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Die Religion der Semiten
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Der Ursprung der Sülmopfer. 309

welcher Weise mit dem Leben seines Gottes und seiner Anhänger ver-wandt sei. Bei den Hebräern der vorprophetischen Zeit tritt es bestimmthervor, dass den vollen Brandopfern und anderen aussergewöhnlichen Opferneine besondere Wirkung als Mittel, den göttlichen Groll zu beseitigen, zu-geschrieben wurde. Aber eine gewisse sühnende Kraft wurde allen Opfernzuerkannt; und Opfer von der Art und Wirkung der Sühnopfer wurden beimanchen Gelegenheiten dargebracht, betreffs derer wir nicht annehmen können,dass die Empfindung für die Sünde und den göttlichen Zorn in besondersstarkem Masse bei ihnen zur Geltung gekommen sei. So war es z. B. Sitte,einen Feldzug mit einem Brandopfer zu eröffnen, das im alten Israel dasfeierlichste Sühnopfer war. Darin lag indes nicht die Empfindung, dass derKrieg ein göttliches Gericht und ein Zeichen des Zornes Jahwes sei 683 .Vielmehr ist ganz offenbar, dass das Opfer eigentlich die Weihung der Kriegerwar. Der hebräische Ausdruck für das Eröffnen eines Krieges ist den Kriegheiligen" (nürbü unp); die Krieger sind geheiligte Personen, die besonderenTabus unterworfen sind 684 . Hier liegt es also ganz nahe, dass das Holo-caustum einfach die Umgestaltung einer alten Form der sacramentalen Ge-meinschaft darstellt 085 . Ebenso eröffneten die Griechen ihre Kriege mit in feier-lichster Weise veranstalteten Sühnopfern. Nach Phylarchus 086 war in derThat einstmals das Menschenopfer gebräuchlich, was indes für historischeZeiten nicht völlig sicher zu erweisen ist. Doch bezweifle ich nicht, dass dieAngabe des Phylarchus einer weit verbreiteten Ueberlieferung entspricht, wiesolche leicht entstehen konnte, wenn die aus Anlass eines Krieges darge-brachten Opfer von jenem aussergewöhnlichen und hochheiligen Charakterwaren, mit dem die Sagen über thatsächliche Menschenopfer so häufig ver-knüpft sind 0S7 . Eine Veranschaulichung der Angabe des Phylarchus wirdjedem in der Opferung der Iphigenie entgegentreten. Hiebei ist zu bemerken,dass zwar alle Formen der Sage darin übereinstimmen, dass Agamemnonirgend eine todbringende Sünde begangen haben muss, bevor von ihm ein so

683) Das Brandopfer beim Beginn eines Feldzugs erscheint Rieht. 6, 20 (vergl.v. 26), 20, 26. I. Sam. 7, 9. 13, 10. In Rieht. 11, 31 ünden wir statt des Opfers vor-dem Kriege das Gelübde, nach seiner glücklichen Beendigung ein Brandopfer darzubringen.Die Auffassung, die der Redactor der Geschichtsbücher (Rieht. Sam. Kön.) vertritt, dassdie Kriege Israels mit seinen Nachbarn meist Strafen für die Sünde des Volkes seien,ist nicht alt. Vergl. Gen. 27, 29. 49, 8. Num. 24, 24. Deut. 33, 29.

684) Jes. 13, 3. Jer. 6, 4. 51, 28. Joel 4, 9. Micha 3, 5. Vergl. das Nähere obenS. 122126.

685) Ich vermute, dass der Brauch, die Krieger dadurch zusammenzuziehen, dassdie Teile eines in Stücke gehauenen Opfertiers umhergesandt werden (I. Sam. 11, 7.Rieht. 19, 29), ursprünglich eine ähnliche religiöse Bedeutung hatte, wie sie in der Formdes Bündnisschlusses, bei dem das Opfer in zwei Teile zerlegt wurde, zum Ausdimckkam. Damit ist der von L u c i a n, Toxaris, 48 beschriebene skythische Brauch zu ver-gleichen ; auch bei den Molossern wurde ein Kriegsbündnis durch Zerteilung eines Ochsenin kleine Stücke abgeschlossen. Zenobius, II, 83.

686) P o r p h y r i u s, De abstin. II, 56.

687) Auch zur Zeit der höchsten Blüte der hellenischen Cultur finden wir Zeug-nisse für den Glauben an die Macht des Menschenopfers, den Sieg im Kriege zu sichern.Noch zur Zeit des Pelopidas wurde die Zweckmässigkeit des Menschenopfers eingehenderörtert und auf Grund geschichtlicher wie mythischer Beispiele aufrecht erhalten (PIu-tarch, Pelopidas, 21). Die historischen Beispiele werden aber bei genauerer Prüfung aufden einzigen und ganz aussergewöhnlichen Fall der Opferung von drei gefangenen Persernvor der Schlacht bei Salamis beschränkt. Die Reihe der sagenhaften Beispiele Hessesich andrerseits noch leicht vermehren, z.B. durch das Opfer des Bombus. ZenobiusII, 84.