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Die Religion der Semiten
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234 Achtes Kapitel. Die ursprüngliche Bedeutung des Tieropfers.

sondern auch die Verantwortlichkeit auf einen möglichst weiten Kreis auszu-dehnen, indem man zum Vollzug des Opfers eine grössere Anzahl von Mit-wirkenden heranzog, die wie besonders zu beachten ist aus verschiedenenGeschlechtern gewählt wurden, und indem man die Beteiligung am Essen .desFleisches zu einer öffentlichen Pflicht machte. Wir haben hier also einenausdrücklichen Beleg für den Grundsatz, dass ein Opfer nicht zu rechtfertigenist ausser durch die Teilnahme der ganzen Gemeinschaft 503 . Auf Tenedoswurde der Priester, der dem Dionysos avfl-pw7toppa£axr); ein Bullenkalb opferte,mit Steinwürfen angegriffen und musste fliehen, um sein Leben zu retten 50 *.

In Korinth trug man bei dem der Hera Akraea dargebrachten jährlichenOpfer einer Ziege dafür Sorge, die Verantwortung für deren Tod von der Ge-meinschaft abzuwälzen, indem mit dem Vollzug des Opfers gemietete Per-sonen beauftragt wurden. Auch diese thaten nicht mehr, als dass sie dasMesser in einer Weise verbargen, dass die Ziege durch Scharren mit denFüssen selbst ihren Tod bewirkte 505 .

In der That muss die Anschauung, dass das Schlachten eines Stiereseigentlich ein Mord war, der nur bei dem ausserordentlichen Anlasse vonOpfern zu rechtfertigen war, in Griechenland allgemein gewesen sein. Dennßoucpovia (ßoucpovefv, ßoucpovo?) oderBindermord", was in Athen die Bezeich-nung für das besondere Opfer der Diipolia war, ist im älteren Griechisch einallgemeiner Ausdruck für das Schlachten eines Ochsen zu einem Opfermahl 500 .

Dass aber der Ausdruck Rindermord" ganz wörtlich zu verstehen ist, er-hellt aus dem Opferbrauch auf Tenedos, wo das Bullenkalb den Kothurnusträgt und seine Mutter wie ein Weib im Wochenbett behandelt wurde. Hierist die Verwandtschaft des Opfers mit dem Menschen deutlich ausgedrückt,ebenso aber auch seine Verwandtschaft mit dem männertötenden" Gott, demdas Opfer dargebracht wird. Denn der Kothurn ist dem Bakchus eigen, unddieser Gott wird oft als Stier dargestellt und angerufen 507 .

503) Der weitere Zug, dass der Stier sich selbst zum Opfer bestimmt, indem ersich dem Altar nähert und die auf ihm niedergelegten Opfergaben frisst, ist bemerkens-wert, sowohl weil auf dem Eryx ein ähnlicher Brauch vorkommt, als auch weil auf dieseWeise das Opfertier vom Tische des Gottes isst, d. h. als göttlichen Wesens aner-kannt wird.

504) A e 1 i a n, De natura anirnal. XII, 34.

505) Hesychius, s. v. aTE; alya. S. Zenobius, I, 27 s. v. a'tg tyjv lid^aipav"[= Paroemiographi Graeci, ed. Thorn. Oaisford, p. 234; ed. Deutsch et Schneidewin, I,

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Zur Geschichte dieser Sage, die auf eine indische Fabel zurückgeht, vergl. überdie indischen Gestalten: Böhtlingk, Der Ziegenbock und das Messer. ZDMG. 43,604606; Roth, Der Bock und das Messer. ZGMG. 44, 371 f. 497500. Pischel,Vedische Studien, I, 182, ZDMG. 47, 8691. lieber die Sage bei den Arabern s.Fränkel, Das Schaf und das Messer. ZDMG. 46, 737747.] Vergl. Scholion zuEuri-pid.es, Medea, 273.

506) Ilias VII, 466. Hymnus auf Hermes, 436, in einer Erzählung, die eine dervielen Sagen über den Ursprung des Opfers zu sein scheint. Vergl. Aeschylos, Pro-metheus 530.

507) S. besonders Plutarch, Quaestiones graecae, 36.'EX-9-slv, 9jpw AtövuasäXiov £f vaöv äyvöv, auv /apiiEaciv ej vaöv Tflj ßos«) 7to8i S-ücuv. 'AEjig Taöps!" Ein anderesBeispiel ist die Verkleidung einer Ziege als Mädchen, die der der Artemis Munychiageopfert wurde (s. Paroemiographi Graeci, ed. Leutsch et Schneidewin, I, 402,dazu Eustatnius, ad. Hom. L. IV, 443, 35, der a. a. O. von den Herausgeberncitiert wird.