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Die Religion der Semiten
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Die Heiligkeit des Fettes der Nieren. 295

zunächst an* die Knochen der Opfer denken. Die Saracenen des Nilus öffnetendie Knochen und assen das Mark; aber die feste Knochenmasse muss den meistenZähnen widerstanden haben, wenn sie nicht zermalmt wurde, und damit warsie besonders geeignet als Zaubermittel aufbewahrt und benutzt zu werden.Natürlich sind die heiligen Gebeine auch oft begraben worden; und als dasFeuer eingeführt war, sind sie wahrscheinlich verbrannt worden, wie es beiden Kaffern die Regel ist 075 . Da die Opfer der Kaffern keine Brandopfersind, so ist klar, dass die Gebeine in diesem Falle verbrannt werden, umdie heilige Masse zu vernichten, nicht um den Göttern Nahrung zu be-schaffen. Aber auch wenn die Knochen oder der ganze Körper eines heiligenTieres verbrannt worden sind, so ist damit ihre heilige Kraft noch nichtnotwendig zerstört. Die Asche des Opfers wird ebenso wie das Blut beiReinigungsbräuchen verschiedener Art benutzt, wie die Asche der roten Kuhbei den Hebräern. In Religionen, die auf der Stufe des Ackerbau treibendenLebens stehen, wird solche Asche sehr häufig angewandt, um dem AckerFruchtbarkeit zu gewähren. Die heiligen Bestandteile, die nicht mehr ge-gessen werden, werden in umgestalteten Formen als Mittel benutzt, um denVerehrern sowie ihren Häusern. Aeckern und allem, was mit ihnen zusammen-hängt, das göttliche Leben und die lebenspendende oder schützende Kraftmitzuteilen.

In den späteren Feuerritualen ist das Fett des Opfers nebst seinemBlut ganz besonders die auf dem Altar dargebrachte Speise der Götter. Aberzwischen dem Brauche, in dem sich diese Auffassung darstellt, und demprimitiven Brauche, bei dem der ganze Körper gegessen wurde, müssen wirnach dem eben Bemerkten noch eine Zwischenstufe einschieben, die uns nochin dem Brauche primitiver Völker entgegentritt und beobachtet werden kann.Bei den Damaras glaubt man, dass das Fett besonderer Tiere gewisse Kräftehat; es wird sorgfältig gesammelt und in Gefässen besonderer Art aufbe-wahrt. Ein kleiner Teil, der in Wasser aufgelöst ist, wird Personen ge-geben , die nach langer Abwesenheit gesund heimkehren . . . der Häuptlingbenutzt es als eine Salbe für seinen Körper 070 ." Auch bei den Namaquaswerdengedörrtes Fleisch und Fett" als Amulette benutzt 077 . Bei denBetschuanen ist das Einschmieren mit Fett ein Teil der Ceremonie, durchdie Mädchen unter die erwachsenen Weiber aufgenommen werden, und beiden Hottentotten werden Jünglinge bei ihrer Mannesweihe mit Fett undRuss gesalbt 078 . Fett ist überall in Arabien die gewöhnliche Salbe, undsehen wir aus diesen Beispielen, dass ihr Gebrauch nicht bloss hygienischist, sondern auch eine religiöse Bedeutung hat. Die Benutzung verschiedenerFettarten, besonders des Menschenfetts, als Zaubermittel ist überall in derWelt verbreitet; aus der oben erwähnten Anschauung der Australier ersehenwir, dass der Grund dafür ist, dass das Fett als ein besonderer Sitz desLebens der Träger der lebendigen Kraft dessen ist, von dem es genommenwird. Indem wir den Gebrauch von Salben in der semitischen Religion er-

675) Maclean, p. 81.

676) Andersen, Lake Nganii, p. 223.

677) Ibid. p. 330. Das gedörrte Fleisch erinnert an den arabischen Brauch,Streifen des Opferfleisches an den Tagen von Minä zu dörren, s. Wellhausen,Heidentum, p. 70 [80].

678) Ibid. p. 465; Kolben, 1, 121.