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Die Religion der Semiten
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Genuss des Opferblutes. 265

strengen Israeliten die blutigen Fleischstücke gegessen wurden, ergiebt sichaus Zach. 9, 7. Hes. 33, 25 695 . Lev. 19,26; und der Zusammenhang dieserStellen, wobei in Lev. 7, 27 das Essen des Blutes mit der Strafe der Excom-munication bedroht ist, berechtigt uns zu der Annahme, dass dieser Braucheine unmittelbar religiöse Bedeutung hatte und mit dem Opfer in Zusammen-hang stand. Dass es in der That ein Akt der Gemeinschaft mit den heid-nischen Göttern war, wird durch Maimonides bestätigt, dessen Angaben nichteine blosse Folgerung aus biblischen Texten sind, sondern auf arabischen Be-richten über die Religion der Harranier beruhen . Immerhin muss in dennordsemitischen Gebieten der cultische Brauch des Blutgenusses bereits in denZeiten selten gewesen sein, auf die sich unsere ältesten Urkunden beziehen.Vermutlich war er auf gewisse mystische Weihebräuche beschränkt und er-streckte sich nicht auf die gewöhnlichen Opfer 607 .

Bei den gesetzlichen Opfern der Hebräer wurde das Blut niemals ge-nossen, sondern im Bundesopfer (Exod. 24) auf die Verehrer gesprengt, wasdie gleiche Bedeutung hat, wie sich aus einer Vergleichung der verschiedenenFormen des Blutbiindnisses unter Menschen bereits ergab. In den späterenFormen des Opfers verschwindet dieser Zug, und die Gemeinschaft zwischendem Gott und seinen Verehrern, die auch bei den gewöhnlichen Opfern dasWesentliche ist, kommt durch das Verbrennen eines Fleischanteils auf demAltar zum Ausdruck, während der Rest gekocht und von den Verehrern ge-gessen wird. Die Applikation des Blutes an den Verehrer ist jedoch in be-stimmten Fällen beibehalten, wie bei der Weihe der Priester und der Reinigungeines Aussätzigen (Lev. 8, 23; 14, 6. 14), wobei der eigentliche Zweck ist,

595) Mir ist nicht klar, warum Cornill Hes. 33, 25 nach Hes. 18, 6. 22, 9 ver-bessert und nicht umgekehrt. Vergl. die Septuag. zu Lev. 19, 26, wo derselbe Irrtumvorkommt.

596) Balälat al-Eairin III, 46 (ed. Munk, Paris 1866, vol. III, p. 104 und p. 371seiner Uebersetzung). Dass Maimonides wirkliche Berichte über die Harranier hatte,auf die er zurückgeht, ergiebt sich aus einem Vergleich der Stelle mit den Auszügenaus einer arabischen Quelle (Akten des Orientalisten - Congresses zu Leiden 1883, 111).Aber daran lässt sich zweifeln, ob seine Autoritäten den Blutgenuss bei den Harraniernbezeugten, oder nur Hindeutungen gaben, nach denen er die biblischen Zeugnisse deutete.

597) Ueber die mystischen Opfer bei den heidnischen Semiten s. oben p. 220 ff.Aus einer Vergleichung von Jes. 6B, 4 und 66, 3. 17 ergiebt sich, dass diese Opfer mitdem Blute gegessen wurden. Alle diese Opfer gehören demselben Kreise von Riten an,bei denen solche Tiere als Opfer gewählt wurden, die im gewöhnlichen Leben strengeTabu waren das Schwein, der Hund, die Maus undGewürm" (fptt') im allgemeinen.Solchen Opfern wurde, wie wir aus Jes. 66, 17 ersehen, eine besondere, reinigende undheiligende Wirkung beigelegt, die der sacramentalen Teilnahme an dem heiligen Fleischzugeschrieben werden muss. Das Fleisch wurde in Form einer Brühe gegessen, dieJes. 65, 4 als eineBrühe von pigc/uUm" bezeichnet wird, d. h. von unreinem, verwe-senden Fleisch, oder von Fleisch, das so geschlachtet worden ist, dass das Blut in ihmzurückblieb (Hes. 4, 14. Zach. 9, 7). Wir haben mithin an eine Brühe mit Blut zu denken,wie die schwarze Suppe der Spartaner, die ursprünglich auch eine heilige, nur für dieKrieger bestimmte Speise gewesen zu sein scheint. Das Hundeopfer bei Jes. 66, 3 wirddurch Brechen des Genickes vollzogen, was mit obigem Ergebnis übereinstimmt. Aehn-lich wird bei den Mysterien der A i n u der heilige Bär, der das Opfer bildet, ohne Blut-vergiessen getötet.

Ueber die indischen Bräuche s. Strabo, XV, 1, 54:oöSe o^ärtouai xbiepeiov üXkü. TtviyouaLv, Iva \ä\ XsX(üß7)u.£vov ccXX' 6|i.ox/.7]pov BtSfflxai tüj ftsöj". SatapathaBrahmana, übers, von Eggeling, II, 190. Für Kappadocien: Strabo XV, 3, 15.oöSe u.<xx.«tpa9-uouct.v, aXÄa y.cp(itp uvi <bg av üjiiptu T'JTtTov-tsg". Ueber das finnischeOpfer s. Mannhardt, Antike Wald- und Feldkulte, p. 160. Ueber andere Fällegleicher Art vergl. Journ. Royal Geogr. Soc. III, p. 283, XL, p. 171. Spencer ver-gleicht dazu noch die Tcvf/.xd in Acta 15, 20.