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Die Religion der Semiten
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288 Zehntes Kapitel. Die Entwickelung der Opferrituals. Feueropfer und Sühnopfer.

opfer und andere Opfer auf dem Altar zu verbrennen 052 , sodass der heiligeStein, auf dem das Blut dargebracht wird, und der Altar, auf dem das Fleisch

verbrannt wird, bereits völlig zusammenfal-len 053 . Doch haben sich in der ältestenGeschichte noch die Spuren eines verschie-denartigen Brauchs erhalten. Die Brand-opfer des Gideon und des Manoah werdennicht auf einem Altar, sondern auf einemStein dargebracht 054 ; und noch bei der Er-öffnung des salomonischen Tempels wurdendie Feueropfer nicht auf dem Altar ver-Pig. 1. Phönicischer Steinaltar, brannte sondern in der Mitte des vor demRenan, Mission de Phen. p. 229. Tempel gelegenen HofeSi wie es noch ^de

Jahrhunderte später zu Hierapolis geschah, an dem Tage, an dem das Opferauf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. In I. Kön. 8, 64 wird ange-geben, dass dies geschehen sei, weilder eherne Altar, der vor Jahwestand", für einen solchen Anlass zu klein war. Aber nach I. Kön. 9, 25wurden die Brandopfer und gewöhnlichen Opfer, die Salomo dreimal im JahreJahwe darbrachte, gleichfalls nicht auf dem ehernen Altar, sondern auf einemAltar, denSalomo Jahwe erbaut hatte", d. h. auf einem Aufbau aus Steinenverbrannt. In der That haben wir keine ganz unzweifelhafte Angabe übereinen bleibenden Brandopfer-Altar im Tempel zu Jerusalem bis zur Zeit desAhaz, der einen solchen nach dem Modell des grossen Altars von Damaskuserrichten Hess. Dieser Altar, nicht etwa der eherne Altar, gab wieder dasVorbild für den Altar des zweiten Tempels, der aus Steinen, nicht von Erzwar. Aus dem Bericht in IL Kön. 16 ist, besonders nach der Textgestaltder Septuaginta, ganz deutlich, dass mit der Neuerung des Ahaz nicht blosseine neue Form der Architektur eingeführt wurde, sondern dass sie eine Um-gestaltung des ganzen Rituals bedeutete. Auf diese Entwickelungsgeschichtedes Jerusalemer Altars, die zugleich eine Wandlung im Tempel-Cultus be-deutet, müssen wir hier etwas näher eingehen.

Der Altar zu Jerusalem.

Dass in Jerusalem bereits ein Altar stand, bevor der Tempel vorhandenwar, kann als allgemein zugestanden gelten, auch ohne die ausdrückliche Er-wähnung desselben in IL Kön. 11, 11. 12, 10. I. Kön. 8,22. 54. Diese Stellengeben indes über die Natur des Altars keinen Aufschluss. Wir betrachtenhier für sich zunächst den Brandopfer-Altar, sodann den ehernen Altar.

1. Nach I. Kön. 10, 25 erbaute Salomo einen Brandopferaltar und

652) Gen. 8, 20; 22, 9. Nach Exod. 20, 24 wird das Brandopfer auf dem Altargeschlachtet; doch wird nicht ausdrücklich gesagt, dass sie auf ihm verbrannt werden.

653) [Der oben abgebildete phönicische Altar zeigt die Gestalt des Opfertisches,der noch annähernd die Form der Steinsäule bewahrt. Vergl. auch den mehr pfeiler-artigen, künstlerisch aber weiter ausgebildeten phönicischen Steinaltar bei Renan,Mission de Phenicie, p. 229, und Perrot und C h i p i e z, III, p. 252. Zur Entwicke-lungsgeschichte des Altars, die in den archäologischen Denkmälern vielleicht noch er-kennbar ist, s. die Ausführungen oben S. 152159.]

654) Rieht. 6, 20. 13, 19. Die jüngere Erzählung von Gideons Opfer Rieht. 6, 26giebt den späteren Brauch.