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Die Religion der Semiten
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Anhang. Das Schafopfer im Cultus der kyprischen Aphrodite. 339

feierlich und eher von volkstümlicher Art als ein Bestandteil der Staatsreligion.Macrobius berichtet in der That, dass dieses Fest in Rom nicht alt war,sondern dass es aus einem geschichtlichen Grunde eingeführt wurde, den an-zugeben er freilich unterlässt 772 .

Nun ist aber in Rom ein neuer Ritus mit fast völliger Sicherheit alsentlehnt zu betrachten, und ausserdem ist die Thatsache mit voller Sicher-heit bezeugt, dass der einflussreichste Mittelpunkt des Venuscultus im Westen,der auch für die Entwickelung des Cultus in Italien am bedeutsamsten war m ,der grosse Tempel auf dem Eryx, dem karthagischen "pK, war. Aus phöni-cischen Inschriften ist sicher, dass die Göttin des Eryx die Astarte war 774 .Somit ist nun leicht begreiflich, dass der semitische Astartecult seinen Wegnach Rom fand.

Wenn Lydus, indem er von dem römischen zu dem kyprischen Brauchübergeht, sagt:ettjiato 5s V] 'AcppoSrrrj tot; aüxois o!g xat V) "Hpa", so kannich darin nicht mit Engel die allgemeine Angabe sehen, dass in der Regelder Juno und der Venus die gleichen Opfer gebracht wurden. In der Wahldes Opfers für eine einzelne Gottheit oder für einen Tempel Hessen die orien-talischen Culte eine weit grössere Freiheit zu, als sie in Griechenland oderRom üblich war. Für die karthagischen Tempel des Baal ergiebt sich diesans den noch erhaltenen Inschriften. Ueber den Cultus der Astarte-Aphroditeberichtet uns Tacitus 775 , dass zu Paphos, und Aelian 770 , dass auf demEryx jeder Verehrer jede Art von Opfertieren nach seinem Belieben wählte.

Diese Freiheit, die für die Griechen und Römer offenbar überraschendwar, ist wahrscheinlich auf den religiösen Synkretismus zurückzuführen, dersich bereits in sehr früher Zeit an allen grossen semitischen Heiligtümerngeltend machte. Wie wir im Cultus zu Hierapolis sehen, vereinigte eineGottheit in sich eine Anzahl von Zügen, die ursprünglich verschiedenen Götterneigen waren, und ebenso verschmolz an einem einzigen Tempel eine dementsprechende Vielheit alter Rituale. Bei den kosmopolitischen Phöniciernwar dieser Synkretismus wahrscheinlich sehr alt. Im ganzen Bereich dersemitischen Welt aber erfuhr er eine erhebliche Förderung durch die Ver-nichtung der alten, kleinen Staatswesen durch die Eroberungen der Assyrer,Babylonier und Perser. Der politische und religiöse Kosmopolitismus desOrients unter den Macedoniern ruht auf einer Grundlage, die Jahrhundertevorher geschaffen worden war.

772) Saturnalia, Lib. I, 12, 1215imperite quosdam opinari Aprilem mensemantiquos a Venere dixisse, cum nullus dies i'estus nullumque sacrificium insigne Veneriper nunc mensem a maioribus institutum sit, sed ne in carminibus quidem SaliorumVeneris ulla, ut ceterorum caelestium, laus celebretur".

[Damit giebt Macrobius die wahrscheinlich richtige Anschauung der älterenKenner der röm. Antiquitäten wieder, nämlich des L. Cingius, auf den sich auchLydus IV, 64 (ed. Wuensch, p. 118) beruft, und des Varro, De lingua latina, VI, 33(ed. Spengel, I, p. 82). Vergl. das Einzelne über das römische Venusfest am 1. Aprilbei Preller-Jordan, Röm. Mythol. 3 I, 442. 449.]

773) [Der Tempel der Aphrodite auf dem Eryx wird bei den Römern zuerst imJ. 217 v. Chr. erwähnt. Vergl. über den Cult den erycinischen Venus und seine Aus-breitung in der römischen Welt Preller -Jordan, Röm. Mythologie 3 , I, 437. 445.II, 312.]

774) CIS. I, 140. 135, 1 ~px mntt>U.

775) Tacitus Hist. II, 3hostiae, ut quisque vovit, sed mares deliguntur".

776) Aelian, De nat. animal. X, 50.

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