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Die Religion der Semiten
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Heilige Gewässer bei den Phoeniciern. 131

Kraft, in sie hineingeworfene Gaben zu verschlingen oder auszustossen, alsein Zeichen, ob der Gott gnädig war oder nicht; der Eid bei dem Orte undseinem Strome war der furchtbarste, den die Bewohner der Gegend kannten 2l4 .Die beiden letzten Fälle gehören einem Gebiete an, wo die Religion nichtTon rein arabischem Charakter war; die stygischen Gewässer erinnern aberan den Wasserfall im Heiligtum des Dusares bei den Dausiten, und Ptole-maeus erwähnt zweimal eine stygische Quelle im eigentlichen Arabien.

Heilige Gewässer bei den. Phoeniciern.

Bei den Nordsemiten, den Ackerbau treibenden Kanaanitern und Syrern,nahmen heilige Gewässer eine weit hervorragendere Stellung ein. Wo dasganze Land, das ohne Zuthun des Menschen von Quellen und Strömen be-wässert war, als Land des Baal galt, da konnte es kaum ausbleiben, dassjeder Quelle eine gewisse Heiligkeit zugeschrieben wurde. Wo man die gött-liche Macht sich hauptsächlich darin bethätigen sah, dass sie dem LandeLeben spendete, da erschienen die Gewässer, die dem Lande Fruchtbarkeitverliehen und seinen Einwohnern die Möglichkeit des Lebens schufen, alsdie unmittelbare Verkörperung göttlicher Kräfte. Es steht damit im Ein-klang, dass Hannibal bei seinem Bündnis mit Philipp von Makedonien, indemer bei allen Gottheiten von Karthago und Hellas schwört, in die göttlichenMächte, die er mit seinem Eide anruft, die Sonne, den Mond und die Erde,Ströme, Fluren (?) und Quellen" einschliesst 216 . Wenn wir daher finden, dassTempel häufig an Quellen und Strömen erbaut waren, so dürfen wir dabei nichtnur in Betracht ziehen, dass solche Lage insofern geeignet war, als reinesWasser für Waschungen und anderweitige cultische Zwecke unentbehrlich war,sondern müssen auch berücksichtigen, dass das Vorhandensein von Quellwasserder Stätte schon an und für sich eine Weihe gab 210 . Die Quelle oder derStrom war nicht eine blosse Beigabe zum Tempel, sondern selbst eines derHauptheiligtümer der Stätte, mit dem sich vielfach besondere Bräuche undSagen verknüpften und dem der Tempel in manchen Fällen seine Be-rühmtheit und selbst seinen Namen verdankte. Insbesondere ist dies der Fallbei Quellen und Strömen, die das ganze Jahr hindurch füessen, die in einemLande wie Palästina, wo der Regenfall auf die Winterzeit beschränkt ist,nicht sehr zahlreich sind und den topographischen Verhältnissen des Landeseinen eigenartigen Charakter verleihen. Aus dem Eide Hannibals können wirschliessen, dass alle derartigen Gewässer unter den Phoeniciern und Karthagernfür göttliche Mächte gehalten wurden, und was wir an Einzelheiten über die

214) Damascius, Vita Isidori, § 199.

215) Polybius VII, 9,3.Ivaviiov 8-sffiv täv au3Tpoa£uc|jiv(ov -/.ai yp.iou y.at asXr^rj^/.od Yvj{, Ivavxtov 7toTa|j.wv y.at Xijievwv (?) y.ai üSäxtuv/.. x. X." [Der Text ist indes nichtsicher. Die handschriftl. Ueberlieferung giebt vorwiegend dxifiövwv. Das ist die Erleich-terung eines schwereren Textes und sicher falsch. Dafür ist X:\ii\uiv Conjectur vonGrotius; auf Casaubonus geht die von W. R. Smith angenommene Lesung Xei|j.ü>vu)vzurück; Reiske will dafür Xt|ivfflv lesen. Vergl. Polybius, ed. Hultzsch zur Stelle.] InPalästina werden noch heute alle Quellen als Sitze von Geistern betrachtet, und diePrauen der Landbevölkerung, muslimische wie christliche, bitten um deren Erlaubnis,bevor sie Wasser schöpfen (ZDPV. X, 180). Vergl. Num. 21, 17.

216) Für die Wahl eines Platzes an einem Teich als Stätte für eine Kapelle s.Waddington, No. 2015:sOaejJtojS z6ito<; oätoj Sv sxv.aev iY-pfh Xip.vvjc".

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