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Die Religion der Semiten
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242 Neuntes Kapitel. Die sacramentale "Wirkung des Tieropfers.

auf zeigen, dass der Eid in Wirklichkeit furchtbar, d. h. für den Meineidigengefährlich war. Es muss jedoch daran erinnert werden, dass nach dem ara-bischen Glauben jemand, der einen Reinigungseid falsch ablegte, ebenso durchein göttliches Gericht sterben musste B2 °. Nach den uns bis jetzt vorliegendenZeugnissen dürfen wir deshalb meines Erachtens mihäs nicht mit dem näral-hüla in Verbindung zu bringen suchen. Wenn erstem - Ausdruck wirk-lichGebrannte" bedeutet, so müssen wir vielmehr annehmen, dass er sichauf den Brauch, das Abzeichen des Stammes einzubrennen, bezieht, daswasm oder auch nur 630 heisst. Denn aus Agh. VII, 110, Z. 26 erfahrenwir, dass mit dem ivasm bisweilen auch Menschen wie Tiere bezeichnetwurden. Dagegen bedeutet mähasa ursprünglicheinritzen", und aus demArtikel im Lisän ist deutlich, dass die traditionelle Deutung des Wortesunsicher war. Ich halte es deshalb für die beste und natürlichste Annahme,mihäs alsGeritzte" zu erklären.

Im Verlauf der Zeit wandten die Araber für das Blut des Bündnissesverschiedene Ersatzmittel an, z. B. rubb, d. h. verdickten Fruchtsaft (odervielleicht den Bodensatz geklärter Butter) , Parfüms und auch heiligesWasser aus einer heiligen Quelle 031 . In allen diesen Fällen können wirnoch erkennen, dass alle diese Ersatzmittel irgend eine Eigenschaft hatten,die sie dem Blute gleichwertig machte. Bei dem heiligen Wasser hegt esauf der Hand: in den heiligen Quellen strömte das Leben der Gottheit 532 .Parfüms aber wurden meist in Form von Salben angewandt, und Salben sind ursprünglich heiliges Fett von den Nieren etc. dem Blute gleichartig 6S3 .Wenn rubb in dieser Verbindung Butter bedeutet, so ist sein Gebrauch beimBündnisabschluss aus der Heiligkeit des Fettes zu erklären. Wenn es jedoch nachder überlieferten DeutungFruchtsaft" bedeutet, so müssen wir uns dessenerinnern, dass auch in anderen Fällen Pflanzensäfte als Blut betrachtet wur-den Mi . Nach der Angabe des Johannes Lydus 535 wurde bei einer römischenCeremonie Bohnensaft an Stelle des Blutes gebraucht, mit der Erklärung,dass die Bohne (xuajio;) Blut enthält (wisi ce!|j,a). Die Stelle ist bemerkens-wert und dient auch dazu die Existenz der gens Fabia im Rom zu erklären,womit der Namen des attischen Heros Kyamites zu vergleichen ist.

Der hebräische Ausdruck ma mseinen Bund schliessen" (wörtlich schneiden") wird gewöhnlich aus der besonderen Form des Opfers abgeleitet,das Gen. 15. Jer. 34, 18 erwähnt wird, wo das Opfer in zwei Teile zer-schnitten wird, und die Parteien zwischen ihnen hindurchgehen. Dies wie-derum wird als eine symbolische Form der Verwünschung erklärt, wie wenn dieSchwörenden damit forderten, dass sie selbst in ähnlicher Weise in Stückegehauen werden sollten, wenn sie als treulos erfunden würden. Damit istaber der charakteristische Zug der Ceremonie, das Hindurchgehen zwischenden beiden Teilen des Opfers, nicht erklärt. Andererseits ersehen wir ausExod. 24, 8das ist das Blut des Bundes, den Jahwe mit euch geschlossen

529) Buchäri, IV, 219 f., VIII, 40 f.

530) Rassmussen, Additamenta, p. 76.

531) Kinship, p, 261. Wellhausen, Heidentum, p. 121.

532) s. Kap. V. S. 132136.

533) s. Kap. X.

534) S. oben S. 94 u. 174.

535) De mensibus IV, 29 [ed. Wuensch, IV, 42].