvov" liegt.Diese Worte bezeichnen einen besonderen, charakteristischen Zug, um dessenwillen der Verfasser zu einer. Erörterung des kyprischen Ritus abschweift.Auch seine Bemerkung, dassdie Art des Opfers auf Kypern aus Korinthübernommen war", scheint mit diesem Zuge in Zusammenhang zu stehen.Leider wissen wir nichts von dem korinthischen Cultus, auf den sich Jo. Lydushier bezieht. Der korinthische Aphroditecultus war in seiner Grundgestaltein orientalischer Cultus, und jeder Zug in ihm, der uns auf Kypros wiederbegegnet, kann mit fast völliger Sicherheit als phönicisch bezeichnet werden.Dass Kypros den Cultus aus Korinth übernahm, ist indes weit weniger wahr-scheinlich, als dass ihn beide aus dem Orient entlehnten; und die Autoritätdes Lydus reicht nicht hin, um gegenüber dieser Wahrscheinlichkeit vongrossem Gewicht zu sein. Der Hinweis auf Korinth ist indes für uns insofernvon Bedeutung, als er uns zeigt, dass dieser besondere Cultus nicht einrein localer war. Ausserdem beweist der Ausdruck ispzxeia, dass das Opferkeine private Darbringung, sondern ein öffentliches Opfer war, dasan einem grossen Tempel veranstaltet wurde, was auch in dem auvefruov liegt.Dies erklärt aber noch nicht die WortexwSöu eaxercaausvov". Es ist klar,dass der Sinn nicht sein kann ein Schaf mit einem wolligen Pliess", wieEngel es fasst; ebenso wenig scheint es möglich, die Worte mit de Luynes zuverstehen:ein Widder, der mit seinem ganzen Vliess bedeckt ist" 785 . Wenndies der Sinn der Worte sein könnte, so würde die Angabe allerdings ver-ständlich sein; denn in Syrien haben wir eine Form des Cultus, in dem dieOpfer lebendig den Flammen übergeben wurden. Wenn jedoch Lydus hättesagen wollen, dass das Opfer mit Haut und Haar vom Feuer verzehrt wurde, sowürde er den Artikel zu xcootw gesetzt und für auvefruov einen bestimm-teren Ausdruck gebraucht haben. Endlich ist zu fragen, ob denn ju&Stov vondem das Tier umhüllenden Schaffell gebraucht werden kann, und ob iay.e-uaauivov auf die von Natur gegebene Umhüllung hinweist? Der Sinnder überlieferten Worte kann doch offenbar nur sein, dass das Schaf in einSchaffell gehüllt wurde, wenn man es als Opfer darbrachte, nicht etwa, dassman das Fell auf dem Körper sitzen Hess, oder dass man das Opferfleischin dasselbe einwickelte, bevor es auf dem Altar niedergelegt wurde.

Wenn es das Fell einer anderen Tierart gewesen wäre, so Hesse sich derRitus aus dem gleichen Grundgedanken erklären, der auch bei dem römischen

785) Duc de Luynes, Numismatique et inscriptions Cypriotes. Paris, 1852,p. 5 f. [Kyprische Münzen zeigen oft einen Widder; zuweilen wird die Aphrodite mitdem Widder dargestellt (Fig. 9). Vergl. die Abbildungen bei de Luynes: Tafel I (14Münzen), Taf. XII, 1 und Taf. V, 3. VI, 5. S. die Abbildungen S. 291, Fig. 7 u. 8.]