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Die Religion der Semiten
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Libationen von Blut und Wein. 175

wohl verstellen, dass der Brauch von seiten des Gesetzes keine Bestätigungfand; in der That gehörte er üherhaupt nicht in den Bereich der Religion,sondern fällt unter den Begriff der sympathischen Zauberei, in der man na-türliche Erscheinungen dadurch hervorrufen zu können glaubt, dass man siein kleinerem Massstabe nachahmt. In einzelnen Formen dieses Zauberwesenswird der Donner ebenso wie der Regen nachgebildet 365 ; vielleicht ist darausdas Posaunenblasen im Tempel zu erklären.

Die nächste Parallele zu dem Ausgiessen von Wasser am Laubhütten-fest findet sich im Cultus von Hierapolis, den Lucian beschreibt 3M . Zweimaljährlich versammelte sich eine grosse Menge von Gläubigen im Tempel, indemsie aus demSee", d. h. aus dem Euphrat 30 ', Wasser herbeitrugen, das imTempel ausgegossen wurde und in eine Schlucht floss, die nach der Ueber-lieferung die Wasser der Flut des Deukalion aufgenommen hatte, wodurchder Anlass zur Errichtung eines Heiligtums an der Stätte in Verbindung mitErinnerungsbräuchen gegeben war 368 .

Im hebräischen Cultus diente Oel nicht als Libation; soweit es beimOpfer zur Anwendung kam, diente es zur Bereitung eines Mehlopfers. Deralte Brauch, heilige Steine mit Oel zu salben (Gen. 28, 18. 35, 14) behauptetesich vermutlich dem von Jakob gegebenen Beispiele entsprechend zu Bethel.Sogar noch im vierten nachchristlichen Jahrhundert erwähnt ein Pilger ausBordeaux den lapis pertusus" zu Jerusalem, ad quem veniunt Judaei singulisannis et ungunt eum". Aber da das Oel allein kein Nahrungsmittel war, soist die natürliche Analogie für diesen cultischen Akt in der Verwendung zumSalben des Haares oder des Leibes zu suchen. Der Gebrauch von Salben warein nur bei Festen und Feiertagen gemachter Aufwand, wo die Leute auch ihrebesten Kleidertrugen und sich belustigten. Auch aus Psalm 45, 8 im Vergleichmit Jes. 61, 3 können wir schliessen, dass die Salbung der Könige bei ihrerKrönung ein Teil der Ceremonie ist, bei der ihnen festliche Gewänder und

I, 13 ff., denen ieb noch das jährliche Wasserausgiessen in Ispahan beifügen möchte(Al-Birmii, Chronologie, p. 228 ff.; Kazwini, 1, 84).

355) s. F r a z e r , 1. c. Ein ganz eigentümlicher arabischer Regenzauber , beidem Rinder (oder vielleicht Antilopen), denen man brennende Zweige [vom Sala'- und'Usarbaume] an die Schwänze gebunden hatte, auf die Berge getrieben und von dorthinuntergestürzt wurden, scheint eine Nachahmung des Blitzes zu sein. s. Lisän,V, 140. Rägib, I, 94. s. Wellhau sen, Heidentum, p. 157 [2. Aufl. p. 167];Goldziher, Muham. Studien, 1, 35. [Einen ähnlichen Brauch Füchse mit ange-bundenen Feuerbränden s. bei 0 v i d, Fasti, IV, 681.]

356) Lucian, De dea Syria, 13 und 48. Eine Ausspielung auf denselben Ritusfindet sich in der syrischen Apologie des Melito von Sardes bei C u r e t o n, Spicileg.Syriac, p. 25.

357) Für die Bewohner Mesopotamiens war der Euphratdas Meer", s. Lucian,1 c. 13 ; P h i 1 o s t r a t u s, Vita Apollonii I, 20.

358) Der Brauch des "Wasserausgiessens in eine Schlucht hat in dem heute nochbestehenden Brauch bei der Quelle vor den Thoren von Tyrus seine Parallele; wenn imSept. das Wasser sich rötet und anschwillt, so versammeln sich die Eingeborenen zueinem grossen Fest und geben, ihm wieder Klarheit, indem sie einen Krug Seewasser indie Quelle giessen (Volney, Etat polit. de la Syrie, Cap. VIII; Mariti, II, 269). DieCeremonie erfolgt hier am Ende der trockenen Jahreszeit, wenn der Wasserstand niedrigist; sie lässt sich daher mit der Legende vergleichen, dass Muhammad den ausgetrock-neten Brunnen von Hudeibija zum Ueberströmen brachte, indem er ihn mit einem Pfeileumrühren Hess, nachdem ein Krug Wasser in ihn hineingegossen war (Wellhausen,Moharn. in Medina, p. 247). Das Ausgiessen von Wasser ist nach dem alten Volks-glauben, wie wir sahen, in der Regel ein Regenzauber; vielleicht war auch der Ritusvon Hierapolis ursprünglich nur bestimmt, um Regen zu bewirken.