Heilige Bäume und ihr Cultus. 145
Die Thatsache, dass Baumsymbole an den kanaanitischen Heiligtümernzur Anwendung gekommen sind, ist mit dem Umstände in Zusammenhangzu bringen, dass alle kanaanitischen Baalim, was auch immer ihr ursprüng-licher Charakter sein mochte, mit von Natur fruchtbaren Orten (dem Landedes Baal) in Verbindung standen und als Schöpfer des Pflanzenwuchses verehrtwurden. Wir sahen bereits, dass man bei heiligen Flüssen glaubte, das Le-bensblut des Gottes ergiesse sich in den heiligen Wassern, die dadurch selbstmit göttlichem Leben und göttlicher Kraft erfüllt würden. Diese VorstellungHess sich leicht auf den Baum ausdehnen, der die heilige Quelle beschatteteund aus dem Wasser an seinen Wurzeln fortwährend Kraft und Frische ge-wann; auch von ihm nahm man an, dass er von einem Teile des göttlichenLebens durchdrungen sei. Für die Alten war der Begriff des Lebens, des
dass der Pfahl mit der Göttin und der Pfeiler mit dem Gotte identifiziert wurde. Der Cultusdes Tammuz oder Adonis war zur Zeit des Ezechiel in Jerusalem bekannt (Ezeeh. 8, 14),und neben Adonis muss auch die Göttin Astarte, wahrscheinlich als die „Himmelskönigin",dort verehrt worden sein (Jer. 7. 44. — Vergl. über diesen Cultus K u e n e n in denVerslagen end mededeelingen der koninklijke Akademie van Wetenschappen. Afd. Letter-kunde. III, 5. p. 157—189. Amsterdam 1888. Es ist daher nicht auffallend, dass inzwei spätem Stellen, die zu einer Zeit geschrieben sind, da aller Höhencultus als derJahwereligion gänzlich fremd galt, die Aserim als die weiblichen Genossen der Baalimangesehen worden zu sein scheinen, d. h. dass die asera als Symbol der Astarte aufge-fasst wurde (Rieht. 3, 7). Die Propheten der asera, die I Kön. 18, 19 neben den Pro-pheten des tyrischen Baal als Diener der fremdländischen, von der Izebel eingeführtenReligion erscheinen, müssen Astartepriester gewesen sein. Sie „essen vom Tisch derIzebel", d. h. sie gehören zum Hofe der tyrischen Königin,' so dass sie also mit derhebräischen Religion in keinem Zusammenhange stehen. Umgekehrt können auch dieheiligen Pfähle der Hebräer nichts mit dem Cultus der tyrischen Göttin zu thun haben;denn Jehu lässt die asera bei Samaria stehen, während er sonst alle Spuren des tyri-schen Cultus vernichtet (II. Kön. 13, 6). Es findet sich überhaupt kein Zeugnis für denCultus eines Götterpaars bei den älteren Hebräern; der Astartecultus zur Zeit Salomoswar eine fremde Religion. Aus Jer. 2, 27 ergiebt sich, dass in dem gewöhnlichen he-bräischen Götzendienst der Baum oder Stamm nicht das Symbol einer Göttin, sonderneines Gottes war. Auch bei den Phöniciern ist es nicht so klar ersichtlich, wie oft an-genommen wird, dass heilige Bäume häufiger mit Göttinnen als mit Göttern in Ver-bindung gebracht waren. — Aus alledem folgt nun, dass die „Propheten der Asera" inI Kön. 18, 19 sehr wenig greifbare Gestalten sind; ihre Erwähnung beruht auf einer Ver-wechslung zwischen Astarte und Asera, die kein Israelit zur Zeit des Elias oder so langeüberhaupt das Nordreich bestand, jemals begehen konnte. In der That erscheinen sieauch in V. 22 oder 40 nicht wieder, so dass ihre Erwähnung in V. 19 auf einer spätenInterpolation zu beruhen scheint. Well hausen. Hexateuch 2 , p. 281. — Sehr ad er,ZA. III, 363 f. hat nachzuweisen gesucht, dass Asera ±= Asrat eine Göttin sei. In derphönicischen Inschrift Citiensis 51 (ZDMG. 35, 424) scheint die Göttin die „Mutter desheiligen Pfahls" OntPKn DK) genannt zu werden; jedoch lesen die Herausgeber des CIS.
(i, No. 13) mixn.
[Die Frage, ob es eine kanaanitische Göttin Asera gab, ist viel umstritten. NachStade, ZAW. I, 345 VI, 319 ist Asera bei vorexilischen Autoren immer der heiligePfahl und erst in deuteronom. Stellen mit Astoreth verwechselt. G. Hoffmann zuArnos 8, 14 (ZAW. III, 123) sagt, Asera bedeutet Jahwe oder Baal selbst, der sich indem heiligen Pfahl aufhielt, um die Opfer auf dem daneben stehenden Altar entgegen-zunehmen. Vergl. Hoffmann, Phon. Inschr. p. 27 f., wonach mtt>N „Ortszeichen" be-deuten soll; der Pfahl bezeichnet die Stelle, wo die Gottheit wirkt. Auch Ed. Meyer,Gesch. des Altertums, I, 247 f. verneint das Vorhandensein einer Göttin Asera. ■— Indesist in dem Eigennamen 'Abd Asirti oder 'Abd Asrati in den Teil el-Amarna Briefen denBeweis für die Existenz einer kanaanitischen Göttin Alera erbracht. Denn der Nameder Göttin wird mit dem Gottesdeterminativ davor geschrieben und einmal steht anStelle ihres Namens die babylonische Istar. Vergl. den Stammesnamen Ascher. In Ba-bylonien ist eine Göttin Asrat(um) nachweisbar (ZA. VI, 161, 241 ff.), die mit Asirtu —Asera identisch sein wird. Nach Jensen ist Asrat, wie ihr Gemahl Amurru, e. ainori-tische Gottheit, d. h. sie sind aus dem Westen in Babylonien eingeführt, s. G e s e -nius-Buhl, Handwörterbuch. 13. Aufl. p. 82. Vergl. vor allem Baudissin, Art.Astarte in PRE. 3 II, 157—161.]
Smith . Beligion. 10