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Die Religion der Semiten
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186 Siebentes Kapitel. Die Erstlinge der Früchte, der Zehnte etc.

satz, dass der Häuptling seinen eignen Stammesgenossen keine Abgaben auf-erlegen kann, ist ersichtlich, dass für die Ausgestaltung eines Systemsheiliger Abgaben keinerlei Raum war, solange die Götter Stammesgottheitenwaren, die nur von ihrem Stamme verehrt wurden. Bei den Arabern istTribut eine Abgabe an einen fremden Stamm oder dessen Oberhaupt, seies als eine Wegsteuer oder als Entgelt für gewährten Schutz. Ein König,der Gaben und Tribute erhält, ist ein Herrscher über Unterthanen, die nichtseinem eignen Stamme angehören, dem er daher nicht mit Aufwendungseiner eignen Mittel zu helfen oder Schutz zu gewähren verpflichtet ist. Ichvermute, dass auch die älteste hebräische Besteuerung auf diesem Grundsatzeberuht; denn auch Salomo scheint den Stamm Juda von semer Einteilungdes Königreichs zu fiskalischen Zwecken ausgenommen zu haben (I. Kön.4, 7 ff.), während David als ein glücklicher Krieger, der von den unterwor-fenen Völkern grosse Schätze gewann , wahrscheinlich überhaupt keine Ein-künfte von seinen israelitischen Unterthanen bezog. Von Saul wissen wirnur, dass er seine eignen Stammesgenossen bereicherte (I. Sam. 22, 7). DasI. Sam. 8 dargestellte Steuersystem kann bis zur Zeit des Salomo kaum involler Kraft bestanden haben; seine einzelnen Bestimmungen scheinen viel-mehr darauf zu deuten, dass in fiskalischen wie in andern Dingen das hebräischeKönigtum von den Nachbarn in Phönicien, vielleicht auch in Aegypten, lernte.

Um indes zu den Arabern zurückzukehren, so waren die Abgaben, dieHäuptlinge und Könige erhielten, zum Teil die Durchgangssteuern von Kauf-leuten 385 . An solcher Abgabe hatten die Götter ihren Anteil, wie Pliniusfür den Weihrauchhandel berichtet, was auch Azrakl (p. 107) für die nachMekka kommenden griechischen Kaufleute zu bestätigen scheint. Handel undReligion waren in allen semitischen Ländern eng verknüpft; die grössten undreichsten Heiligtümer finden wir stets in den Städten, die ihre Bedeutung demHandel verdanken.

Von der andern Form des Tributs, den ein unterworfener Stamm denFürsten eines fremden Stammes entrichtet, gewinnen wir ein lebhaftes Bild

aus Agh. X, 12, wo Zuhair ibn Gadhlma persönlich auf der Messe von 'Ukäzerscheint, um von den Hawäzin, die diesen jährlichen Markt besuchten, dievon ihnen dargebrachten Abgaben an Fett, Quark und Kleinvieh entgegen-zunehmen. Ebenso wurde der Tribut der Viehzucht treibenden Moabiter andie israelitischen Könige aus dem Hause Omris in Schafen gezahlt (IL Kön.3, 4). Auf Grund solcher Analogien können wir sehr wohl verstehen, dassOpferdarbringungen an Lebensmitteln überall da als ein Tribut betrachtet wurden,wo die Verehrer nicht Stammesgenossen, sondern Klienten ihres Gottes waren.Aber die Annahme, dass die Opfer von den alten Semiten allgemein als Tri-bute und Huldigungsgaben betrachtet worden seien, Hesse annehmen, dass dietypische Form der semitischen Religion das Verhältnis der Klientel sei, eineBehauptung, die gänzlich unhaltbar ist.

Somit ergiebt sich, dass die ursprüngliche Bedeutung des Opfers mitallem in Einklang steht, was wir von der socialen Lebensgestaltung der Araberwissen. Das Ritual des Opfers führt uns zu dem Schlüsse, dass das Opferkeineswegs eine Zahlung an den Gott ist, sondern einfach ein Akt der Ge-

385) Plinius, Hist. nat. XII, 63 ff.