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Die Religion der Semiten
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222 Achtes Kapitel. Die ursprüngliche Bedeutung des Tieropfers.

schwarzen Hunden ein dämonischer Charakter zugeschrieben, worin sich wahr-scheinlich noch ausspricht, dass sie im Heidentum eine gewisse Heiligkeithatten 460 .

3. Fische

oder wenigstens gewisse Arten von Fischen waren der Atargatis heilig, unddas Verbot, sie zu essen, galt für alle Syrer, die, als ihre Verehrer, glaubten wie totemistiscbe Völker pflegen, dass sie von Geschwüren befallenwürden, wenn sie heilige Fische ässen 451 . Indes erzählt uns Mnaseas (beiAthenaeus VIII, 37), dass Fische täglich gekocht und auf dem Tisch derGöttin dargebracht würden, die hernach von den Priestern verzehrt würden.Assyrische Cylinder bieten die Darstellung eines Fisches, der auf den Altargelegt oder vor ihm dargebracht ist, während '- in einem Beispiel eineGestalt, die in der Haltung eines Anbetenden dabei steht mit der Hauteines riesigen Fisches bekleidet oder richtiger maskiert ist 452 . Der Sinn einersolchen Darstellung ist aus manchen barbarischen Cultusbräuchen wohl be-kannt ; sie besagt, dass der Verehrer sich selbst als Fisch darstellt, d. h. alsein Wesen, das seinem Opfer verwandt ist und zweifellos auch der Gottheit,der dieses geweiht wird.

4. Die 3faus

erscheint als ein zu verabscheuendes Opfer Jes. 66, 17 neben dem Schweinund demGreuel" ( Pi?f ) . Das letzte Wort wird im levitischen Gesetz fürkriechendes Getier im allgemeinen gebraucht (Lev. 11, 41 P7? = arab. hanas)als ein Ausdruck, der Mäuse und andere kleine vierfüssige Tiere einschliesst,die wir als Ungeziefer bezeichnen. All solches Getier war in hohem Masseunrein und hatte die Fähigkeit, die Unreinheit auf alles, was es berührte,zu übertragen. Ein so strenges Tabu ist kaum zu erklären, ausser durch dieAnnahme, dass sie, wie das arabische hanas, übernatürliche und dämonischeKräfte hatten. Thatsächlich finden wir sie Ezechiel 8, 10 als Objekte reli-giöser Verehrung. Auf Grund welcher Autorität Maimonides behauptet, dassdie Harranier Feldmäuse opferten, weiss ich nicht 453 . Die biblischen Zeug-nisse aber genügen schon für unsern Zweck 454 .

5. Das Pferd

war dem Sonnengotte heilig. IL Kön. 23, 11 erwähnt Pferde, die die Könige

450) Damiri, II, 223^ VI o t e n in WZKM. VII, 240 ; vergl. die Sage vomHundsdiimon in Riäm (IbnHüäm, p. 18). In muslimischen Ländern werden Hundenoch heute mit einer seltsamen Mischung von Ehrfurcht und Verachtung angesehen.Sie sind unrein, aber es ist ein frommes Werk, sie zu füttern und besonders sie zutränken (Moslim, II, 196. Ausg. von 1290 A. H.). Einen Hund zu töten, ist eineThat, die wie ich in Dschidda beobachtet habe lebhafte Empörung erregt. Vergl.ZDPV. VII, 93.

451) Die Zeugnisse sind gesammelt von Seiden, De Diis Syris , Syntagma II,Cap. 3.

452) M e n a n t, Glyptique, II, 53.

453) Ed. Munk, Vol. III, p. 64; Chwolsohn, Die Ssabier, II, 456.

454) [Die Beduinen werden öfter als ,Mäuse fressend" verhöhnt. Mehrere Belegeaus arabischen Quellen giebt Goldziher, Der Mythos bei den Hebräern, p. 99, Anm. 3.Die meisten Aeusserungen sind satirische Vorwürfe, Ibn Batütä, Voyages III, 282behauptet indes als Thatsache:die Araber der Wüste essen Feldratten'.]