Das von siegreichen Kriegern dargebrachte Opfer. 311
sclieeren; es ist seiner ältesten Bedeutung nach ein Wiederanknüpfen derheiligen Bande der Lebensgemeinschaft, die während der Abwesenheit vondem Wohnsitze des Stammes schwach geworden sein könnten. In späterer Zeitmusste ein solches Opfer ganz natürlich als ein Sühn- oder Reinigungsopfererscheinen. Dementsprechend wird auch im levitischen Gesetz Kriegern, dieaus der Schlacht zurückkehren, eine genaue Reinigung vorgeschrieben, bevorsie in ihre Heimat zurückkehren dürfen (Nim. 31, 19 ff). Im alten Arabien,wo die Krieger unter denselben Tabus standen wie jemand, der eine Pilger-fahrt unternahm, war die naM'a unfraglich das Mittel, um das Tabu aufzu-heben und damit zum gewöhnlichen Leben zurückzukehren.
Diese Bemerkungen ermöglichen uns zugleich, die Opferung von Ge-fangenen oder von bestimmten, auserlesenen Gefangenen in ein etwashelleres Licht zu rücken. Dieses Opfer ist kein Akt der Blutrache; denn dieRache ist in der Schlacht geübt. Der Gefangene ist einfach, wie es Nilusangibt, der erlesenste Teil der Beute, der für einen religiösen Zweck ausge-wählt wird. Der Brauch, ein Menschenopfer dem eines Kamels vorzuziehen,ist vielleicht seiner Entstehung nach, wie auch in anderen Fällen vonMenschenopfern, etwas secundäres. Immerhin scheint dieser Brauch sehralt zu sein; denn Saul verschont den Agag, damit er geopfert werde, undSamuel vollzieht dieses Opfer thatsächlich, indem er ihn „vor Jahwe" in Gilgalerschlägt (I. Sam. 15, 9. 33). Hierbei ist, wie auch in anderen Fällen vonMenschenopfern, die Wahl eines Fremden statt eines Volksgenossen nicht dasWesentliche am Ritus; denn Jephtha erfüllt sein Gelübde nach der Rückkehrvom Kampf gegen die Amalekiter durch das Opfer seiner eigenen Tochter.
Nach den arabischen Lexicographen kann der Terminus nalcfa auch aufOpfer angewendet werden, die bei anderen Gelegenheiten als bei der Rück-kehr aus dem Kriege dargebracht werden, z. B. bei einem Krönungsmahl,oder bei einem Mahl, das jemand seinen nächsten Freunden bei seiner Hochzeitveranstaltet. Endlich scheint das Wort einen ganz allgemeinen Sinn anzu-nehmen und von jedem Schlachten gebraucht zu werden, durch das man einemGaste Lebensunterhalt beschafft. lieber die Anlässe, bei denen die Araberein Opfertier zu schlachten pflegten, die bei ihnen ganz dieselben sind, wiedie Fälle, in denen auch von afrikanischen Völkern das Schlachten eines heiligenTieres zugelassen wird (s. oben, S. 228 f.), macht der Vers eine Angabe 00 °, nachdem die wünschenswertesten Festmahle das hurs, das i'där und die naki'asind. Das erste Wort, das gewöhnlich die Fleischbrühe, die einem Weibeim Wochenbette gegeben wird, bedeutet, bezeichnet auch das bei der Geburteines Kindes veranstaltete Mahl. Das i'där ist das Fest bei einer Beschneidung.Im Journ. Piniol. XIV, 124 habe ich das Wort hurs mit dem hebräischenO'tnn „Zaubereien" in Verbindung gebracht. Bezauberte Speise ist ursprünglichheilige Speise.
Wenn demnach die beim Ausbruch eines Krieges dargebrachten Opferbis in die ganz primitiven Zeiten zurückgehen, so war somit das Cere-monial, das bei Opfern aus solchen Anlässen zu beobachten war, durch einefest begründete Tradition gesichert. Das Opfer wurde am Altar immer noch
690) Li san, VI, 226. X, 240. Tag al-'arüs, V, 519, Z. 2.