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Die Religion der Semiten
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250 Fünftes Kapitel. Natürliche und künstliche Cultusstätten etc.

liehe heilige Baum, die asera, zu Zwecken des Orakelwesens benutzt wurde,würde aus I. Kön. 18, 19 folgen, wenn man nicht guten Grund für dieAnnahme hätte, dass an dieser Stelle die Propheten der Asera einfach diePropheten der tyrischen Astarte sind. Aber Hos. 4, 12 kann derStab", beidem die Zeitgenossen des Propheten Rat suchten, kaum etwas anderes als dieAsera sein 286 . Wahrsager, die ihre Inspiration von Pflanzen herleiten, erschei-nen in der Sage sogar noch im Mittelalter 286 .

Heilige Höhlen.

Den beiden wichtigsten natürlichen Merkmalen einer Cultusstätte, derQuelle und dem Baume, sollten etwa noch Grotten und unterirdische Höhlenhinzugefügt werden. Bis heute hat noch fast jeder heilige Platz in Palae-stina seine Grotte, und dass diese nichts Neues sind, ergiebt sich aus denzahlreichen Symbolen des Astartecnltus, die an deu Wänden der Höhlen inPhönicien gefunden worden sind. Es kann kaum ein Zweifel bestehen, dass dieältesten phönicischen Tempel natürliche oder künstliche Höhlen waren, unddass die heiligen wie profanen Baudenkmäler in Phönicien mit ihrer ausge-sprochenen Vorliebe für monolithische Ausführung auf die in Felsen ausgehaue-nen Höhlen als den ursprünglichen Typus, der die Architektur des Landes be-stimmt, hinweisen 287 . Wenn dem aber so ist, so beweist der Gebrauch vonHöhlen als Tempel in späterer Zeit nicht, dass die Höhlen an sich irgendeine primitive religiöse Bedeutung hatten. Der religiöse Brauch ist stets kon-servativ, und in Felsen ausgehauene Tempel waren naturgemäss noch in Ge-brauch, als die Menschen aufgehört hatten, als Troglodyten in Fels- oderErdhöhlen zu wohnen. Ueberdies sind die alten Tempel in den meisten Fällennicht in erster Linie Wohnsitze der Götter, sondern Schatzhäuser für die Ge-fässe und Schätze des Heiligtums. Der Altar, der heilige Baum und diesonstigen Symbole der Gottheit, denen religiöse Verehrung dargebrachtwurde, standen draussen vor dem Tempel, und der ganze Cultus wurde imFreien ausgeübt. Höhlen und Gruben als primitive Schatzhäuser finden wirim ganzen Bereich der Semiten verbreitet: wir wissen, dass in Arabien eineGrube, die gabgab genannt wird, in der der heilige Schatz aufbewahrt wurde,

Baume gebraucht wird, vielleicht von einem grossen Baum. Stade, Gesch. Israels,I, 455 will diese Worte mit elGott" und dem phönicischen älonim verknüpfen.

285) Da der nächstfolgende Satz sagt:sein Stab giebt ihm Bescheid", so ist eseine gewöhnliche Annahme, dass hier eine Anspielung auf Rhabdomantie vorliege, d. h.auf den Gebrauch von Stäben mit göttlicher Eigenschaft (wie die arabischen Orakel-pfeile). In der That ist der göttliche Stab, in dem man einen Lebensgeist wohnenddenkt, so dass er sich auch ohne den Willen des Menschen, der ihn trägt, bewegt undZeichen giebt, eine Vorstellung, die dem Glauben an heilige Bäume verwandt ist. Wennabersein Stab" parallel mitsein Pfahl" (oderBaum") gebraucht wird, so liegt esnäher, auf Philo von Byblus bei Euseb, Praep. Evang. I, 10, 11 zu verweisen, dervon Stäben und Säulen spricht, die von den Phöniciern in jährlichen Festen geweihtund verehrt wurden. Bei dieser Auffassung ist der Stab nur eine asera in kleineremMassstabe. Wurde das Zeichen von dem grünenden oder dem verdorrenden Stabe her-geleitet? Wir haben ein solches Zeichen beim Stabe des Aaron (Num. 17). Adonisstäbe,die als Absenker gesetzt sind um zu grünen oder zu welken, scheinen in Jes. 17, 10 f.gemeint zu sein. Diese Stelle würde sicher von Bedeutung werden, wenn das Verdorrender Absenker ein böses Zeichen war. Wahrsagung aus dem Grünen oder Verdorren vonBäumen ist im Altertum sehr verbreitet; s. B ö 11 i c h e r, a. a. Orte. Cap. XL

286) Chwolsohn. Die Ssabier, II, 914.

287) Renan, Mission en Phenicie. p. 822 f.