338 Anhang. Das Schafopfer im Cultus der kyprischen Aphrodite.
Weiterhin sagt Lyclus von den Frauen der gewöhnlichen Stände, dasssie mit Myrten bekränzt in den Bädern der Männer badeten 707 , was mitden Angaben 0 v i d s und P1 u t a r c h s 708 , wie mit dem Cultus der Fortunavirilis in den Pasti Praenestini übereinstimmt 76 °.
Von diesem römischen Cultus kommt Lydus dann auf das kyprischeRitual, das auf denselben Tag fällt, mit einer Bemerkung über die der Göttindargebrachten Opfer. Er sagt: Venus wurde mit denselben Opfern wie Junoverehrt; aber auf Cypern „Trpoßaxov xioSccp eaxe7iaa|iivov auveö-uov -qj 'Acppo-StTTfj — 6 5s xpoTcog ifjs iepxzdxq §v tyj KuTtpco oltzo tt)q Kopiv&ou 7tap7)A{rErare — elta §e xac aua? dypious IftDov aöxyj xtä. Da Lydus dann zu der An-gabe übergeht, dass darauf (scxa Se), d. h. am zweiten April, der Göttin Wild-schweine geopfert wurden, und zwar deshalb, weil dieses Tier den Adonis an-griff und tötete, so ergiebt sich, dass das Schafopfer am ersten April stattfand.Engel 770 hat den Zusammenhang übersehen, wenn er sagt, dass nach Lydusdie gewöhnlichen Opfer der Aphrodite die gleichen waren wie die der Hera,dass aber auf Cypern das bevorzugte Opfer der ersteren Göttin ein Schaf miteinem wolligen Fell war. Lydus sagt nicht, dass das Schaf das bevorzugteOpfer im kyprischen Aphroditecult war, sondern dass es das für den erstenApril bestimmte Opfer war. Der Hauptpunkt in der Stelle ist, dass dasrömische Fest, das am 1. April begangen wurde, auf Cypern mit Umgestal-tungen in den Einzelheiten des Cultus wieder erscheint.
Dieses Zusammentreffen kann nicht zufällig sein, und die Erklärungliegt nicht fern. Die kyprische Aphrodite ist die semitische Astarte, und ihrCultus trägt durchweg ein semitisches Gepräge. Für den Ursprung des April-festes müssen wir daher das semitische Ritual berücksichtigen. Bei denSyrern ist der dem April entsprechende Monat der Nisan; und an den dreiersten Tagen des Nisan — wie wir aus dem Filirist erfahren — besuchtendie Syrer von Harran, die an dem alten Astartecultus bis in das Mittelalterhinein festhielten, den Tempel der Göttin in Scharen (Lydus : auvefruov), brachtenOpfer dar und verbrannten lebende Tiere. Dieses Verbrennen lebender Tiereentspricht den Bräuchen, die an dem grossen Fest der syrischen Göttin zuBeginn des Frühlings in Hierapolis geübt wurden; nach Lucians Angabewurden Ziegen, Schafe und andere lebende Tiere über einem Scheiterhaufenaufgehängt und das Ganze verbrannt 771 . Das Fest ist also ein jährlichesFriihlingsfest semitischen Ursprungs. Der römische Brauch war weniger
auch in den Pasti Praenestini erwähnt. [CIL. I, p. 316; 2. Aufl. p. 235. Vergl.den Commentar Mommsens p. 390. 2. Aufl. p. 314.]
767) „ai 6s xoü 7tXvi9-ous yuvalxsf £v zolc, xfflv ävSpöJv ßaXavsioij sXoiiovxo Ttpö; 3-spa-jteiav aityjs iiupaivjj £axe|i|iEvai".
768) Ovid, Fasti IV, 139. Plutarch, Numa, 19. Im April findet das Pest derVenus statt „xal xatf xaXdvSaij sax=:po!Vü)(iivai ai yuvalv.s; [lupaivvj Xo'Jovxat".
769) [Pasti Praenestini ed. Th. Mommsen CIL. I-, p. 235: „Prequentermulieres supplicant Portunae virili humiliores etiam in haineis, quod in iis ea partecorporfis] utique viri nudantur, quae femmarum gratia desideratur." So lautet der Textder Inschrift zum 1. April. Indes vermutet Mommsen p. 314, dass die richtige Text-gestalt durch eine Auslassung verderbt worden ist. Aus Ovid, Pasti IV, 145. Jo. Lydus,IV, 65 ergiebt sich, dass der Text gelautet hahen muss: „frequenter mulieres supplicanthonestioresVeneriverticordiae, Fortunao virili humiliores, etiam in bal-neis ... etc. "J
770) Kypros II, 155.
771) L u c i a n, De dea Syria 49.