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Die Religion der Semiten
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Die Buphonia in Athen. 233

nicht geopfert werden durfte, und auch dann nur unter besonderen Vorsichts-massregeln, urn die Verehrer von der Schuld des Mordes zu reinigen.

Die Buphonia in Athen.

Um dies völlig klar zu machen, wird es zweckmässig sein, auf die Ein-zelheiten bei dem bedeutsamsten von allen diesen Fällen, dem Stieropfer, ein-zugehen. Dass es in Attika wie im Peloponnes einst em Hauptverbrechenwar, einen Ochsen zu töten, wird von Varro bezeugt 500 . In Bezug auf Athenscheint diese Angabe aus der Sage hergeleitet zu sein, die im Zusammenhangmit dem jährlichen Opfer der Diipolia oder Buphonia erzählt ward, bei dem dasOpfer ein Stier war, auf dessen Tod eine förmliche Untersuchung darüber folgte,wer für die Handlung verantwortlich sei 501 . Bei dieser Untersuchung wurdejeder, der irgend eine, mit dem Schlachten in Zusammenhang stehende Hand-lung vollzogen hatte, als Teilnehmer bezeichnet: die Mädchen, die zum Schärfender Axt und des Messers Wasser trugen, schoben die Schuld den Schleifernzu, diese legten sie demjenigen bei, der die Axt ihnen übergeben hatte, dieserbezeichnete den als schuldig, der das Opfer niedergeschlagen hatte, dieserwiederum gab dem die Schuld, der ihm die Kehle abgeschnitten hatte, unddieser endlich wälzte die Verantwortung auf das Messer ab, das demgemäss desMordes schuldig befunden und ins Meer geworfen wurde. Der Sage nach wardieser Akt nur eine dramatische Nachbildung eines Sühnopfers, das erfundenwurde, um das Verbrechen eines gewissen Sopatros zu sühnen, der einen Ochsengetötet hatte, den er die Getreidesp enden vom Tische des Gottes fressen sah.Diesem Frevel war eine Hungersnot gefolgt; das Orakel aber erklärte, dassdie Schuld nur gesühnt werden könne, wenn der Totschläger bestraft unddas Opfer wiederholt und dabei das geopferte Rind in Verbindung mit dem-selben Opfercultus, bei dem es starb, wieder wie lebend aufgerichtet würde,und dass es ihnen gut ergehen würde, wenn sie das Fleisch desselben ässenund nichts übrig Hessen. Sopatros selbst, der nach Kreta geflohen war,entschloss sich, zurückzukehren und ein Mittel zu ersinnen, um diese Vor-schriften ausführen zu können, vorausgesetzt dass die ganze Stadt an derVerantwortlichkeit für den Mord teilnehme, der auf seinem Gewissen lastete.So wurde diese Ceremonie erfunden, die bis in eine späte Zeit dauernd be-obachtet wurde 502 . Die Sage als solche hat natürlich keine Bedeutung;sie ist aus dem cultischen Brauch abgeleitet und nicht umgekehrt. DasRitual selbst aber zeigt deutlich, dass der Schlachtende als Mörder ange-sehen wurde, und dass man die Notwendigkeit empfand, nicht nur durchein förmliches Verfahren die Schuld zuletzt auf das Messer zu übertragen,

500) De re rustica II, 5.

501) Pausanias, I, 24. 4 [28, 10]. Theophrastus bei Porphyrius, De ab-stinentia, II, 30. [cf. II, 10; Quellen bei Preller-Robe rt, Mythol. 4 I, p. 131. Vergl.über die buphonia Schümann, Griech. Altert. 3 II, p. 505. G r u p p e, Griech. Mythol.1897. p. 28 f. Aug. Mommsen, Feste der Stadt Athen. 1898. p. 512532. Das ge-opferte Rind wurdewieder aufgerichtet", indem seine Haut ausgestopft wurde; an dasso aufgestellte Tier wurde noch ein Pflug gespannt; so Porphyrius II, 30.]

502) Aristophanes, Wolken, 985, spielt darauf als einen veralteten Ritus an.Doch wurde der Brauch noch zur Zeit des Theophrastus in seiner ganzen, alten Selt-samkeit aufrecht erhalten. Zur Zeit des Pausanias war er etwas einfacher gestaltetworden, falls sein Bericht nicht ungenau ist.