Das Fell des Opfertiers. 335
Haut von Opfertieren, die zugleich die Religion eines Mannes und seinen hei-ligen Stamm kennzeichnete, im gewöhnlichen Leben ausser Gehrauch kam, be-hauptete sie sich immer noch im Zusammenhang mit heiligen Bräuchen und be-sonders bei Sülmecermonien. Wir haben im Bereich der Semiten dafür mehrereBeispiele. Der assyrische Verehrer des Dagon, der dem Fischgott das mystischeFischopfer darbringt, hüllte sich in eine Fischhaut 758 . Das altphönicische Wild-opfer wurde von Leuten dargebracht, die mit dem Fell ihrer Beute bekleidetwaren; auf Cypern wurde der Schafgöttin das Opfer eines Schafes dargebracht,wobei man Schaffelle trug 750 . Aehnliche Beispiele bieten uns die dionysischenMysterien und andere griechische Riten, und in fast jeder rohen Religion findetsich Verwandtes. In den späteren Gestalten der Culte leben überdies die altenBräuche noch weiter, wenigstens in der religiösen Verwendung von Tier-masken 700 . Wenn die Verehrer selbst, in die Felle des heiligen Tieres ge-kleidet, am Heiligtum erscheinen, so ist der Sinn der Ceremonie, dass siekommen, um als Stammesgenossen des Opfers und damit auch des Gottesihre Verehrung darzubringen. Wenn aber das frische Fell des Opfers demVerehrer beim Opfer angethan wurde, so kommt darin mehr der Gedanke zumAusdruck, dass ihm so die heilige Kraft des Lebens des Opfers mitgeteilt werde.So wird bei Sühne- und Reinigungsbräuchen das Fell des Opfers in einer Weiseverwertet, die genau dem Gebrauch des Blutes entspricht; nur kommt in dra-matischer Form lebhafter zum Ausdruck; dass das Leben des Verehrers mitdem des Opfers identisch ist. Bei griechischen Sühnopfern setzte der-jenige , um dessen willen das Opfer vollzogen wurde, einfach seinen Fuss aufdas Fell (y.woiov). In Hierapolis hob der Pilger Kopf und Füsse des Opfersauf sein eigenes Haupt, während er auf dem Felle kniete 701 . In gewissenspäten syrischen Culten erhält ein Knabe die religiöse Weihe durch ein Opfer,bei dem seme Füsse mit Schuhen bekleidet sind, die aus dem Fell des Opfershergestellt werden 702 . Offenbar haben indes diese Riten keine tiefere Auf-fassung von der Bedeutung des Sühnopfers erweckt, die sich von der uns
ist durchbohrt und ein zweiter Riemen durchgezogen). Damit sind die magischenRiemen der Luperci in Rom zu vergleichen, die aus dem Fell des Sülmopfers ge-schnitten waren; Berührung mit denselben heilte Unfruchtbarkeit.
758) [Vergl. die Abbildung bei Ohn e t'als ch - Ri cht e r, Kypros, Tafel 97.]
759) S. oben p. 222 ff. 237 und den Anhang. Auch die erblichen Priester von Pal-metum waren mit Fellen bekleidet (Strabo, XVI, 4, 18 p. 776). Vergl. damit den„Gürtel", richtiger wohl „Fellschurz", den Elias trägt (IL Kön. 1, 8).
760) Solche Masken wurden selbst noch von christlichen Arabern im Negrän bei Ritengebraucht, die der Bischof Gregentius von Taphar in den für die christlichenHimjaren geschriebenen Gesetzen als heidnisch bekämpft; s. Nö|iot. xo>v '0|iyjpixü>v. cap. 34(ed. Boissonade, Anecdota graeca, V, 95 f. Migne, Patr. Gr. 86, 1, p. 599): „0£ xi Ssp-|idxtva TtpdaojTta ävSps; dvatSsTj sv£i3uay.6|j.£voi, xal §7tl äyopä; Saip.ovicüvxsg -/.al naJJovTs;, &rxoü 2axavä xyjv atSffi äa7ia£d|isvoi, xai xo e'vxi Xptaxtavot TtapaxapdxxovxEc; y.ai tö „'Axoxda-aou.ai xqi Saxav^ y.ai itdaiß xfj 7iO|.nqj aOxoö" 5y)]ioaE(us BiatpEuSöasvoi, SEXsaD-toaav ävä u-aait-fcoySiay.oaitov, y.ai Ttupi ixpooaYEaiho aijxffiv s'Exe 8-pig xai rj y £V£ -«S , **'• Blrju-EüS-oVies oi xoioOxoi.T(jj ßaaiX'.xtü spyodosup ä7iaf2a9-u)aav 4;xi sviauaiaiov /pdvov ..." [Ueber Gregentius vergl.Krumbacher, Byzant. Littgesch. p. 59. Ueber das Christentum unter den Himjarens. Fell, ZDMG. 35, 1—74. M o r d t m ann , ZDMG. 35, 693—710. Dillmann, ZurGeschichte des Axumitischen Reiches. (Abb. d. Ak. d. "Wissensch. zu Berlin, 1880,
P- 1 ~ B1 )]- • *-■,''„■-.
76l)Lucian, De dea Syria, 55: ,xö 8s vay.og x a l ia - S-ejisvog litl xouxou sc; ^cvu
li^Exai, ixdSag 8e y.ai stscpaMjv, xoö vitljveoj; ejtl xvjv lauxoü y.EcpaXyjv dvaXap.ßdvst."
762) Nouveaux documents pour Tetude de la religion des Harraniens in den „Actes
du VI. congres internation. des Orientalistes, tenu en 1883 ä Leide. II, 1. p. 336 (arab.
Text) u. p. 361 (Uebers.).