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Die Religion der Semiten
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Phönicisclie Opfer. 237

wird (V. 8), und V. 13 bietet sich der Widder selbst ungesucht als Opferdar. Ganz der gleiche Grundsatz wurde bis in späte Zeit an dem grossenTempel der Astarte auf dem Eryx beobachtet, wo die Opfer aus den heiligenHerden genommen wurden, die beim Heiligtum gehalten wurden; auch vonihnen meinte man, dass sie sich freiwillig am Altar darbrächten 513 . Dasentspricht ganz dem Brauch bei den Diipolia, wo eine Anzahl von Rindern umden heiligen Tisch herumgetrieben wurden und zum Schlachten der Stier aus-gewählt wurde, der sich ihm näherte und von den heiligen Opferkuchen frass.Dieser Brauch ist als eine der zahlreichen Formen und Fictionen zu betrachten,durch die man die Verehrer von der Verantwortlichkeit für das Töten einesOpfers zu befreien trachtet. Alles dies kommt darauf hinaus, das Tieropfer beiden Phöniciern als einen Ersatz für das Menschenopfer zu erweisen. Dassaber die Opfertiere als den Göttern verwandt galten, kann aus der Art undWeise erschlossen werden, wie sie den Göttern dargebracht wurden. Diegötzendienerischen Israeliten verehrten Jahwe unter dem Bilde eines Stieres,und dem zweiten Gebot liegt die Voraussetzung zu Grunde, dass Gottesbilderin der Gestalt verschiedener lebender Wesen verfertigt wurden. So ist auchder Stier der Europa, Zeus Asterius, wie in seinem Beinamen ausgedrücktist, das männliche Gegenbild zur Astarte, mit der die Europa in Sidon iden-tifiziert wurde 51(t . Astarte selbst wurde als mit einem Stierkopf gekrönt dar-gestellt 015 . Der Ortsname Astaroth Karnaim ist wahrscheinlich von demHeiligtum einer Astarte, die Hörner auf dem Kopfe trug, abgeleitet 610 . Inder That könnte fraglich sein, ob diese letztere Gottheit mit der KuhgöttinAstarte von Sidon identisch ist, oder ob es eine Schafgöttin ist; denn Deut.7, 13 wird der Nachwuchs der HerdeAstaroth der Schafe" genannt, ein alterAusdruck, der religiösen Ursprungs sein niuss. Eine Schafgöttin Aphroditewurde besonders auf Cypern verehrt, wo ihr jährliches mystisches oder Sühn-opfer ein Schaf war und von Verehrern dargebracht wurde, die in Schaffellegekleidet waren, indem sie damit zugleich ihre Verwandtschaft mit dem Opfer-tier und mit der Gottheit andeuteten 517 .

513) Aelian, De natura animal. X, 50. Vergl. Jes. 53, 7. Jer. 11, 19, besondersI. Sam. 6, 14, wo die Kühe bei dem Opferstein stehen bleiben. Vergl. D i o g. Laert.I, 10, 3 und Ibn Hisäm, p. 293, Z. 14. Dass sich das Opfer freiwillig selbst darbietetoder bereitwillig zum Altar kommt, ist ein Zug, der sich in manchen Culten findet. Vergl.Mir. Ausc. 137. Porphyrius, De abstin. I, 25.

514) Lucian, De dea Syria, 4. vergl. Kinship, p. 306.

515) Philo von Byblus, fr. 24 (= Pragm. Hist. Graec. Dl, 569).'H 8e'Aorapxrj eneihjxe tq iälcf, xscpaAvj ßaatXsiaj 7tapäar)[iov xecpaXrjv xa'jpou."

516) Gen. 14, 5. Kuenen hält in seiner Abhandlung De Melecheth des He-ineis, p. 37, [= Gesammelte Abhandlungen, übers, von K. Budde, p. 207.] für möglich,dass die richtige LesungAstaroth und Karnaim" sei. Aber die Identität des spätemKarnain oder Karnion mit Astaroth oder mnirtn Jos. 21, 27 [= RTMäV i?3Tempel derAstarte", heute die Ruinenstätte Teil 'Astarä, So ein, Palästina, p. 303, Lagarde,Onomastica, 209, 66; 213, 35. Guthe in ZDPV. XII, 234 f.] wird durch die Thatsachebestätigt, dass dort ein Temenos, eine heilige Enklave, war (I. Makk. 5, 43). Vergl.dazu ZDMG. 29, 431, Anm. 1. Die alte Heiligkeit der Cultusstätte der Astarte ist aufdas Grab des Hiob übergegangen; vergl. S. Silvia e Peregrinatio (Rome, 1887), 56 ff.Ein punischer Baal-Kar na im ist in dem Heiligtum des Saturnus Balcaranensis auf

dem Gebel Kurnein bei Tunis entdeckt worden. Das ist indes wahrscheinlich einelokale Bezeichnung, die von dem alten Namen des doppelgipfligen Berges hergeleitetist. (Melanges d'Archeol. etc. Rome, 1892, p. 1 f.).

517) Das Nähere darüber siehe in der besondern Abhandlung von W. R. Smith,Das Schafopfer im Cultus der kyprischen Aphrodite, die als Anhang beigefügt ist.