Die Opfer als Speise der Götter. Jßp,
materialien bestimmte, darin gelegen hätte, dass sie den Nahrungsmitteln desMenschen entsprechen, so würde die Milch, und nicht das Fleich, im Cultusder Nomaden die vorherrschende Stelle eingenommen haben, während siethatsächlich von ganz untergeordneter Bedeutung ist. Um diese Schwierigkeitzu beseitigen, könnte man geltend machen, dass das Opfer als ein den Götterndargebotenes Mahl naturgemäss aus dem Besten und Kostspieligsten bestehenmusste, was man erlangen konnte. Dabei ist nur nicht leicht einzusehen,warum Wild ausgeschlossen war; denn eine Gazelle bietet keine schlechtereFleischnahrung als ein altes Kamel (Gen. 27. 7). Die richtige Lösung derKrage ist in einer anderen Richtung zu suchen. Bei den Hebräern wurde fürdie Verehrer kein Opfermahl hergerichtet, wenn nicht ein Schlachttier geopfertworden war; wenn das Opfer nur eine Darbringung von Getreide war, sowurde es entweder ganz auf dem Altar verbrannt oder von den Priestern alsden Vertretern der Gottheit an der heiligen Stätte verzehrt (Lev. 2, 3. 5, 11.6, 16). In gleicher Weise wurden bei dem einzigen arabischen Mehlopfer,von dem wir Einzelheiten kennen, das dem Gotte Ukaisir dargebracht wurde,einige Handvoll Mehl vor dem Bilde des Gottes niedergelegt 332 . Den Armenwar erlaubt, einen Anteil davon zu nehmen, indem sie ohne Zweifel alsGäste der Gottheit angesehen wurden. Das Getreideopfer hat aber durchausden Charakter eines dem Gotte von seinen Anhängern entrichteten Tributs,wie auch in dem Namen miriha ausgedrückt ist, während beim Schlachtopferder Opfernde und die Gottheit gemeinsam am Opferschmause beteiligt waren,sodass jedem ein Anteil von dem Opfertiere zufiel. Der Vorrang, der im altenCultus dem Schlachtopfer zuerkannt ist, entspricht der Vorherrschaft derOpferform, die nicht bloss Entrichtung eines Tributs, sondern ein Akt so-cialer Gemeinschaft zwischen dem Gotte und seinen Verehrern ist. Weshalbzu diesem gemeinsamen Mahle stets das Fleisch eines Opfertieres erforderlichist, wird das folgende Kapitel zu zeigen haben.
Die Opfer als Speise der Götter.
Alle Opfer, die auf dem Altar niedergelegt wurden, galten den Altenim eigentlichen Sinne als Speise der Götter. Die homerischen Götter „ge-messen Hekatomben" 333 ; einige griechische Gottheiten haben sogar besondereEpitheta, die sie als Ziegenesser, Widderesser, Stieresser, sogar als „Kannibalen"mit Hindeutung auf Menschenopfer bezeichnen 334 . Bei den Hebräern ist dieAnschauung, dass Jahwe das Fleisch der Stiere isst und das Blut der Böcke
geschichte des Josua Stylites (Assemani, Mart. II, 345), wo besrä d'haiivathü in jedemFalle Fleisch von Wild bedeutet.
332) Jäküt, s. v. Well hausen, Heidentum, p. 58 f. [2. Aufl. p. 62—64].
333) Ilias IX, 535 „äXXoi Se S-soi 8atvuv9-' k-/.a.z6^t]<;".
334) Vergl. die Bezeichnungen odyo<f&yoq, xpiocfayos, xaupocpäfo?- — [In den or-giastischen Dionysosculten wurde dem Gotte ein Stier geopfert, dessen Körper in Stückezerrissen und roh verzehrt wurde: so in Elis, wo der Gott auch als Stier angerufenwurde (s. Preller-Robert, Griech. Mythologie 4 . I , p. 695). Auf Kreta wurde der Stiersogar von Mänaden mit den Zähnen zerrissen; auf Chios, Lesbos und Tenedos wurdendem Dionysos auch Menschenopfer dargebracht. Daher hat er die Bezeichnungenöi\i7]az-qz, <!)|id8to{ (der roh essende, würgende) und äv9-pu)7ioppa(xvj? (s. Preller-Robert,I, 693; die Belege aus den Quellen in Anm. 3). Am Morgen des Schlachttages vonSalamis wurden dem Dionysos ib^rjatvjj drei vornehme Perser geopfert. Plutarch, Them. 13.Arist, 9].