Mystische Tieropfer. 221
einen heidnischen Greuel findet sich bei Deuterojesaia (Jes. 65, 4. 66, 3. 17),wobei der Prophet noch das Opfer zweier anderer unreiner Tiere, des Hun-des und der Maus, erwähnt. Wir wissen durch Lucian 443 , dass das Schweinbei den Syrern als heilig galt; dass es insbesondere der Aphrodite oderAstarte geweiht war,-wird von Antiphanes bestätigt 444 .
2. Der Hund.
Wie oben bemerkt, wird der Hund als Opfertier Jes. 66, 3 erwähnt.Eine Anspielung auf das Hundeopfer als punischen Brauch scheint in Justin.18, 1. 10 vorzuliegen, wo wir lesen, dass Darius an die Karthager eine Bot-schaft gesandt habe, um ihnen die Menschenopfer und das Essen von Hunde-fleisch zu verbieten. In dieser Verbindung kann darunter nur ein Opfermahlverstanden werden. In diesem Falle verknüpfen unsere Berichte den cultischenBrauch nicht mit einer besondern Gottheit, der der Hund heilig war 446 ; wirwissen aber durch Al-Nadim, dass der Hund den Harraniern heilig war. Siebrachten ihm Opfergaben dar, und bei bestimmten Mysterien wurden Hundefeierlich für Brüder der in die Mysterien Eingeweihten erklärt 440 . Eine Hin-deutung auf die bestimmte Gottheit, der der Hund heilig war, ist vielleicht
aus JaJcob von Sarug zu gewinnen, der den „ Herrn mit den Hunden" als eineder Gottheiten von Carrhae erwähnt 447 . Dieser Gott kann wiederum mit demJäger Herakles der Assyrer verglichen werden, den Tacitus erwähnt 448 . Dertyrische Herakles oder Melkarth erscheint ebenfalls von einem Hunde be-gleitet in der Sage von der Entdeckung der Purpurfarbe, die bei Pollux (I, 46)und Malalas (p. 32) erbalten ist 440 . In der muhammedanischen Tradition wird
443) Lucian, De dea Syria, 54.
444) Im heutigen Syrien finden wir den Glauben, dass ein dämonisches SchweinHäuser bewohnt, wo ein heiratsfähiges Mädchen ist. ZDPV. VII, 107.
445) Ganz unzulänglich ist M o v e r s, Phönizier, I, 404.
446) Filmst, p. 326, Z. 27 ; vergl. p. 323, Z. 28; p. 324, Z. 2.
447) ZDMG. 29, 110 ; vergl. 42, 473.
448) Tacitus, Ann. XII, 13. Ein jagender Gott mit einem Hunde ist auf einemassyrischen Cylinder dargestellt (Gazette Areheol. 1879, p. 178 ff.). lieber seine Deutungscheinen die Assyriologen nicht im klaren zu sein. Es gab wahrscheinlich mehreregöttliche Jäger.
449) Ob der sicilische Gott Adranus, dessen heilige Hunde von A e 1 i a n, De nat.animal. XI, 20 erwähnt werden — eine Angabe, die eine Bestätigung durch die Denk-mäler gefunden hat (C 1 e r m o n t - G a n n e a u, Rec. dArcheol. Orient. I, 236), — semi-tischen Ursprungs ist, ist unsicher. Er wird allgemein mit Adar, dem Adrammelech derBibel, identifiziert (s. Holm, Gesch. Siciliens, I, 95, 377), Aber die Existenz einesassyrischen Gottes Adar ist fraglich; der in der Apologie Melitos genannte Hadran (C u-reton, Spicileg. Syriac. p. 25), der von andern für das semitische Aequivalent desAdranus gehalten wird, ist ebenso dunkel.
Wenn die Annahme gesichert wäre, dass der Herakles, der im Kynosarges zuAthen von den vc&oi verehrt wurde, wirklich der phönicische Herakles war, so würdedie Verbindung dieser Gottheit mit Hunden eine neue Bestätigung erfahren. DennKynosarges bedeutet „Hundshof" (Wachsmuth, Athen. I, 461). Stephanus By-z a n t. s. v. erklärt den Namen durch eine Legende : während Diomos dem Heraklesopferte, ergriff ein weisser Hund die Opferstücke und legte sie an der Stelle nieder, wonachher das Heiligtum stand. Der Hund ist hier der heilige Bote, der den Willen desGottes kund thut, wie der Adler des Zeus bei Malalas, p. 199; vergl. Stephan.B y z. s. v. ya/Uünai. Die Heiligkeit des Hundes bei den Phöniciern scheint auch eineBestätigung durch die Eigennamen K5tO und D^fcobs und durch das Dasein einer Klassevon cultischen Dienern zu finden, die „Hunde" genannt wurden (CIS. I. No. 86. vergl.Deut. 23, 19). Kein ach und G. Hoff mann, Phönic. Inschr. p. 17, werden mit derbuchstäblichen Auffassung kaum Recht haben; auf jeden Fall aber würde sie zur Si-cherung des Beweises beitragen.