Druckschrift 
Die Religion der Semiten
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

Das arabische Opfer. 263

opfer-Altar eine Grube, um das Blut aufzufangen, und bei gewissen syrischenOpfern wurde das Blut in einer Grube gesammelt, die anscheinend den Namenma&lcan führte und damit als Sitz der Gottheit bezeichnet wurde 688 .

In Arabien ist also der Höhepunkt des Rituals das Vergiessen des Blutes,das nach dem Bericht des Nilus in dem Augenblicke erfolgt, in dem derreligiöse Gesang zu Ende ist. Die Umkreisung des Altars unter solchen Ge-sängen führt also zu dem Moment hin ä89 , in dem der Cultus seinenHöhepunkt findet. Im späteren Arabien war der Umlauf um den heiligenStein, der taiväf, immer noch ein wesentliches Stück der Religion; aber be-reits in der Torislamischen Zeit löste sich der Brauch vom Opfer und verlordamit seine Bedeutung. Die ursprüngliche Bedeutung deswuhüf, desStehens", die im Ritual der nachmuhammedanischen Pilgerfahrten eine ebensobedeutungslose Ceremonie geworden ist, ist von Wellhausen zweifellos richtigerklärt, der sie mit der von alten Dichtern öfter beschriebenen Scene ver-gleicht, wo die Verehrer in ehrfurchtsvoller Entfernung rings um das Altar-idol stehen, das sie mit gespannter Aufmerksamkeit anblicken, während diegeschlachteten Opfer auf dem Boden hingestreckt liegen. Der Zeitpunktdieser cultischen Verehrung muss in den Augenblick fallen, in dem dasSchlachten der Opfer soeben erfolgt ist oder gerade vollzogen wird, undwo ihr Blut in die gabgab abfliesst oder vom Priester auf die Spitze desheiligen Steines, des nnsb, gebracht wird 590 .

In den entwickelten Formen des nordsemitischen Cultus, in dem dieFeueropfer vorherrschten, verlor das Schlachten des Opfers seine Bedeutungals der entscheidende Punkt im Ritual. Der Altar ist vor allem ein Herd,und das Verbrennen des Opferfettes ist der wichtigste Teil des Cultus.

Dies ist-indes sicher nicht das Ursprüngliche; denn auch in der Zeit derFeueropfer heisst der hebräische Altar rata, d. h.Stätte des Schlachtens" 691 ,und in alter Zeit wurde das Opfer auf oder neben dem Altar geschlachtet,wie sich aus dem Bericht über das Opfer Isaaks und aus I. Sam. 14, 34 er-giebt 592 . Die letzte Stelle beweist, dass die Hebräer noch zur Zeit Sauls eineForm des Opfers kannten, bei der das Opfern mit der Darbringung des Blutesvollendet war. Auch bei dem Brandopfer wurde das Blut nicht in dieFlammen gegossen, sondern an die Seiten des Altars gesprengt oder an seinem

588) S. den von Dozy und de G- o e j e veröffentlichten Text in den Akten desLeidener Orientalistencongresses, 1883, Vol. III, 337. 363. Ueber die gabgab vergl. Well-hausen, Heidentum, p. 100 [2. Aufl. 103]. Vergl. das persische Ritual bei Strabo,XV, 3, 14, und für bestimmte griechische Opfer Plutarch, Aristides, 21:xov xaüpovst£ ty]v nupav ocpagac;".

589) Der cultische Gesang, dessen Inhalt ein Preis der Gottheit war (7-fl arab.tahlü vergl. Wellhausen, Heidentum, 2. Aufl. p. 110 f.) verbindet sich eigentlich mitdem Umkreisen des Altars (vergl. Ps. 26, 6 f.); denn in primitiver Zeit ist der Gesanguntrennbar mit dem Tanz verknüpft, [dessen rhythmische Bewegung sich dabei auf dasLied überträgt].

590) Wellhausen, Heidentum, p. 56 f., Jäküt, III, 94, Z. 13 f. Vergl.Nöldeke in ZDMG. 1887, p. 721), Jäküt, III, 182, Z. 2 f. S. oben p. 172.

591) Aram. madbah, arab. madbah. Letzteres bezeichnet auch einen Graben im

Erdboden, was aus dem über die gabgab Gesagten verständlich ist.

592) S. oben p. 153. Ps. 118, 27 ist das Festopfer mit Stricken an die Hörnerdes Altars gebunden, ein Ueberrest des alten Brauches, der den Septuaginta und denjüdischen Erklärern nicht mehr verständlich war. Zu vergl. ist damit der Opferpfahl,an den das Opfertier bei den vedischen Opfern gebunden wird.