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Die Religion der Semiten
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444 Fünftes Kapitel. Natürliche und künstliche Cultusstätten etc.

gewesen ist, erhellt aus Deut. 16, 21:Du sollst dir neben den Altar Jahwes,deines Gottes, den du dir errichtest, keine Asera von irgend welchem Holzeeinpflanzen". Sie muss also ein wirklicher Baum oder ein baumähnlicher Pfahlgewesen sein; höchst wahrscheinlich waren ursprünglich beide Formen zulässig.Die ältesten Altäre waren, wie wir aus den Berichten über die Cultusstättender Patriarchen entnehmen können, unter wirklichen Bäumen errichtet. DiesePegel konnte man indes nicht immer innehalten; in der Königszeit scheint andie Stelle des natürlichen Baumes ein toter Pfahl getreten zu sein, der in denErdboden eingepflanzt wurde, wie bei germanischen Völkern der Maib aum 209 .Die Asera war unfraglich Gegenstand cultischer Verehrung; denn die Prophetenstellen sie mit andern cultischen Symbolen auf die gleiche Stufe, z. B. mitSpitzsäulen des Sonnencults (Jes. 17, 8) und mit Götzenbildern 270 (Micha 5, 13).Die phönicische Inschrift von Mas'üb spricht von derAstarte in der Asera, derGöttin von Hammon". Die Asera ist somit ein heiliges Symbol, der Sitz derGottheit, und vielleicht besagt schon ihr Name, wie G. Hoffmann vermutethat, nichts anderes alsZeichen" der Anwesenheit einer Gottheit. Die Ansicht,dass es eine kanaanitische Göttin namens Asera gab, und dass mit ihremNamen bezeichnete Bäume oder Pfähle ihre besondern Symbole waren, ist in-des jetzt als richtig erwiesen durch den in den Briefen von Teil el-Amarnavorkommenden Namen l Abd AHrti oder Abd Asrati 270 *. Jeder Altar hatteseine Asera, sogar Altäre, die in der vorprophetischen Volksreligion derHebräer Jahwe geweiht waren 271 . Das ist auch nicht unvereinbar mit der An-schauung, dass der heilige Pfahl das Symbol einer besonderen Gottheit war;es scheint vielmehr zu zeigen, dass in alten Zeiten der Baumcultus in Kanaanin solchem Ansehen stand, dass der heilige Baum oder der heilige Pfahlals sein Ersatz als ein allgemeines Symbol der Gottheit betrachtet wurde,das angemessener Weise neben dem Altar eines jeden Gottes seine Stelle fand 272 .

269) Es ist ein von Menschenhand verfertigtes Ding (Jes. 17, 8, vergl. I. Kön. 16, 33).Im II. Kön. 21, 7 (vergl. 23, 6) erfahren wir von einemBilde der AJera"; in I. Kön.15,13 wird einSchandbild" erwähnt, welches die Königin Maachader Asera verfertigthatte". In diesen Ausdrücken liegt vielleicht, dass der heilige Pfahl zuweilen als eineArt Abbild geschnitzt wurde. Dass der heilige Baum zuerst zu einem blossen Pfahlwurde und sich dann zu einem rohen Holzbilde gestaltete, stimmt mit analogen Fällenin andern Gebieten, z. B. in Griechenland, überein. Es ist aber auch durchaus möglich,dass die asera als eine Art Abbild beschrieben wurde, einfach weil sie im Götzencultuszur Anwendung kam.

Ein assyrisches Denkmal aus Khorsabäd, das bei Botta und-Layard abgebildet ist(Nachbildungen s. bei Rawlinson, Monarchies II, 37, Stade, Gesch. Israels, I, 461), zeigteinen ornamentalen Pfeiler, der neben einem tragbaren Altar errichtet ist. Vor ihmstehen Priester, die mit einer cultischen Handlung beschäftigt sind; sie berühren denPfeiler mit ihren Händen, und vielleicht bedeutet dies, dass sie ihn mit einer flüssigenSubstanz salben.

270) [Die überlieferte Gestalt des hebräischen Textes der sogen, masorethischeText ist hier verderbt. Für das überlieferte ^"iIJdeine Städte" (so Luther, auch dierevidierte" Bibel) ist schon wegen des Parallelismus ^SJCCdeine Götzenbilder" zu lesen].

270a) [Vergl. Gesenius-Buhl, Handwörterbuch. 13. Aufl. 1899. s. v. STptfR.S. unten Anm. 272 Schluss. Auf diese Bemerkung in der neuen Aufl. des Wörterbuchshat mich Herr Prof. Kautzsch freundlichst hingewiesen. Rob. Smith hat die An-nahme einer Göttin Asera bestritten.]

271) Das Verbot Deut. 16,21 ist ein gutes Zeugnis für den früher bestehenden Brauch.S. II. Kön. 13, 6.

272) Wenn ein Gott und eine Göttin zusammen an demselben Heiligtum verehrtwurden, wie es z. B. in Aphaka und Hierapolis geschah, und wenn die beiden heiligenSymbole am Heiligtum ein Holzpfahl und ein Steinpfeiler waren, so ergab sich leicht,