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Die Religion der Semiten
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Sagen über heilige Gewässer. 133

von Drachen oder Schlangen mit heiligen oder heilsamen Quellen ist unsbereits im arabischen Glauben entgegengetreten. Der See Kadas bei Emesa,der als die Quelle des Flusses gilt (Jäküt III, 588), trägt einen Namen, dernoch seine alte Heiligkeit andeutet. Unter den syrischen Flüssen nimmt derEuphrat im Cultus von Hierapolis eine wichtige Stellung ein, und aus ihmglaubte man die grosse Göttin hervorgegangen. Die Quelle seines wichtigstenNebenflusses aus Mesopotamien, des Chaboras, wurde als die Stätte verehrt,wo Hera (d. h. Atargatis) nach ihrer Heirat mit Zeus (Bei) badete. DieseQuelle strömte einen süssen Geruch aus und war voll von zahmen, d. h.heiligen, Fischen 222 .

Die Heiligkeit des fliessenden Wassers war keineswegs auf grosse Strömeund Quellen, wie wir sie eben erwähnt haben, beschränkt. Aber in cultiviertenGebieten konnten Quellen gewöhnlich nicht ausschliesslich cultischen Zweckenvorbehalten bleiben. Jede Stadt oder jedes Dorf hatte der Regel nach eineneigenen Brunnen und eine eigene auf einer Höhe gelegene Cultusstätte odereinen kleinen Tempel. In Kanaan aber lag die Quelle gewöhnlich nicht imBezirk der heiligen Höhe. Die Städte wurden auf ansteigendem Bodenerbaut und der Brunnen war ausserhalb des Thores, gewöhnlich dichtneben der Stadt gelegen, während die heilige Höhe an einer höher gelegenenStätte lag, die die Wohnsitze der Menschen überragte 223 . Auf diese Weisewurde eine etwaige Vorstellung von dem heiligen Charakter, die mit derQuelle verknüpft sein mochte, vom Tempelritual losgelöst und musste dadurchunbestimmt und abgeschwächt werden. Indes finden sich auch Spuren davon,dass das ursprüngliche Heiligtum in einzelnen Fällen an der Quelle unterhalbder Stadt lag. So sind die Quellen En-rogel (Walkerquelle I. Kön. 1, 9), woAdonia sein Opferfest veranstaltete, und Gihon , wo Salomo gekrönt wurde(I. Kön. 1, 38), offenbar die ursprünglichen Heiligtümer von Jerusalem. Dieerste Quelle war beim Schlangenstein" und ist vielleicht mit der Drachen-quelle" (Neh. 2, 13) zu identifizieren. Wie in Arabien und beim Oronteshat auch hier der Drache oder die Schlange eine heilige Bedeutung. HeiligeQuellen im vollen Sinne des Wortes finden sich gewöhnlich nicht bei denlocalen Heiligtümern, sondern bei den entlegenen Cultusstätten der Wallfahrts-orte , wie zu Aphaka, Beerseba und Mamre, oder in dem Bezirk grosser undausgedehnter Heiligtümer, wie zu Askalon, wo der Teich der Atargatis ge-zeigt und ihr heilige Fische gehalten wurden. Bisweilen, wie zu Daphne beiAntiochia, bildeten die Quelle und die um sie liegenden Haine gewisser-massen einen öffentlichen Park, wo die Religion und das Vergnügen in derfür die Syrer charakteristischen Weise verknüpft waren 224 .

xoS 7ioxa(io3, xaxaSuvca 8' ei; yrj\i ävappfjgai xvjv TtvjyVjv." Eine andere Sagenüberlieferungüber den Orontes bei Malalas, p. 38, aus Pausanias von Damascus.

222) Aelian, De natura anim. XII, 30; Plinius, Hist. nat. XXXI, 37. XXXII, 16.

223) Gen. 24, 11. I. Sani. 9, 11. IL Sani. 2, 13. 23, 16. IL Kön. 2, 21. I. Kön.21, 13. 19 vergl. 22, 28.

224) Ein ähnliches Beispiel s. bei Waddington, No. 2370. Eine heilige Quelledes Elmün,in dem Gebirge" scheint in CIS. I, No. 3 Z. 17 erwähnt zu sein; vergl.G. Hoff mann, Ueber einige phoeniz. Inschr. p. 52 f.