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Die Religion der Semiten
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Sagen über heilige Gewässer. 135

ligen Fisch, der sich in ihnen aufhält.' Nach einer Sage, die dem Culte vonHierapolis und Askalon gemeinsam ist, stürzten sich Atargatis und ihr Sohnin das Wasser an der ersten Stätte in den Euphrat, an der zweiten inden heiligen Teich beim Tempel nahe der Stadt und wurden in Fischeverwandelt 220 . Das ist nur eine andere Ausgestaltung der Idee, die in derersten Sagengruppe darin zum Ausdruck kam, dass der Gott starb, d. h. inmenschlicher Gestalt zu existieren aufhörte, dass aber sein Leben in die Ge-wässer überging, an denen er begraben liegt. Und wiederum ist diese Vor-stellung nur eine Theorie, um das göttliche Wasser oder den göttlichen Fischmit den anthropomorphen Vorstellungen in Einklang zu bringen 230 . Das gleichewurde bisweilen auf einem anderen Wege mit der Annahme erreicht, dassdie in menschlicher Gestalt vorgestellte Gottheit aus dem Wasser hervorging,wie Aphrodite aus dem Schaum des Meeres entsprang, oder wie Atargatis nach einer andern Gestalt der Euphratsage, die der Scholiast zu desGermanicus Aratus überliefert aus einem Ei geboren ward, welches dieheiligen Fische im Euphrat fanden und ans Ufer warfen. Wie wir sehen,war es in diesen Fällen dem Belieben der Gläubigen überlassen, ob sie sichdie Gottheit als aus dem Wasser hervorgehend oder in ihm verschwindend vor-stellen wollten. Im Cultus der syrischen Göttin zu Hierapolis waren beideAnschauungen bei den cultischen Festen verknüpft, indem ihr Bild an denFluss hinabgebracht und wieder zum Tempel zurückgeführt wurde. Bei dieservielfach schwankenden Gestaltung der Sage können wir kaum daran zweifeln,dass die heiligen Gewässer und der heilige Fisch an und für sich religiöseVerehrung fanden, bevor die menschenähnliche Göttin in der Religion auftrat;und in der That ist mit den heiligen Fischen in der Quelle des Chaboras einganz abweichender Mythus verknüpft. Fische waren Tabu" und heilige Fischefinden sich in Flüssen, in Seen, in der Nähe von Heiligtümern überall in Syrien 231 .

229) s. Hy ginus, Astron. II, 30. Manilius, IV, 580 ff. Xanthus bei AthenaeuaVIII, 37. Die Einzelheiten dieser Sage habe ich in der English Hist. Review April 1887erörtert.

230) Die Vorstellung, dass die Gottheit das Wasser weiht, indem sie in dasselbehinabsteigt, erscheint zu Aphaka in einer besonderen Form, die mit dem Charakter alsSterngöttin in Zusammenhang steht, der wenigstens in späterer Zeit der Astarte beigelegtwurde. Man glaubte, dass die Göttin an einem bestimmten Tage des Jahres in Gestalteiner Feuerkugel vom Gipfel des Libanon in den Strom hinabsteige. [Vergl. über dieBerichte, die nicht sehr zuverlässig undklar sind, Baethgen, Studien zur sein.Religions-gesch. II, 160, Anm. 3]. Das ist der Bericht des Sozomenos, Hist. eccl. II, 4, 5. Dagegensagt Zosimus I, 58 nur, dass die Feuerkugel bei dem Tempel und in seiner Umgebungbei einem grossen Fest erschien; mit den heiligen Gewässern verknüpft er die Er-scheinung aber nicht. An dem häufigen Auftreten elektrischer Lichterscheinungen würdebei dem auf einem Berge liegenden Heiligtum nichts unwahrscheinliches sein. Wirwerden weiterhin auch mit heiligen Bäumen verbundene Feuererscheinungen kennenlernen.Donner, Blitze und am Himmel aufblitzendes Licht" erscheinen bei den Syrernals Objekte der Verehrung (Jakob von Edessa, Quaest. 43). Vergl. auch diefeurige Kugel des Löwengottes von Heliopolis, deren Herabfallen vom Himmel von D a-mascius, Vita Isidori, § 203 beschrieben ist; ebenso was Pausanias von Da-m a s c u s über die Feuerkugel berichtet, die die Flut des Orontes hemmte (Malalas, p. 38).

231) Xenophon, Anabasis I, 4, 9, der solche Fische im Chams bei Aleppofand, sagt ausdrücklich, dass sie als Götter betrachtet wurden. Luc ian, De dea Syria, 45erzählt, dass der heilige Fisch im See der Atargatis bei Hierapolis mit Gold geschmücktwar, was auch bei den Aalen bei dem Heüigtum des Kriegsgottes Zeus unter den heiligenPlatanen (s. Herod. V, 119) zu Labraunda in Karien der Fall war (Plinius, Hist.nat. 32, 16, 17. A e 1 i a n, De nat. animal. XII, 30). Karien war gänzlich von phöni-cischem Einfluss durchsetzt.