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Die Religion der Semiten
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Orakel von heiligen Wassern. 139

in Syrien falsch geschworen hatte, im Laufe eines Jahres an der Wassersucht.Nach letzterem Falle zu schliessen, scheint der Eid bei den heiligen Ge-wässern genügt zu haben. Wie wir indes aus dem andern Falle ersehen können,war das Wesentliche ursprünglich das Trinken des Wassers an heiliger Stätte,der Eid war lediglich an die Stelle des Gebetes getreten, das gewöhnlich einecultische Handlung begleitete. Eine göttliche Entscheidung durch Trinkenheiligen Wassers ist bei den Hebräern sogar noch in der pentateueinsehenGesetzgebung erhalten, und zwar in dem Falle, wo ein Weib der Untreuegegen ihren Gatten verdächtigt ist 249 . Auch hier besteht der Glaube, dassdas heilige, mit Erde aus dem Heiligtum untermischte Wasser, das untereiner Eidesformel zur Anwendung kommt, Wassersucht und Auszehrung her-vorrufe. Die hohe Altertümlichkeit dieses Brauches ergiebt sich nicht nuraus seinem ganzen Charakter, sondern auch daraus, dass der AusdruckheiligesWasser" (v. 17) in der Sprache des hebräischen Ritus ganz vereinzelt undals ein isolierter Ueberrest einer veralteten Ausdrucksweise aufzufassen ist.Obgleich sich der Ausdruck nur hier findet, lässt sich sein ursprünglicherSinn doch unschwer bestimmen; die uns vorliegenden analogen Fälle erweisenvollends, dass wir an das Wasser einer heiligen Quelle denken müssen, unddieser Schluss ist sicher zutreffend. Wellhausen hat bewiesen, dass die ältestehebräische Ueb er lieferung den Ursprung der Thora auf die Rechtssprechungdes Moses am Heiligtum zu Kades oder Meriba zurückführt ä5 °, das an der hei-ligen Quelle gelegen war, die Gen. 14, 7 auchQuelle des Rechts" (En Mispat)oderHaderwasser" (Meriba) genannt wird.

Mit diesem Zeugnis für die alte Bedeutung heiliger Wasser bei denHebräern können wir die bedeutsame Thatsache in Verbindung bringen, dasszur Zeit des Arnos Dan und Beerseba die wichtigsten Cultusstätten der Israe-liten des Nordreiches waren (Arnos 8, 14. I Kön. 12, 30). Wir haben bereitsgesehen, dass bei Dan eine heilige Quelle war, und das Heiligtum von Beersebabestand eigentlich aussieben Brunnen", die dem Orte seinen Namen gaben.Es ist überhaupt beachtenswert, dass einer Gruppe von sieben Brunnen unterden Semiten eine besondere Heiligkeit beigelegt wurde 251 . In den Canonesdes Jakob von Edessa (Quaest. 43) lesen wir, dass syrische Namenchristenihre Klagen über Krankheiten an die Sterne richteten oder sich an eineneinzelnen Baum, eine Quelle oder sieben Brunnen oder an die Gewässer desMeeres wandten. Auch unter den Mandäern hören wir von Mysterien, die ansieben Brunnen vollzogen wurden; in Arabien wird ein Ort, namensdiesieben Brunnen" von Strabo (XVI, 4,24) erwähnt 262 . Der NameWasser

249) Num. 5, 11 ff. In Agh. I, 156, Z. 3 ff. schwört ein verdächtigtes "Weib siebenEide an der Ka'ba, wohin sie in schimpflicher Form geführt ist auf einem Kamelzwischen zwei Säcken mit Dünger sitzend. Das geschah unter dem Islam; aber es istein alter Brauch. Im heidnischen Arabien wurde die Entscheidung in solchem Fallebisweilen einem Wahrsager übertragen, wie wir aus der Geschichte der Hind bint 'Utbaersehen ('IM, III, 273; Agh. VIII, 50). Ein Gottesgericht für Jungfrauen, die der Un-keuschheit beschuldigt waren, bestand bei den stygischen Wassern. Die Angeklagteschwur, dass sie unschuldig sei; ihr Eid wurde dann aufgeschrieben und ihr rings umden Nacken gebunden. Sodann trat sie in das seichte Wasser, und wenn sie schuldigwar, stieg das Wasser, bis es die Schrift bedeckte (Achilles TatiuH, VIII, 12).

250) Prolegomena, Cap. VIII, § 3.

251) Nöldeke, im Litterar. Centralblatt, 1879, p. 363.

252) Vergl. auch die sieben wunderthätigen Quellen zu Tiberias (K a z w i n i,