132 Fünftes Kapitel. Natürliche und künstliche Cultusstätten etc.
Gewässer an der plioenicischen Küste wissen, vermag diesen Schluss durchausnur zu bestätigen 217 . Für die besondere Heiligkeit bestimmter Ströme, wiedes Belus und des Adonis, haben wir direkte Beweise, und der Hain undTeich von Aphaka an der Quelle des letztgenannten Stromes war die berühmtestealler plioenicischen heiligen Stätten 218 . Diese Flüsse werden nach Gottheitenbenannt; und so münden an derselben Küste der Asklepius bei Sidon, der Ares(vielleicht mit dem Lykus identisch), und vermutlich auch der Kilon 219 . Derbei Tripolis mündende Fluss, der auf dem Libanon entspringt, heisst nochKadisa oder der „heilige Fluss", und der an seiner Quelle gelegene Hain istChristen wie Muhammedanern in gleicher Weise heilig 220 .
Heilige Gewässer in Syrien.
In hellenischer und römischer Zeit war die Quelle des Jordan beiPancas nebst ihrer Felsengrotte dem Pan geweiht, und im Altertume nahmdas grosse israelitische Heiligtum von Dan die gleiche Stellung, oder die derDoppelquelle von Teil al-Kädi, ein. Es ist klar, dass Naamans Entrüstung,als er angewiesen wurde sich im Jordan zu baden, und sein Vertrauen, dassdie Flüsse von Damaskus besser seien, als alle Gewässer in Israel, in derAnschauung begründet war, dass der Jordan der heilige und heilkräftigeStrom der Hebräer sei, wie der Abana und Pharpar die heiligen Ströme derSyrer waren; und damit that er dem Glauben der grossen Masse in Israeljedenfalls nicht Unrecht. Die Heiligkeit des Barada, des Hauptstromes vonDamascus concentrierte sich auf seine angebliche Quelle, die Quelle von El Fige,das griechische urjyat. Die Flussgötter Chrysorrhoa und Pegai erscheinenhäufig auf Münzen von Damascus und nahmen in der Religion der Stadtoffenbar eine hervorragende Stellung ein. Dass die warmen Quellen vonGadara ursprünglich heilig waren, kann aus besondern Bräuchen geschlossenwerden, die noch zur Zeit des Antoninus Martyr von Kranken beobachtetwurden (De locis Sanctis, VII). Die Bäder wurden während der Nachtgebraucht; Lichter und Weihrauch kamen dabei zur Anwendung, und derKranke hatte Visionen, während er die Nacht wachend verbrachte. Bis heutedarf ein Kranker in dem natürlichen Bade von Tiberias die Geister nichtverletzen, indem er den Namen Gottes ausspricht (ZDPV. X, 179).
Sagen über heilige Gewässer.
Der Flusslauf des Orontes in Coelesyrien wurde nach einer localen Ueber-lieferung durch einen grossen Drachen ausgehöhlt, der bei seiner Quelle in derErde verschwand 221 . Die Verknüpfung eines Dämon (Ginn) in der Gestalt
217) Vergleiche hierfür Baeth gen, Studien zur semit. Religionsgesch. 159—165.
218) Eusebius, Vita Constantini, III, 55; Sozomenos, Hist. eccles., II, 5.
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219) Strom des tP'p = arab. n^-fß. Nach einer persönlichen Mitteilung Prof. deGoejes, der auf Hamdäni, p. 3, Z. 9 und vielleicht p. 221, Z. 14 verweist, ist Kais einein Titel „Herr«.
220) S. Robinson, III, 590. Es ist nicht unmöglich, dass auf karthagischemBoden der Bagradas oder Majerda, der Makaros oder Makros bei Polybius den Namendes tyrischen Baal-Melkarth enthalten.
221) Strabo, XVI, 2. 7. „xotj u.sv ouv SXxoij Jvxs;isiv irjv y^jv xai Ttoivjaai zb (5et9-pov