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Die Religion der Semiten
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298 Zehntes Kapitel. Die Entwickelung des Opferrituals. Feueropfer und Sülinopfer.

Zusammenhang mit dem wirklichen Menschenopfer , zu der Bestimmung, dasskein Teil eines solchen Opfers gegessen werden darf, sondern dass es ganzverbrannt werden muss.

Wenn wir uns nach dem arabischen Brauch, wo das Brandopfer auf dieMenschenopfer beschränkt war und das Fett der gewöhnlichen Opfer nichtverbrannt wurde, ein allgemeines Bild von der Entwickelung machen könnten,so würde sich zeigen, dass das Menschenopfer die Anwendung des Feuersals des sichersten Mittels zur Zerstörung der Körper der heiligsten Opferzuerst veranlasste. Aus diesem Brauche ist dann wahrscheinlich auch dieVerbrennung des Fettes bei gewöhnlichen Opfern abgeleitet worden. Um einpositives Urteil darüber zu gewinnen, reichen die Zeugnisse nicht aus; esist auch sehr wohl möglich , dass die Anwendung des Feuers bei den Nord-semiten im Zusammenhang mit den gewöhnlichen Opfern auftrat, wobei eseinfach als Mittel diente, um mit solchen Teilen des Opfers fertig zu werden,die nicht gegessen werden konnten, die aber zu heilig waren, um ungenutztzu bleiben. Das hebräische Ritual schreibt genau vor, dass das, was nichtam ersten oder zweiten Tag gegessen wird, verbrannt werden soll (Lev. 7, 15).Das ist offenbar eine Abmilderung der alten Bestimmung, nach der das Fleischdes Opfers ohne Verzug verzehrt werden musste, solange es noch lebendig warund noch zuckte, zu der Vorschrift, dass man es nicht in Verwesung übergehenlassen darf. Und diese Bestimmung scheint wiederum, da der enge Zusammen-hang zwischen Verwesung und Gährung auch dem ungeschulten Beobachterentgegentritt, denselben Grundsatz auszudrücken, nach dem in Gährung über-gegangene Stoffe vom Cultus ausgeschlossen sind. Die Anwendung des Feuersbeim Opfer als des wirkungsvollsten Mittels, um bei allen ungeniessbarenTeilen des Opfers die Verwesung zu verhindern, erscheint wo immerdas Feuer bekannt war so naturgemäss, dass kein anderer Grund erforderlichist, um seine weit verbreitete Verwendung im Opfercultus zu erklären. DasBegraben des Opferfleisches , für das wir ganz wenige Beispiele finden , scheintnicht so sehr in Aufnahme gekommen zu sein; in der That genügte es beiden durch das hebräische Ritual angedeuteten Bestimmungen nicht dem Zweckederselben.

Cultusstätten auf den Höhen.

Die Geschichte des Brandopferaltars zeigt, dass die Stätte des Schlachtensund der Holzstoss zum. Verbrennen des Opfers zuletzt im Herdaltar zusammen-fielen. Der allmähliche Wandel der Anschauung, durch den das Verbrennen,und nicht mehr das Schlachten zum Mittelpunkt der Opferhandlung wurde,zeigt seine Einwirkung auch in der Wahl der Cultusstätten.

Die Heiligtümer der Nordsemiten lagen gewöhnlich ausserhalb oder ober-halb der Stadt. Dies scheint jedoch in Arabien nicht der Fall gewesen zusein, wo die meisten Heiligtümer in wasserreichen Grotten, neben Quellenund Bäumen gelegen zu haben scheinen. Auch im Gebiet der Nordsemitenfinden wir neben Quellen, unterhalb von Städten, Spuren von Heiligtümern,die älter waren als die Höbenstätten auf den Hügeln. So war bei Jerusalemdie Heiligkeit der Quellen Gihön und En-rögel älter als die der wasserlosenHöhe des Zion, der die Stadt überragt.