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Die Religion der Semiten
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Libationen von Blut und Wein. 177

Bei den Arabern wurde in Zeiten der Hungersnot und vielleicht auclisonst bis zur Zeit Muhammads Blut, das aus den Adern lebender Kamele ab-gelassen worden war, in Form einer Art Blutwurst genossen 362 . Wir werdenindes weiterhin sehen, dass Opferblut, in dem das Leben enthalten war, all-mählich als etwas zu heiliges betrachtet wurde, als dass es genossen werdendurfte, und dass es bei den meisten Opfern dem Gotte vollständig am Altargespendet wurde. Da jedes Schlachten von Haustieren zur Nahrung beiArabern wie Hebräern ursprünglich ein Opfer war, so hatte dies zur Folge,dass das Blut als Bestandteil der gewöhnlichen Nahrung ausser Gebrauchkam. Selbst als das Schlachten aufgehört hatte, ein förmliches Opfer zusein, hielt man es noch für notwendig, das Tier im Namen des Gottes zu schlachtenund das Blut auf den Erdboden auszugiessen 303 . Bei den Hebräern veran-lasste dieser Brauch schon früh das gänzliche Verbot des Blutgenusses; beiden Arabern ist dieses Gebot erst durch Muhammads Gesetzgebung allgemeindurchgeführt worden 304 .

Die Vorstellung, dass die Götter nur die flüssigen Teile des Opfers ge-messen, scheint, wie wir bereits bemerkt haben, auf eine Umgestaltung dergrob materialistischen Auffassung der Natur der Götter hinzudeuten. In welcherRichtung diese Umgestaltung erfolgte, kann, wie ich glaube, durch Vergleichungder den Göttern gespendeten Opfer mit den Opfern, die den Toten darge-bracht wurden, erschlossen werden. In der berühmten vexuia der Odyssee 3B5trinken die Geister mit Begierde das Opferblut, und Libationen von Blut sindein besonderer Zug in den griechischen Opfern, die den Heroen dargebrachtwerden. Auch bei den Arabern gelten die Toten eher für durstig als fürhungrig; auf ihre Gräber werden Wasser und Wein ausgegossen 300 . DerDurst ist eine weniger grobe Begierde als der Hunger und entspricht dahermehr den körperlosen Schatten, wie auch die Hebräer und manche anderenVölker metaphorische Ausdrücke für Verlangen und Wünsche geistiger oderintellectueller Art mehr dem Durst als dem Hunger entlehnen. Die Vorstel-lung, dass die Götter trinken, aber nicht essen, scheint das Bewusstsein aus-zudrücken, dass sie in geringerem Grade von materieller Natur gedacht sindals die Menschen.

Ein weiterer Schritt in der gleichen Richtung steht mit der Einführungder Brandopfer im Zusammenhang. Denn wenn auch schwerwiegende Gründe

362) Maidäni, II, 119. Haraäsa, p. 645, letzter Vers. Nach Agh. XVI, 107Z. 20 könnte man zweifeln, ob sich der Brauch nur auf Zeiten der Hungersnot be-schränkte oder ob dies Nahrungsmittel regelmässiger verwendet wurde, wie auf der ent-gegengesetzten Seite des roten Meeres bei den Troglodyten (s. Agatha rchid.es, in

Fragm. Geogr. Graec. I, 153). Vergl. ausserdem die Lexica unter fasada, Hlhiz, bagga,musawwad [s. Wellhausen, Heidentum. 2. Aufl., p. 118].

363) Wellhausen, Heidentum, p. 114. In einer arabischen Lagerstätte schliefendie Sklaven nebendem Blut und dem Dünger" (Agh. VIII, 74, Z. 29). Vergl.I. Sam. 2, 8.

364) Ob das Blut vom Wilde den Hebräern von dem Gesetz in Lev. 13, 13 ver-boten war, ist nicht völlig durchsichtig; Deut. 12, 16 ist zweifelhaft. Im Islam wie imJudentum bestehen das Verbot des Blutgenusses und die Bestimmung, dass faules Fleischnicht gegessen werden darf, neben einander (Lev. 17, 15. Ibn Hisäm, p. 206, Z. 7).

365) Odyssee XL Vergl. Pin dar, Ol. I, 90, wo das Wort aijxaxoupiai von He-sychius erklärt wird mit ,t4 Jva-fiau.a-ta xiöv xaxoiy v o(isvtüv". Pausanias,V, 13 §2.P 1 u t a r c h, Aristides, 21 [sing. a£|i.axopia].

366) Wellhausen, Heidentum, p. 161 [2. Aufl. 182].

Smith, Religion. 1^