168 Sechstes Kapitel. Das Opfer.
Hebräern bisweilen für sich allein, besonders als Erstlingsfrlichte, dargebracht;gewöhnlich kommen sie im Zusammenhang mit einem Tieropfer zur Anwendung.Wenn der Hebräer Fleisch ass, so ass er dazu auch Brot und trank Wein.Wenn er auf dem Tisch seines Gottes Fleisch darbrachte, so war es natürlich,dass er dieselben Beigaben hinzufügte, die nötig waren, um ein reiches Mahlherzurichten, bei dem nichts fehlte.
Von allen diesen Opfern waren in allen semitischen Ländern die Tier-opfer bei weitem die wichtigsten. In ihnen findet das Opfer seine typischeDarstellung, so dass das Wort zebah, das eigentlich das Schlachtopfer be-zeichnet, bei den Phoeniciern auch für Opfergaben an Brot und Oel gebrauchtwird 330 . Dass das Getreideopfer im Cultus nur secundäre Bedeutung hat,ist im Zusammenhang mit der Geschichte der semitischen Rasse wohlbe-gründet. Alle Semiten waren ursprünglich Nomaden; dem Cultus der noma-dischen Araber und der ansässigen Kanaanäer sind aber so zahlreiche Punktegemeinsam, dass die wesentlichen Züge des Opfercultus festgelegt gewesen seinmüssen, bevor irgend ein semitischer Stamm mit dem Ackerbau vertraut ge-worden war und seinen gewöhnlichen Lebensunterhalt aus dem Getreidebaugewann. Immerhin ist zu beachten, dass Fleischnahrung — wenigstensdas Fleisch der Haustiere , die bei den Semiten für regelrechte Opfer alsSchlachttiere allein in Betracht kamen — auch bei den nomadischen Arabernals Lebensmittel nicht häufig verwertet wurde. Die täglichen Nahrungsmitteldes Nomaden bestehen in Milch, Wild, wenn er solches erjagen kann, inbeschränktem Masse in Datteln und Mehl, wovon letzteres zum grössten Teilnur durch Kauf oder Raub zu gewinnen ist. Das Fleisch von Haustierenwurde nur bei besonderen festlichen Anlässen oder in Zeiten der Hungersnotgegessen 331 . Wenn mithin der einzige Grundsatz, der die Wahl der Opfer-
am Heiligtum gefeierten, kanaanitischen Fest der Weinlese gebraucht. Das karthagischeFruchtopfer bestand in einem Früchte tragenden Zweig, wie bei den modernen Judenam Laubhüttenfest der 3'nriK (Orangenzweig). Der Gebrauch von „prächtigen Früchten"ist für dieses Fest Lev. 23, 40 vorgeschrieben; ihre Bestimmung wird jedoch nicht näherangegeben. Für Karthago scheint es sicher zu sein, obwohl die Inschrift, die den Rituserwähnt, ein Bruchstück ist, dass die Frucht auf dem Altar dargebracht wurde; dennes wird bei ihr die Verbrennung erwähnt. Unfraglich ist das auch der ursprünglicheSinn des hebräischen Ritus; vergl. den „Traubenkuchen" (Hos. 3, 1), der nach dem Zu-sammenhang des Textes im Cultus der Baalim eine Rolle gespielt haben muss.
330) CIS. I, No. 165. Z. 12. No. 167, Z. 9. Dem Zusammenhang nach kann nskaum Wild bedeuten, sondern muss, wie T3£ in Jos. 9, 11 ff., eine Nahrung aus Getreidebezeichnen, die gewöhnliche Reisezehrung bei Ackerbau treibenden Völkern.
331) Die alten Erzählungen zeigen das oft; vergl. Doughty, I, 325 f. Die Be-hauptung Frank eis, Die aram. Fremdwörter im Arabischen, p. 31, dass die Araberhauptsächlich von Fleisch lebten, lässt die Wichtigkeit der Milch als Nahrungsmittelbei allen Viehzucht treibenden Völkern ausser acht, und kann nur mit der Einschrän-kung gelten, dass das Fleisch, welches als gewöhnliche Nahrung diente, das von aufder Jagd erbeuteten Tieren war. Der Beweis dafür liegt offenkundig vor in zahlreichenZeugnissen: Plinius, Hist. nat. VI, 161: nomadas lacte et ferina carne vesci" ; Aga-tharchides bei Diodorus Siculus III, 44, 2: „oi 5b xr ( v xaxa xijv x l "P av ve|iö|i£voi.Bavi£o|j.evsts övou-a£c|ievoi, xaj xpo^ac; s^ouat y.uvvjYoüvxss xai aapxo^aYOÖvxsg xä ■/BpaaXa. jffia".Ammianus XIV, 4,6 „victus universis caro ferina est iactisque abundans copia quasustentantur". Nilus, p. 27. Nach diesen ausdrücklichen Angaben müssen wir dieunbestimmteren Aeusserungen Diodors (XIX, 94, 9) und des Agatharchides (bei Diod.III, 43, 5) über die alte Lebensweise der Nabatäer erklären; die „von den Herden be-schaffte Nahrung" war hauptsächlich Milch. Gewisse arabische Stämme, wie noch heutedie Sleib, hatten keine Herden und lebten gänzlich von der Jagd; auf diese bezieht sich viel-leicht die Angabe des Agatharchides über die Banizomeneis und in der syrischen Lebens-