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Die Religion der Semiten
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Tanzen und Jauchzen im Zusammenhang mit dem Opfer. 331

griechischen und libyschen oXah)yi\ zu trennen; und in der That sind dieStämme bbnsingen, preisen" und bb< (arab. JjJ,)heulen" eng verwandt 740 .

Tanzen und Jauchzen im Zusammenhang mit dem Opfer.

Ein anderer Brauch, der eine doppelte Erklärung zulässF, ist der cul-tische Tanz. Der Tanz ist ein gewöhnlicher Ausdruck der religiösen Freude,wie sich aus mehreren Stellen des alten Testaments ergiebt. Aber der hinkendeTanz der Priester des Baal (I. Kön. 18, 26) ist mit trauererfüllten Bittgebetenverknüpft, und im Syrischen bedeutet dasselbe Verb um in verschiedenen Con-jugationentanzen" undtrauern".

Bei dem gewöhnlichen Opfercult hatte sich die Haltung ehrfürchtigerScheu, die man in alter Zeit gegenüber dem Tode des Opfers beobachtete,zu wilder Fröhlichkeit umgestaltet, und das Geschrei erfuhr eine dem ent-sprechende Wandelung der Bedeutung 747 . Die Sühneriten aber waren dau-ernd von Zeichen der Trauer begleitet, die bisweilen als Klagen um den Toddes Gottes, bisweilen als Formen reuevollen Flehens, als Gebete um Schutzvor dem göttlichen Zorn gedeutet wurden.

Dass die Empfindungen der Reue emen Ausdruck in der Form von Trauer-bräuchen finden. ist eine uns so vertraute Idee, dass sie auf den ersten Blickkeine Deutung zu erfordern scheint. Doch schon eine kurze Erwägungwird diesen Eindruck berichtigen und die Annahme als durchaus nicht unbe-gründet darthun, dass die Formen der Trauer, die man bei Riten beobachtete,mit denen man die Götter anflehte, ursprünglich nicht ein Ausdruck des Leidsum die Sünde oder eine an das Mitleid der Götter gerichtete Wehklage sind,sondern lediglich die pffichtgemässe Klage um den Tod des verwandten Opfer-tiers. Die vorgeschriebenen Formen sind mit denen der Trauer um einen Totenidentisch. Wenn man aber geltend machen wollte, dass diese lediglich ein

746) Movers, Die Phönizier, I, 246 f. ist dafür nur mit Vorsicht zu benutzen.Das arabische ahalla, tahlil ist ursprünglich mit dem Schlachten des Opfers verknüpft(oben S. 263). Fleisch, das im Namen eines C4ötzen geschlachtet worden ist, ist uhillaligairi 'llälii, und das tahlil umfasst 1) die Basmala des Opfernden, 2) das Jaucbzender Versammlung, die dem Akt beiwohnt, 3) durch eine natürliche Ausdehnung desBegriffs jedes religiöse Freudengeschrei. Wenn wir jetzt noch bemerken, dass die Bas-mala die Fomi ist, mittelst der der Opfernde seine kühne That entschuldigt, und dasstahlil auch bedeutetfurchtsam zurückschrecken" (N öldeke, ZDMG. 41, 723), so könnenwir kaum noch daran zweifeln, dass das Geschrei ursprünglich nicht ein Freudenge-

schrei, sondern ein Ausdruck der Ehrfurcht und Angst war. Die Ableitung des J^lvon J^lL^Neumond" ist vonLagarde, Orientalia, II, 19 und Snouck-Hurgronj e,Het mekkaansche Fest, p. 75, versucht worden. [Der Neumond sei nach der ihm mitlautem Rufen (bnrufen") erwiesenen religiösen Verehrung benannt worden.] Diese Ver-mutung ist sehr ansprechend, aber vielleicht nicht haltbar. Vergl. zur Sache: Well-hausen, Heidentum, p. 107 ff. [110 f.]

747) Dieser Uebergang war wahrscheinlich viel älter als uns scheint; denn dasSchreien bei der Trauer wie in der Freude scheinen ursprünglich beide dazu bestimmtgewesen zu sein, böse Einwirkungen zu verscheuchen. Naturgemäss machen Menschen, wiedie Kinder, in der Freude Lärm; aber die üblichen, gellenden Schreie der Weiber imOrient (zagäritj sind kein natürlicher Ausdruck der Freude und unterscheiden sich inihrer Art von dem bei der Trauer ausgestossenen Ton überhaupt nicht. Das hebräischerinna wird von dem Jauchzen der Freude wie von dem Schreien der Flehenden bei einemreligiösen Fest gebraucht (Jer. 14, 12). Im Arabischen wird der Stamm meist von demGeschrei bei der Trauer gebraucht, so z. B. von den Klageweibern.