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Die Religion der Semiten
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174 Sechstes Kapitel. Bas Opfer.

Altars ausgössen 340 . Im Buche Sirach wird der so verwendete Wein auchalsBlut der Traube" bezeichnet 360 , so dass man zu dem Schlüsse geneigtist, dass auch hier das Blut die typische Form des Trankopferswar, und dass der Wein an die Stelle des Blutes getreten ist,wie in gewissen arabischen Riten Fruchtsaft diese Bedeutung gewonnen zuhaben scheint 351 . Richtig ist freilich, dass das Blut des Opfers im hebräischenRitus nicht als Libation bezeichnet wird, und Psalm 16, 4 werden dieBlut-Trankopfer" als etwas heidnisches bezeichnet. Das beweist jedoch, dass solcheTrankopfer bekannt waren; und dass die rituelle Verwendung des Blutes amAltar bei den Hebräern wesentlich ein Trankopfer war, erhellt aus Psalm50, 13, wo Jahwe fragt:Esse ich etwa das Fleisch von Stieren und trinkedas Blut von Böcken?" und ebenso aus IL Sam. 23, 17, wo David das Wasseraus der Cisteme bei Bethlehem als Trankopfer ausgiesst, indem erdas Blutder Männer, die mit Daransetzung ihres Lebens hingegangen sind" nichttrinken will. Wenn wir alles das zusammenhalten und noch bemerken, dassLibationen einen wesentlichen Teil des von den Frauen in den Häusern ge-übten heidnischen Cultus zur Zeit des Jeremia bildeten 3o2 , wobei zu beachtenist, dass der Privatcultus oft konservativer ist als der öffentliche, so werdenwir zu den Schlüssen geführt: 1. dass das Blut-Trankopfer ein gemeinsemi-tischer Brauch, älter als die Feueropfer, ist. 2. Dass die Weinlibation ingewissem Sinne eine Nachahmung der ursprünglichen Blutspende und einErsatz für diese ist.

Sehr zweifelhaft bleibt, ob auch Wasserlibationen zu den eigent-lichen Trankopfern der Semiten gerechnet werden können. Davids Libation(II Sam. 23, 17) ist offenbar eine Ausnahme, und im levitischen Cultusgesetzfinden Wasserlibationen keine Stelle. [Vergl. indes I. Sam. 7, 6.] In dem Brauchedes späteren Judentums wird indes Wasser, das aus der Siloahquelle geholtund unter Posaunenschall in den Tempel gebracht worden ist, an den siebenTagen des Laubhüttenfestes feierlich über den Altar ausgegossen 3B3 . Nach derErklärung der Rabbinen war der Zweck dieser Ceremonie, für das folgende Jahrbefruchtenden Regen zu sichern. Die Deutung ist zweifellos richtig; denn esist ein überall in der Welt verbreiteter Glaube, dass das Ausgiessen A r onWasser ein starker Regenzauber ist S51 . Wenn dem so ist, so können wir

349) Sir ach 50, 15 (16). Jos., Antiq. III, 9, 4. Zur Bestätigung dafür, dass inälterer Zeit der Wein über das Opferfleisch ausgegossen wurde, wird bisweilen Num.15, 7 angeführt; gegen die Richtigkeit dieser Auffassung vergl. Num. 28, 7.

350) Sir. 50, 15äausiasv ä£ ai'|ia-os axa-fulf^. Ber Ausdruck at(ia ßoxputov kommtin der tyrischen Sage von der Erfindung des Weines vor bei Ach. Tatius, II, 2und kann die Uebertragung eines alten phönicischen Ausdrucks sein. [Vergl. Q , 23IJ DTTraubenblut" Gen. 49, 11. Bazu die arabischen Parallelen bei Jacob, Studien zu arab.Bichtern, Heft 4, p. 6 f.]

351) s. Kinship, p. 261 f. Wellhausen, Heidentum, p. 121 [2. Aufl. p. 125].

352) Jer. 19, 13. 22, 29. 44, 17. 18. Mit diesem Cultus auf den Bächern derHäuser ist zu vergleichen, was Strabo, XVI, 4. 26 über die täglichen Trank- undBrandopfer berichtet, die von den Nabatäern der Sonne dargebracht wurden auf einemAltare, der auf den Bächern der Häuser errichtet war.

Bie Opferhandlung rnusste in Gegenwart der Gottheit vollzogen' werden (cf.Nilus, pp. 30, 117); und wenn die Sonne oder dieHimmelskönigin" verehrt wird, somuss ein dem Himmel offener Platz dafür gewählt werden.

353) Tract. Sukkä, IV, 9; Lightfoot, Horae hebraicae et talmudicae, zuJoh. 7, 37. Reland, Antiq. Hebraicae, p. 448 f. Bas Wasser wurde in eine besondereRinne im Altar ausgegossen.

354) Zahlreiche Beispiele dafür sind mitgeteüt von F r a z e r, Golden Bough.