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Die Religion der Semiten
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120 Viertes Kapitel. Die Beziehung des Menschen zu heiligen Stätten.

Hyäne und des Bären verdeckten, sie alle bedurften nur der Unterstützungdurch die Tradition, um durch sich selbst für ihre eigne Heiligkeit zu zeugen.In solchen Fällen war es natürlich, dass die Grenze des heiligen Bezirks ziem-lich weit gezogen wurde und dass dem heiligen Mittelpunkte nach allen Seitenhin eine weite Ausdehnung zuerkannt wurde. In Arabien umschliesst dashimä, wie wir sahen, bisweilen ein grosses Weidegebiet, das nur noch durchSäulen oder Steinhaufen abgegrenzt wird, der liaram des heiligen Gebietesvon Mekka dehnte sich fast nach jeder Seite der Stadt mehrere Wegstundenweit aus. Der ganze Berg Horeb war heiliges Gebiet und ebenso wahrschein-lich der Hermon; denn sein Name bedeutetheilig", und seine Gipfel undAbhänge tragen noch heute die Ruinen zahlreicher Tempel 186 . Ebenso schliesstRenan aus den zahlreichen Resten von Tempeln längs des Flusslaufes desAdonis und auf dem Libanon, dass das ganze Thal eine Art heiliges Gebietdes Gottes war, nach dem der Fluss benannt war 186 . In einem cultiviertenund dicht bevölkerten Lande war es schwierig, eine strenge Regel der Heilig-keit für ein weites Gebiet aufrecht zu erhalten, und die Tabus blieben inganzer Strenge auf die Tempel und ihre unmittelbare Umgebung beschränkt,während in weiterem Sinne die ganze Stadt oder das ganze Land der Ver-ehrer eines Gottes für das Land des Gottes galten und an seiner Heiligkeitteilnahmen. Sogar einige Reste der alten Heiligkeit ganzer Gegenden hattensich in Syrien noch in später Zeit lebendig erhalten. Jamblichus, der der letztenZeit des Heidentums angehört, nennt den Karmel nochden heiligsten vonallen Bergen, zu dem der Zutritt dem gemeinen Volke verboten war"; undhier opferte Vespasian auf einem einsamen Altar, der von undurchdringlichemDickicht umgeben war 187 .

Das Tabu und die Eifersucht des Gottes.

Die Tabus oder Beschränkungen, die innerhalb der weiten Grenzen solchergrösseren heiligen Bezirke zur Geltung kamen, sind bereits berührt worden.Ihre allgemeinste Bedeutung bestand darin, dass es den Menschen nicht zu-stand, in das natürliche Leben des Ortes störend einzugreifen. Es durfte hierkein Blut vergossen oder kein Baum gefällt werden. Diese Vorschrift ist ganznatürlich, weil diese lebenden Grössen als die unter seinem Schutze stehendenGenossen des Gottes, oder was wohl die ältere Anschauung ist alsam göttlichen Leben teilhabende Wesen betrachtet wurden. In einzelnen

185) Ueber die Heiligkeit des Hermon vergl. Reland, Palästina, p. 323.

186) Renan, Mission de Phenicie (1864) p. 295.

187) Jamblichus, De vita Pythagorica ed. Nauck. Cap. III, (15). Tacitus, Hist.H, 78. Auch abgesehen von den klassischen Zeugnissen ergiebt sich aus I Kön. 18,dass der Karmel ein heiliger Berg der Phönicier war. Er hatte auch einen Altar Jahwesund war dadurch eine Stätte, die für den Kampf zwischen dem Jahwecult und demBaalcult geeignet war. Noch heute ist der Karmel mit Waldesdickicht bestanden wiezu den Zeiten des alten Testaments (Arnos 1, 2. Micha 7, 14. Hohesl. 7, 5). Die StellenArnos 9, 3, Micha 7, 14, wo seine Wälder als eine Zufluchtsstätte erscheinen, gewinnenihre volle Bedeutung erst, wenn wir sie mit der Angabe des Jamblichus verbinden,dass der Berg ein äßatov war, wo die Herden, die im Herbst in den Wald getrieben,um dort zu weiden, unverletzlich waren und wo der Flüchtling ein sicheres Asyl fand.Dieser Brauch besteht noch heute (Thomson, Land and Book [1860], pp. 204 ff., 485).Auch die Heiligkeit ist noch nicht verschwunden; die Scene am Pest des Elias, dieSeetzen, II, 96 f. beschreibt, gleicht genau einem altkanaanitischen Feste.