140 Fünftes Kapitel. Natürliche und künstliche Cultusstätten etc.
von Asbamaea" scheint ebenfalls „sieben Gewässer" zu bedeuten (syrisch:sab'ä majä); die Oertlichkeit ist ein See, bei dem eine Anzahl von Quellenüber die Oberfläche des Wassers emporsprudelt. Sieben ist für die Semiteneine heilige Zahl, besonders in Bezug auf cultische Bräuche. Das hebräischeWort für „ schwören" bedeutet wörtlich „ sich bei sieben heiligen Dingen ver-pflichten". Bei der Beschwörung des Vertrages zwischen Abraham und Abi-melech zu Beerseba spielen sieben Lämmer eine Rolle (Gen. 21, 22—31), undin Arabien wird ein Bündnis nach der Angabe Herodots eidlich bekräftigt,indem sieben Steine mit Blut bestrichen werden 253 . Der Reinigungseid bei siebenBrunnen musste somit ein besonderes Gewicht haben ibi .
Heilkräftige Wasser.
Es ist die Aufgabe einer göttlichen Macht, ihren Anhängern nicht alleinOrakel und Rechtsentscheidungen zu gewähren, sondern ihnen auch in denMühen und Erfolgen des täglichen Lebens zu helfen. Die Segnung, die von einerheiligen Quelle besonders zu erwarten ist, ist die Belebung und Befruch-tung des Bodens und alles dessen, was von ihm abhängt. Dass die an heiligeQuellen gerichteten Bitten hauptsächlich fruchtbare Zeiten zum Gegenstandhatten, bedarf keines besonderen Beweises; denn in allen wichtigen religiösenAngelegenheiten der ansässigen Semiten hat dieser Gegenstand die erste Stelle.Ueberall finden wir, dass der Festkreis durch die Jahreszeiten des Ackerbautreibenden Lebens bestimmt wird 26B . Ohne Zweifel war für den Verehrer die ersteund beste Gabe der heiligen Quelle ihr eignes, belebendes Wasser, und daserste Ziel der religiösen Verehrung, die sich an sie wendete, war, ihre segenspen-dende Flut zu kräftigen 26c . Aber die lebenspendende Kraft des heiligen Stromeswar keineswegs auf die Belebung der Vegetation beschränkt. Heilige Wassererscheinen, wie wir bereits in mehreren Fällen sahen, auch als Heilquellen;besonders in Syrien suchte man sie auf, um in Krankheit Hilfe zu finden.Ich darf an dieser Stelle wohl ein Beispiel hinzufügen, das, obgleich es ausser-halb des eigentlich semitischen Gebietes liegt, doch mit einem heiligen Strome
I, 193) und die Thurajjä oder „Plejaden-Wasser" bei Darija (Jäküt, I, 924; III, 588;Bekri, 214, 627). Im heutigen Syrien besteht der Brauch, ein krankes Kind, das fürbehext gilt, aus sieben Quellen oder Cisternen trinken zu lassen (ZDPV. VII, 106).
253) Herod. III, 8.
254) Arnos 8, 14 wird ein Eid nach der Weise (Ritual ?) von Beerseba erwähnt.Die Pilger zu Mamre tranken das Wasser nicht. Sozomenos nimmt an, dass die hin-eingeworfenen Gaben es ungeniessbar gemacht hätten. Bei dem orientalischen Handelaber, bei dem jedes Geschäft von falschen Schwüren und Verwünschungen begleitet ist,ist die Vorsichtsmassregel vielleicht eher aus Furcht vor einem Gottesgericht zu erklären.
255) Ein Mythus, in dem sich der Zusammenhang heiliger Wasser mit der Ent-stehung des Ackerbaus ausspricht, scheint in modernisierter Gestalt in der mittelalter-lichen Sage der 'Ain al-bakar, der Ochsen quelle, bei Acre fortzuleben. Sie wird vonChristen, Juden und Muhammedanern verehrt, weil die Ochsen, mit denen Adam pflügte,aus ihr herausstiegen (Kazwini und Jäküt). Neben ihr war ein mashad, ein heiligesGrab, das vielleicht an die Stelle des alten Memnonion getreten ist.
256) In Num. 21, 17 finden wir ein Lied, das an eine Quelle gerichtet ist, die esauffordert, emporzusprudeln, was ursprünglich kaum eine bloss dichterische Figur ist.Wir können damit vergleichen, was Kazwini, I, 189 über die Quelle von Iläbistän be-richtet. Wenn es an Wasser mangelte, so wurde an der Quelle ein Fest mit Musik undTänzen veranstaltet, um sie wieder zum Fliessen zu bringen. Noch heute gelten in Pa-lästina die Quellen als Sitze von Geistern (ZDPV. X, 180. vergl. oben p. 136.)