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Die Religion der Semiten
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116
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116 Viertes Kapitel. Die Beziehung des Menschen zu heiligen Stätten.

laufen durften ,09 .

Von der TJebertragbarkeit der Heiligkeit giebt es manche Spuren, diegenau dem Tabu entsprechen. Bei den Syrern war besonders die Taube heiligund wer sie berührte, wurde für einen Tag Tabu 17 °. Die heidnischen Priesterder Geheimculte warnen Jes. 65, 5 die Zuschauer, sich ihnen zu nahen; siemöchten dadurch sonst Tabu werden 171 . Das Fleisch des hebräischen Sünd-opfers, das im höchsten Grade heilig ist, erwirkt ein Tabu bei jedem, der esberührt; und wenn ein Tropfen seines Blutes auf das Gewand fällt, so mussdieses an einer heiligen Stätte gewaschen werden, wodurch die Heiligkeit ausihm getilgt wird, während das irdene Gefäss, in dem das Opfer gekocht ward,zerbrochen werden muss, ebenso wie wenn ein totes Ungeziefer in ein GefässMit und es unrein macht (Lev. 6, 20 f. vergl. Lev. 16, 26. 28). In Mekkawurde in der heidnischen Zeit der Umlauf um die Ka'ba von den Beduinenentweder nackt gemacht, oder in Kleidern, die von einem der Hums odervon einer religiösen Gemeinschaft der heiligen Stadt geliehen waren; ihreeigne Kleidung durften die fremden Besucher dabei nicht tragen 173 . Well-hausen hat gezeigt, dass dieser Brauch nicht in Mekka allein besteht;denn am Heiligtum von Al-Galsad war es Sitte, dass der Opfernde sich voneinem Priester die Kleidung lieh. Der gleiche Brauch findet sich im Cultusdes tyrischen Baal (II Kön. 10, 22). Ebenso trägt David das priesterlicheSchulterkleid (Ephod) bei der Feier der Rückführung der Bundeslade (II Sam.6, 14). Seine gewöhnlichen Kleider hat er dabei abgelegt, weshalb die Michalsein Benehmen als eine unehrenhafte Biossstellung seiner Person bezeichnet.Saul legt, als er vom Geist der Nebi'im ergriffen wird, seine Kleider ab (I Sam.19, 24). Man hat den mekkanischen Brauch damit erklärt, dass niemand denheiligen Ritus in Kleidern ausüben dürfe, die mit Sünde befleckt seien: aberder wirkliche Grund ist ein ganz anderer. Bisweilen hat offenbar jemandden Umlauf in eignen Kleidern gemacht; in diesem Falle aber konnte ersie nicht mehr tragen noch sie verkaufen, er musste sie vielmehr an derPforte des Heiligtums zurücklassen 173 . Sie wurden durch Berührung mit derheiligen Stätte und dem Cultus Tabu harim, wie es der bei Ibn Hisäm citierteVers bezeichnet. Wenn an der Richtigkeit dieser Erklärung noch irgendwelcher Zweifel bestehen könnte, so wird er völlig durch folgende Paralleleaus australischen Culten gehoben werden 174 :Ein Sklave oder eine andere,nicht heilige Person wird niemals einen ,icahi tapu" oder heiligen Platz be-treten, ohne vorher seine Kleider abgelegt zu haben; denn die Kleider, die mitdem Augenblick, wo er in den Bezirk des ,wahi tapu 1, eingetreten ist, heilig

169) Diese Parallele zeigt, dass der arabische Brauch nicht bloss eine abge-schwächte Form einer älteren Weihung zu bestimmten heiligen Zwecken ist.

170) Lucian, De dea syria, 54.

171) Das Suffix in "prittnp zeigt, dass das Verbum hier transitive Bedeutung hat;es bedeutet also nichtich bin heilig für dich", sondernich würde dich in den Zu-stand der Heiligkeit versetzen", d. h. zum Tabu machen. Wir werden es mithin alsFiel auffassen, womit zu vergleichen ist Hes. 44, 19, wo die Vorsichtsmassregeln fest-gestellt sind, die verhindern sollen, dass das Volk durch Berührung der heiligen Ge-wänder geheiligt wird. Vergl. Hes. 46, 12.

172) [Wellhausen, Heidentum, 2. Aufl. p. 110.]

173) Azraki, p. 125. Ibn Hisäm, p. 128 f.

174) Shortland, Southern Districts of New Zealand, p. 293 f., worauf michFrazer verwiesen hat.