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Die Religion der Semiten
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154 Fünftes Kapitel. Natürliche und künstliche Cultusstätten etc.

sames Opfermahl halten (Gen. 31, 46). In dem alten Gesetz Exocl. 20, 24. 25wird vorgeschrieben, dass der Altar aus Erde oder unbehauenen Steinen er-baut sein muss. Dass als Altar ein einziger Stein genügte, erhellt aus I. Sam.14, 32 if., wo der erste von Saul errichtete Altar einfach ein grosser Stein war,den er sich nach der Schlacht bei Michmas herbeiwälzen liess, damit dasVolk die erbeuteten Schafe und Rinder auf ihm schlachten könne und dasFleisch nicht mit dem Blute ässe. Das blosse Ausgiessen des Blutes nebenden Stein oder Altar gab dem Schlachten eine cultische Weihe und machtees zu einem gesetzmässigen Opfer. Hier liegt also zwischen dem hebräischenAltar und dem arabischen nusb oder garvj kein Unterschied vor.

Monolithische Säulen oder Steinhaufen werden als bei Heiligtümern ste-hend 29 ° in den älteren Teilen des AT. häufig erwähnt, gewöhnlich in Verbindungmit einer heiligen Sage über den Anlass, bei dem sie von irgend einem berühmtenPatriarchen oder Heros errichtet wurden. In den geschichtlichen Berichten desAT. erscheinen sie in der Regel mehr als Erinnerungszeichen ohne eine be-stimmte cultische Bedeutuug; dagegen betrachtet das pentateuchische Gesetzdie Verwendung heiliger Säulen (masseböth) als götzendienerisch 300 . Darinliegt der beste Beweis dafür, dass derartige Säulen unter den Dingen, die zu denkanaanitischen Heiligtümern gehörten, eine wichtige Rolle spielten. Und wennHosea (3, 4) die Massebä als einen zu seiner Zeit für die Heiligtümer desNordreiches unentbehrlichen Zubehör erwähnt, so können wir sicher sein, dassder grossen Masse der Hebräer die Säulen zu Sichern, Bethel, Gilgal und denandern Cultusstätten nicht sowohl als Denkmäler geschichtlicher Ereignisse,sondern vielmehr als notwendige Bestandteile des Apparates zur Ausübungdes Cultus galten, Dass die besondern cultischen Handlungen, die sich andie kanaanitische Massebä knüpfen, wesentlich die gleichen waren wie bei demarabischen nusb kann aus Philo von Byblus gefolgert werden. In seinerfreilich pseudohistorischen Manier berichtet er, dass ein gewisser Usöus demFeuer und dem Winde Steinsäulen weihte und ihnen cultische Verehrung erwies,indem er ihnen von dem Blute auf der Jagd erbeuteter Tiere Libationen dar-brachte 301 . Aus diesen Zeugnissen, insbesondere aus der Thatsache, dassTrankopfer derselben Art auf beide gebracht wurden, ist ersichtlich, dass derAltar nichts anderes ist, als eine weiter ausgestaltete Form der ursprüng-lichen, rohen Steinsäule, der massebä oder des nusb 302 . Dem heiligen Steinekommt jedoch noch eine andere Bedeutung zu als die des Altars. Denn inden hebräischen und kanaanitischen Heiligtümern hat der Altar in seiner aus-gebildeten Gestalt als Tisch oder Herd die Steinsäule nicht verdrängt. Beidefinden sich neben einander an demselben Heiligtum, der Altar als ein Stückdes cultischen Apparates für die Opferhandlungen, die Säule als sichtbaresSymbol oder Verkörperung der Gegenwart der Gottheit. Im Verlaufe der Zeit

299) Zu Sichern: Jos. 24, 26; Bethel: Gen. 28, 18 ff.; Gilead (ßamoth Gilead):Gen. 31, 45 ff.; Gilgal: Jos. 4, 5; Mizpa: I. Sam. 7, 12; Gibeon: IL Sam. 20, 8; EnrogehI Kön. 1, 9.

300) Exocl. 34, 13; Deut. 12, 3; vergl. Micha, 5, 13.

301) Euseb, Praep. Evang. I, 10, 10. Blutlibationen werden als heidnischerBrauch in Ps. 16, 4 erwähnt.

302) Nusb und massebä sind von derselben Wurzel 32Maufstellen" abgeleitet.Eine andere Bezeichnung für die Säule oder den Steinhaufen ist 2*Xi , das bei den Ka-naanitern wie Aramäern als Ortsname erscheint, z. B. in NisibisSäulen".