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Die Religion der Semiten
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Der Ursprung der heiligen Steine. 159

Der Ursprung der heiligen Steine.

Die Ansicht, dass der heilige Stein ein Abbild der Gottheit sei, erscheintalso als ausgeschlossen durch die Beobachtung, dass mehrere Säulen nebeneinander stehen können, die nur einen einzigen Gott darstellen. Indes mussdieser Beweisgrund vorsichtig geprüft werden; denn oft hatten ein Gott undeine Göttin einen gemeinsamen Cultus, und in solchem Falle wurde jedem eineSäule errichtet 310 . Diese Erklärung trifft aber durchaus nicht für alle Fällezu. In dem arabischen Ritus, den Herodot III, 8 beschreibt, werden zweiGottheiten verehrt, aber sieben heilige Steine werden mit Blut bestrichen; einegrössere Anzahl heiliger Steine, um die sich die Verehrer bei einer einzigencultischen Handlung sammeln, werden öfter bei den arabischen Dichtern er-wähnt 311 . Aehnlich bedeutet in Kanaan der Ortsname Anathoth eine Mehrzahlvon Abbildern der 'Anäth. Bei Gilgal werden entsprechend der Zahl derzwölf Stämme zwölf Steinsäulen 312 , ebenso wie auch beim Bimdesopfer amSinai (Exod. 24, 4), errichtet. Die zwei Säulen des Melkarth von Tyrus habenwir bereits erwähnt; sie sind uns an der Strasse von Gibraltar wohl bekanntals dieSäulen des Herkules".

wohnlicher Anblick ist das erste, was den Blick dessen, der sich der Ebene nähert, aufsich zieht. Der von Stephanus Byzant. erwähnte Felsen ist vielleicht die bereits er-wähnte (s. oben S. 130) Klippe mit dem Wasserfall, die mit dem Felsen von Kades ver-glichen werden kann, aus dem die Quelle hervorströmte. Die Heiligkeit von Felsen,von denen Wasser fliesst, oder von Felsen, die eine heilige Grotte bilden, kann indesnicht herangezogen werden, um den Ursprung heüiger Steinhaufen und Säulen zu er-klären, bei denen weder Wasser noch Höhlen sind.

Dass die Bezeichnung Jahwes alsFels Israels" irgendwie mit dem Steincultuszusammenhängt, kann mit Grund bezweifelt werden. Der Gebrauch von Baetylia,kleinen, als Amulett getragenen Steinen, denen ein magisches Leben zugeschriebenwurde, gehört kaum in diese Beweisführung. Das Gottesbild Abnil zu Nisibis ist ein-fachStein des El" (Assemani, I, 27).

310) Vergl. Kinship, p. 293 ff., p. 262. Ob die beiden gari (mit Blut bestricheneOpferpfeiler) bei Hira und Faid einem Paare von Göttern gehörten oder ob sie nureine doppelte Darstellung derselben Gottheit waren, wie die beiden Säulen des Heracles-Melkarth zu Tyrus, kann nicht entschieden werden. Wellhausen, Heidentum, p. 40[2. Aufl. 43] neigt zu letzterer Ansicht, wofür er Hamäsa 190, 15 citiert. Im Ara-bischen können aberdie beiden 'Uzzä" bedeuten: Al-'Uzzä und ihre Genossin, die Göttin

Al-Lät. C. Lyall schlägt vor, garijaini zu lesen.

311) Wellhau s en, Heidentum, p. 99 [2. Aufl. 102]. Die Dichter scheinen oft denGott mit einem der Steine zu identifizieren, wie die Al-Uzzä mit einem der drei Bäume

zu Nahla identifiziert wurde. Die ansah standen neben dem Gotte (Tag, III, 560, Z. 1)oder rings um ihn, sodass also das eigentliche Idol in der Mitte stand. In dem Versedes Farazdak (Agh. XIX, 3, Z. 30), auf den Wellhausen hingewiesen hat, liest die Ox-forder Hs. der Nakäid und die von Spitta-Bey ,'dla hini tuhjä 1-banätu wa-idh Jtumüuküfun 'alä 'l-ansäbi hawla , l-mudawwari' L und die Scholien erklären al-mudawwar alssanam jadürüna hawlahu. Es ist unmöglich anzunehmen, dass die Unterscheidung zwi-schen einem Stein und den übrigen primitiv ist.

312) Jos. 4, 20. Diese Säulen sind wahrscheinlich identisch mit denSchnitz-büdern bei Gilgal«. Rieht. 3, 19. 26.