118 Viertes Kapitel. Die Beziehung des Menschen zu heiligen Stätten.
Syrern für sehr heilig gehalten 179 und bei Reinigungen angewandt 180 . Nachdem phönicischen Ritual Avurde es von allen gebraucht, die vor dem Altar stan-den, indem sie mit langen Byssusgewändern bekleidet waren, an denen nur einPurpurstreifen war, wie solche zur Ausübimg religiöser Dienste geeignet waren l81 .Auch das Geschmeide, wie es die Frauen am Heiligtum trugen, hatte heiligenCharakter; das syrische Wort für Ohrring l^däsä bedeutet „heiliges Ding", undganz allgemein dienen Schmuckgegenstände als Amulette 182 . Heilige Kleidungund Festkleidung sind mithin dieselbe Sache; es scheint somit die Annahmeberechtigt, dass in alter Zeit die besten Kleider solche waren, die für dieZwecke des gewöhnlichen Lebens Tabu waren. Natürlich konnte aber die grosseMasse des Volkes in einem armen Gemeinwesen nicht einen besonderen Anzugfür heilige Gelegenheiten haben. Solche Leute wuschen ihre Kleider nachwie vor jedem besonderen cultischen Gebrauch (Lev. 6, 27. 16, 26. 28), odersie mussten sich heilige Kleider leihen, wie es noch heute in Mekka geschieht.Schuhe konnten nicht gewaschen werden, wenn es nicht ganz leinene Strümpfewaren, wie bei der heiligen Kleidung in Phoenicien nach der BeschreibungHerodians. Sie wurden deshalb vor dem Betreten des heiligen Bodens ab-gelegt (Exod. 3, 5; Jos. 5, 15 etc.) 183 .
Ein anderer hebräischer Brauch, der hier erwähnt werden kann, ist derBann (Jierem), durch den böswillige Sünder und Feinde der Gemeinschaft undihres Gottes der gänzlichen Vernichtung geweiht werden. Der Bann ist eineForm der Weihung für die Gottheit: das Verbum für „bannen" wird zuweilenmit „weihen" wiedergegeben (Micha 4, 13), zuweilen bedeutet es „geloben"(Lev. 27, 28 f.). In der ältesten Zeit der Hebräer bezeichnet es jedoch dievöllige Vernichtung, nicht nur der vom Bann betroffenen Person, sondern auchdie seines Eigentums; nur Metalle wurden, nachdem sie durch Feuer gereinigtwaren, dem Schatz des Heiligtums beigefügt (Jos. 6, 24; 7, 24; I Sam. 15).Auch das Vieh wurde nicht geopfert, sondern einfach getötet, und die ge-bannte Stadt durfte nicht wieder aufgebaut werden (Deut. 13, 16; Jos. 6, 26) 184 .Ein solcher Bann ist ein Tabu, das durch die Furcht vor übernatürlichenStrafen veranlasst ist (I Kön. 16, 34). Die von ihm ausgehende Gefahr istebenso wie beim Tabu übertragbar (Deut. 7, 26; Jos. 7). Wer ein gebanntes
179) Plinius, Hist. nat. XII, 54.
180) Silius Ital. III, 23 ff. Herodian, V, 6, 10.
181) Das arabische kudäs ist unfraglich ein altes Lehnwort aus dem Aramäischen;aber kadis, eine alte jeminitische Bezeichnung für Perlen, ist wahrscheinlich ein unab-hängiger Ausdruck für dieselbe Anschauung.
182) Als Amulette werden Schmucksachen hauptsächlich getragen, um die Haupt-organe der Thätigkeit — Hand und Puss, besonders aber um die Oeffnungen des Körperszu schützen (Ohrringe; Nasenring, der über dem Munde hängt; Schmuckgehänge ander Stirn, das die Augen schützt). Bei Doughty II, 199 verstopft ein Mann seine
Ohren mit Baumwolle, bevor er in eine Quelle zu steigen wagt, die von einem ginn be-wohnt ist. Auch die Kleidung hat diese Bedeutung (vergl. Cap. XI) Aehnliches giltvon der Tätowierung und dem Bemalen mit Bleiglanz und Henna.
183) Jemand, der das Orakel des Trophonius befragen wollte, zog, nachdem ergewaschen und gesalbt war, ein leinenes Hemd und „Schuhe des Landes" an. Pau-sanias IX, 39 (J. G. Frazer).
184) Rieht. 9, 45 wird die Stätte der zerstörten Stadt mit Salz bestreut, was ge-wöhnlich als eine Anspielung auf die Unfruchtbarkeit des salzhaltigen Bodens gedeutetwird. Aber das Streuen des Salzes hat auch sonst eine religiöse Bedeutung (Hes. 43, 24)und ist ein Symbol der Weihe. Aehnlich erklärt Hesychius den Ausdruck „äpas s~i-axeipar s8-og KuTipccov a7i=ipGvcü)v y.pi-8-ag jji.eS-' 6XÖ£ y.axapäaSm naiv".