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Die Religion der Semiten
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Heilige Bäume und ihr Cultus. 147

Immerhin liegt die Annahme nahe, dass man das natürliche Bindeglied,das die Bäume mit anthropomorphen Göttern verband, allgemein in dem heiligenWasser sah, dem auch die Bäume ihr Gedeihen verdankten. Dies wird wahr-scheinlich durch den Gebrauch des Terminus ba'l zur Bezeichnung von Bäumen,che weder des Regens noch der künstlichen Bewässerung bedürfen, und ebensoaus dem ganzen Vorstellungskreise, der mit dem Lande des Ba'al verknüpftist. Ein Baum war einer besondern Gottheit eigen, nicht weil er von einerbesonderen Art war, sondern lediglich weil es das gewöhnliche, natürlicheHolz des Gebietes war, wo dem Gott cultische Verehrung erwiesen wurde,und wo er seine lebenspendenden Ströme zur Befruchtung des Landes aus-sandte. Unter den heiligen Bäumen der Semiten finden sich alle hervor-ragenden Baumarten: die Fichten und Cedern des Libanon, die immergrünenEichen auf den Höhen Palästinas, die Tamarisken der syrischen Wälder, dieAkazien in den Wadis Arabiens und andere 27(i . Soweit es sich um diesenatürlichen Bäume handelt, kann man nicht sagen, dass z. B. die Akazie mehrder Astarte als dem Melkarth eigen sei, der die Cypressen bei Daphne pflanzte.

Von künstlich angepflanzten Bäumen hingegen, wie der Palme, der Oliveund dem Weinstock, könnte man von vornherein annehmen, dass sie bei denSemiten wie bei den Griechen in Verbindung mit dem besonderen Cultus derGottheit des Gebietes standen, von dem aus sich ihre Cultur ausgebreitet hatte.Denn mit dem Ackerbau verbreitet sich auch die Religion; das eine zieht dasandere nach sich. Aber selbst dafür ist kein sicherer Beweis vorhanden; diePalme war das besondere Symbol der Astarte; aber wir finden auch einenBaal der Palme" (Ba'al-tamar) in einem Ortsnamen (Rieht. 20, 33). Dereinzige klar erkennbare Fall von der Verknüpfung einer besondern Gottheitmit einem Fruchtbaum unter den Semiten liegt bei dem Gott der NabatäerDusares vor, der der Gott des Weinstocks war 27 ~. Der Weinstock kam je-doch zu den Nabatäern erst in der hellenischen Culturperiode , und auf Du-sares als Weingott scheinen einfach die Züge des Dionysos übertragen wor-den zu sein.

Zu Aphaka erschien die Göttin bei dem jährlichen Fest in Gestalt einesfeurigen Meteors, das von einem Berggipfel herabfiel und ins Wasser sank,während nach einem anderen Berichte über dem Tempel Feuer erschien,vermutlich, da wohl elektrische Erscheinungen den Grund zu diesem Glaubengegeben haben, auf den Baumgipfehi des heiligen Hains. Ebenso glaubte

wohnern von Byblus geschenkt. Er war mit einem leinenen Gewände bekleidet und mitMyrrhe wie ein Leichnam gesalbt. Er repräsentierte also den toten Gott. Aber als ein blosserBaumstumpf erinnert er zugleich an die hebräische Asera. Könnte vielleicht der Brauch,einen heiligen Pfahl zu bekleiden und zu salben, für die ungelöste Frage nach der Natur

der mit der Asera verknüpften eultischen Bräuche die Lösung geben? Von irgend

welcher Art, die asera zu bekleiden, ist II Kön. 23, 7 die Rede. Die oben erwähnteassyrische Abbüdung steht vielleicht die Salbung eines heiligen Pfahles dar.

276) Im heutigen Palästina ist der Johannisbrotbaum besonders dämonisch; dierötliche Farbe seines Holzes erinnert an Blut (ZDPV. X, 181). _ Nach PEF, Qu. St. 1893,p. 203 f. sind der Feigenbaum, der Johannisbrotbaum und die Sykomore von Teufelnbewohnte Bäume; unter ihnen zu schlafen, ist gefährlich. Der Lotusbaum (sidrj [wohlZizijphus lotus Homer, Od. IX, 93 ff. Herod. II. 96. Buchholz, Homer. Realien. II, 2,p. 282 ff.] und die Tamariske gelten dagegen als von einem weil (Heiligen) bewohnt.Aber ein Baum jeder Art kann heilig sein, wenn er an einem mäkäm oder einer heiligen

Stätte wächst.

277) Diodor, XIX, 94, 3.

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