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Die Religion der Semiten
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Blutsgenieinschai't und Blutbmid. 241

die sich auf das Blutbündnis beziehen; aber statt menschlichen Blutes kommtdas Blut von Opfertieren zur Anwendung, die an einem Heiligtum geschlachtetsind. In diesem Falle besteht das Bitual darin, dass alle an dem Bündnis-schluss Beteiligten ihre Hände in das Blut tauchen müssen, das gleichzeitigauf den heiligen Stein, der ein Symbol der Gottheit ist, gebracht wird, oder dasan seinem Fusse ausgegossen wird. Das Eintauchen der Hände in die Schüsselschliesst die Gemeinschaft beim Essen ein (Matth. 26, 23), und so werden dieGlieder des BundesBlutlecker" genannt. In den alten historischen Berichtenund den alten Dichtungen scheint sich kein Beispiel von einem Bündnis zufinden, bei dem die sich verbindenden Parteien gegenseitig ihr Blut lecken. Aberwir sahen, dass noch in der Gegenwart die Verwendung des Menschenblutesbei Bündnissen den Semiten nicht unbekannt ist. Das Gleiche erhellt für sehralte Zeit aus dem Bericht des Herodot 62i über die Form des Bündnisschlusses,wie sie bei den Arabern an der Grenze Aegyptens üblich war. DurchSchnitte mit einem scharfen Stein wurde das Blut jeder Partei den Daumenentnommen und unter Anrufung der Götter auf sieben heilige Steine ge-strichen. Dies Beschmieren der Steine macht die Götter zu Teilnehmern desBundes; offenbar aber ist die symbolische Handlung nicht vollständig, ohnedass gleichzeitig jede der menschlichen Parteien das Blut der anderen geniesst.Wahrscheinlich geschah es thatsächlich auch, obschon es Herodot nicht mit-teilt. Indes bleibt auch die Möglichkeit, dass sich im Laufe der Zeit dasBitual so weit umgestaltet hatte, dass es für ausreichend erachtet wurde,wenn das Blut beider Parteien mit dem heiligen Stein in Berührung kam.Ein Zeugnis für das Fortleben der von Herodot beschriebenen Form desBündnisses bei den Arabern scheint in dem Ausdruck miliäsGeritzte" für Verbündete" zu liegen 525 . Goldziher nimmt an, dass der Terminus eigent-lich die Gebrannten" bedeutet 520 , was die überlieferte Deutung ist und dar-auf hinweisen würde, dass wir daran ein Beispiel für ein durch Feuer ge-schlossenes Bündnis haben, wie es Gauharl ° 27 und Nuwairi 528 unter dem Titelnär al-hüla erwähnen. Lides erhellt nicht, dass im letzteren Fall das Feuerdie Parteien berührte; es wird uns nur berichtet, dass jeder Stamm ein heiligesFeuer hatte, und dass, wenn zwei Männer offenbar vom selben Stammeeinen Streit hatten, sie bei dem Feuer schwören mussten, während der PriesterSalz in dasselbe warf. Ein Eid bei Asche und Salz wird von Al-A c er-wähnt in einer von Wellhausen aus Agh. XX, 139 citierten Zeile. Und dadie Asche des Kochtopfes {ramää al-lcidr) ein Bild der Gastfreundschaft ist,so bedeutet der Eid bei Feuer und Salz vielleicht nicht mehr als einen Appellan das Band der gemeinsamen Speise, das alle Stammesglieder vereint. Dieserklärt allerdings noch nicht völlig die Thatsache, dass dies Feuer das Feuerdes Schreckens" genannt wird, und dass die dichterischen Anspielungen dar-

524) Her od. III, 8xffiv ßouAopsvwv raaxä Tcoiesafrat &\\o$ ävrjp äp.cpoxipü>v aüxcöviv (ieaq) iaxscus XtS-ip ögii eau) xwv )(sipö>v Ttapa xoüj davcxuXouj xoüg |ieydXous iTO.Tdp.vsitöv 7toisu|i£v(üV Tag tootij, xai srostxsv Xaßtbv ix TOÜ Eu.aTtou ixaxipou xpoxüSa ccAsiqjsi TWal'[iaTi iv |iiatp xstpivoug At9-ou£ ijiTcl".

525) Nabiga, XXIV, 1 ed. Ahlwardt = XVII, 1 ed. Derenbourg.

526) In einer Besprechung von Kinship and marriage, Literaturbl. für oriental.Phüol. 1886, p. 25.

527) W ellhau sen, Heidentum, p. 124.

528) Rasniussen, Additamenta, p. 75. Z. 11 ff.

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