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Die Religion der Semiten
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188 Siebentes Kapitel. Die Erstlinge der Früchte, der Zehnte ete.

kann entweder die erste Geburt des Muttertiers oder die erste Geburt desJahres bezeichnen. Im letzteren Sinne versteht Maidäni das Wort, indem erfara' zum Synonymon von ruba' macht, d. h. ein Fohlen, das im Monat Rabi'geboren ist, in der Zeit, wo die Weide reichlich ist, und wo die Mutter wohl-genährt ist, das daher kräftiger gedeiht, als später geborene Tiere (Gen. 4, 4).Aber abgesehen von der Analogie der hebräischen Erstlinge, die unzweideutigalsErstgeburt (om itaa Exod. 34, 19) erklärt werden, wird auch das ara-bische fara 1, in andern Bedeutungen gebraucht, die Maidänl's Erklärung wi-derlegen. Wir werden deshalb annehmen dürfen, dass es ein sehr alter semi-tischer Brauch war älter als die Trennung der Araber und Hebräer,die Erstgeburt von Haustieren zu opfern, mag immerhin in späterer Zeitdieses Gesetz gemildert oder umgestaltet sein. Der Schluss, dass dieses Opferfür das nomadische Leben die gleiche Bedeutung hat wie das Opfer der Erst-lingsfrüchte bei den Ackerbau treibenden Völkern, nämlich die eines der Gott-heit dargebrachten Tributs, scheint so auf der Hand zu liegen, dass ein ge-wisser Mut dazu gehört, diese Folgerung abzulehnen!

Nach dem bereits Bemerkten scheint es indes absolut unmöglich, dassin der sehr alten Zeit, wo die Hebräer und Araber noch zusammenlebten,dem Gott als König oder Stammeshaupt irgend ein Tribut gezahlt werdenkonnte; und auch in der Form des Erstlingsopfers, wie es sich bei den He-bräern findet, scheinen Anzeichen dafür vorzuliegen, dass der Parallelismus' mitdem Opfer der Erstlingsfrüchte nicht so vollständig ist, wie es auf den erstenBlick scheint.

Die Erstlingsfrüchte sind eine jährliche Gabe von den ersten und aus-erlesenen Früchten des Jahres; die Erstlinge aber sind die ersten Abkömm-linge eines Tiers. Ihre eigentliche Parallele im Pflanzenreich findet sich daherin dem Gesetz Lev. 19, 2325, welches bestimmt, dass die Früchte neu ge-pflanzter Obstbäume für die ersten drei Jahre alsunbeschnitten" behandeltund nicht gegessen werden sollen, dass aber die Früchte des vierten JahresJahwe geweiht sind, und dass danach alle Früchte für den gewöhnlichen Ge-brauch erlaubt sein sollen. Der charakteristische Zug in dieser Bestimmung, ausdem ihre ursprüngliche Bedeutung erschlossen werden muss, ist das auf denErtrag der ersten drei Jahre gelegte Tabu, nicht das im vierten im Tempeldarzubringende Opfer. Dass auch dem Opfer der Erstlinge irgend eine Formdes Tabu zu Grunde liegt, ergiebt sich aus der Bestimmung des älteren he-bräischen Gesetzes, dass einem Erstling des Esels, wenn er von seinem Besitzernicht losgekauft wird, das Genick gebrochen werden soll (Exod. 34, 20). Wirsehen, dass immerhin die Tendenz bestand, alle solche Opfer unter die Ka-tegorie des heiligen Tributs zu bringen; denn nach dem späteren Gesetz (Lev.27, 27) soll ein Esel, der nicht gelöst ist, zu Gunsten des Heiligtums verkauftwerden, und auch nach dem älteren Gesetz muss alle Erstgeburt des Menschenlosgekauft werden.

Ursprünglich ist ein Ding, das Tabu ist, ein solches, das mit überna-türlichen Eigenschaften oder Beziehungen ausgestattet ist, sodass seine Ver-wendung für gewöhnliche Zwecke verboten ist. Das ist alles, was nach demälteren Gesetz in der Heiligkeit des Esels ausgesprochen ist. Er ist ein Tier,das die Araber frei laufen lassen anstatt es zu schlachten. In den ältestenZeiten hatten jedoch alle Haustiere einen gewissen Grad von Heiligkeit. Sie