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Die Religion der Semiten
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Die Opfer als Speise der Götter. 171

füttern ist in manchen heidnischen Religionsformen eine religiöse Handlung,besonders wo, wie in Aegypten M0 , die Götter selbst Totem-Gottheiten sind,d. h. Personificationen oder individuelle Darstellungen des heiligen Charaktersund der Eigenschaften, die auf der rein totemistischen Stufe der Religion allenTieren der heiligen Art unterschiedslos zugeschrieben wurden. So war zuKynopolis in Aegypten, wo Hunde verehrt und mit heiliger Speise gefüttertwurden, die locale Gottheit der hundsköpfige Gott Anubis. In ähnlicher Weisebewahrt obgleich in entstellter Form eine alte Ueberlieferung, die andas Heiligtum des Apollo Lykius in Sikyon geknüpft ist, die Erinnerung aneine Zeit, da den Wölfen Fleisch hingeworfen wurde S41 . Es ist jedenfallsnicht unwahrscheinlich, dass ähnliches auch an gewissen arabischen Cultus-stätten stattfand; denn, wie wir bereits gesehen haben, stehen die Götter inenger Verbindung mit den Ginnen, und die Ginnen mit den Tieren der Wildnis.Die Liste der arabischen Gottheiten weist einen Löwengott auf (Jagut) undeinen Geiergott (Nasr) 342 , in deren Cult Bräuche, wie die von Sprenger be-schriebenen, durchaus hineinpassen würden.

Aber wenn es auch nicht unmöglich ist, dass Opfertiere in einem heiligenBezirk dargebracht und den wilden Tieren als Gästen oder Verwandten derGötter überlassen wurden, so scheinen mir doch keine genügenden Beweisedafür vorzuliegen, dass ein derartiger Brauch im arabischen Cultus eine be-deutsame Stelle einnahm. Im Tieropfer der Semiten war die massgebende Ideenicht, dass dem Gotte eine Gabe überreicht wurde, sondern es war, wie wirsehen werden, ein Akt der Gemeinschaft, zu dem sich der Gott und seineVerehrer vereinigten, um gemeinsam an dem Fleisch und Blut des Opfertieresteilzuhaben. Sicher ist, dass bei gewissen, sehr feierlichen Opfern, besondersbei Sühnopfern, zu denen auch die von Sprenger angeführten Opfer zu gehörenscheinen, das Opfertier bisweilen als so heilig betrachtet wurde, dass dieOpfernden von demselben zu essen überhaupt nicht wagten, sondern dass dasFleisch verbrannt, vergraben oder sonst in einer Weise behandelt wurde, diees vor profanem Gebrauche sicherte. Bei den Arabern, die das Verbrennendes Opfers ausser bei Menschenopfern nicht kannten, ist sehr wohl denkbar,dass eine Art, über das geheiligte Fleisch zu verfügen, darin bestand, dassman es den heiligen Tieren zum Frass überliess. Oder wenn ein Opferausdrücklich zum Zwecke des Loskaufs dargebracht wurde, wie das Opfer,durch das 'Abdal-Muttalib das Gelübde der Opferung seines Sohnes löste 3i3 , xist es begreiflich, dass der Darbringende von dem Fleische keinen Anteil für

kung; auch den Bericht des Hamdäni über die Opfer zu Säwid, oben S. 137.

340) Strabo, XVII, 1, 3940 (p. 812) führt die in ägyptischen Culten verehrtenTiere auf.

341) Pausanias, II, 9, 7 [vergl. Preller -Robert, Griech. Mythol. 4I, 253]. Der spätere Rationalismus, der den Wolfsgott in einen Wolfstöter verwandelte,gab der Erzählung auch eine neue Wendung, indem sie berichtete, dass das Fleisch aufGeheiss des Gottes mit dem Laub eines Baumes vergiftet -wurde, dessen Stamm imTempel aufbewahrt wurde.

342) S. Kinship, p. 192 , 309. N ö 1 d e k e, ZDMG. 1886, p. 186. Ueber einenGeiergott bei den Himjaren s. ZDMG. 29, 600. Damit ist zu vergleichen der Adler alsStandarte der Murra, rTabigha IV, 7 (bei Ahlwardt, The Diwans of the six ancient. arab.poets) = XXI, 7 (bei H. Derenbourg, Diwan de Näbigha).

343) [s. W e 11 h a u s e n, Heidentum'-. p. 116.]