Das Material des Opfers. \Q§
3. Der Unterschied zwischen Opfern, bei denen die geweihte Gabe demGotte gänzlich überlassen wurde, um auf dem Altar verbrannt oder ander-weitig zu seiner Verfügung gestellt zu werden; und solchen, bei denen derGott imd seine Verehrer an der geweihten Gabe in gleicher Weise Anteilhatten. Der letzteren Art gehören die Bf?! an, die gewöhnlichen Tieropfer, beidenen ein Opfertier geschlachtet wurde, dessen Blut am Altar ausgegossen,und von dem das Fett der Eingeweide nebst gewissen anderen Teilen verbranntwurde, während der grössere Teil des Fleisches dem Opfernden überlassenwurde, um zu einer Opfermahlzeit zu dienen.
Diese drei Unterschiede, die unfraglich alt sind und auch für die Opferder übrigen semitischen Völker Geltung haben, ergeben die drei Gesichts-punkte, nach denen wir einen vorläufigen Ueberblick über den Gegenstand ambesten werden anordnen können.
Das Material des Opfers.
Der Unterscheidung der Opfer in tierische und vegetabilische liegt das Prin-cip zu Grunde, dass die Opfer — im Unterschiede von Opfergaben an Kleidungs-stücken, Waffen, Kostbarkeiten und dergleichen — nur von geniessbaren Sub-stanzen dargebracht werden können und zwar von solchen, die den wesent-lichen Bestandteil der menschlichen Nahrung bilden. Diese Thatsache liegtganz sicher im levitischen Ritual vor; sofern das Fleisch von Tieren in Be-tracht kam, war es selbst im spätem heidnischen Ritual gewissen seltenen, aberwichtigen Ausnahmen unterworfen, indem unreine oder heilige Tiere, dereuFleisch dem Menschen verboten war, nur bei ganz ausserordentlichen An-lässen geopfert und gegessen wurde. Wir werden weiterhin sehen, dass dieseausserordentlichen Opfer in den ältesten Zeiten im Ritual eine sehr bedeutsameStelle einnahmen, und dass mit ihnen die Theorie über die ältesten Opfer-mahle in Zusammenhang steht. Für die spätere Zeit aber vermögen die he-bräischen Opfer ein genügendes Bild von dem semitischen Opferwesen über-haupt zu geben. Die vierfüssigen Tiere, die das levitische Gesetz als Opfer-tiere zulässt, sind der Ochse, das Schaf, die Ziege, mithin die „reinen" Haus-tiere, die auch der Mensch essen darf. Dieselben Tiere werden auf den kar-thagischen Inschriften genannt, die einen Tarif über die Opfergebühren geben,die an den Tempel zu entrichten sind 317 , sowie in Lucians Angaben über densyrischen Cultus zu Hierapolis 318 . Die Israeliten opferten keine Kamele undassen sie auch nicht, während das Kamel bei den Arabern oft gegessenwurde 319 und häufig als Opfer diente. Das Schwein hingegen, das bei denGriechen allgemein geopfert wie gegessen wurde, war bei allen Semiten ver-boten 320 und begegnet als Opfertier nur in bestimmten Ausnahmefällen, wiewir sie angedeutet haben. Hirsche, Gazellen und andere Arten von Wild
317) CIS, I, No. 165. 167.
318) Lucian, De dea Syria 54. „9-uouat 6s ßoa£ äpasva? -es y.ai ^ÄEas '/.ai atyasxal 5't'as".
319) [s. Imrulqais, Muall. v. 10—12.]
320) Lucian, De dea Syria 54. esoa? 5e |io6vas hva.yia.tz vo|ii£ovi£S °öxs 3-üouai oüxeoiTEoviat". Für die Saracenen bezeugt durch Sozomenos VI, 38.