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Die Religion der Semiten
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Heiligkeit, Unreinheit und Tabu. ^3

steckung behandelt wird, die durch Abwaschung oder andere natürliche Mittelbeseitigt werden muss. Nehmen wir z. B. die Bestimmungen über die Unreinheit,die durch die toten Körper kleiner Tiere verursacht wird (Lev. 9, 2938): alles,womit sie in Berührung kommen, muss gewaschen werden; das Wasser selbstist dann unrein und kann die Ansteckung übertragen; ja, wenn die Unreinheitein nicht glasiertes irdenes Gefäss betrifft, so wird angenommen, dass dieUnreinheit auch in die Poren eindringt und nicht abgewaschen werden kann,sodass das Gefäss zerbrochen werden muss. Derartige Regeln haben mit demGeist der hebräischen Religion nichts gemein; sie können nur Ueberresteeiner primitiven Anschauung sein, gleich jenen Vorstellungen roher Völker,die das Blut der Unreinheit und Aehnliches als übernatürliches und tötlichesGift meiden. Das Alter der hebräischen Tabus, die hier vorliegen, zeigt sichdarin, dass uns manche von ihnen in arabischen Bräuchen wieder begegnen; Deut.21, 12. 13 findet sich wieder in dem arabischen Brauch, durch den die Unreinheitdes Witwenstandes aufgehoben wird 10 *. In seiner arabischen Gestalt ist derRitus rein barbarischer Art; die Gefahr, die die Heirat des Weibes für dasLeben eines Mannes zur Folge haben konnte, wurde in der äusserlichstenWeise auf ein Tier übertragen, das infolge dessen, wie man glaubte, in derRegel starb," oder auf einen Vogel. Auch bei der Reinigung des Aussätzigen{Lev. 14, 49) wird die Unreinheit auf einen Vogel übertragen, der fortfliegt.Damit ist auch das Ritual bei dem Sündenbock zu vergleich (Lev. 16, 510).Ebenso wurde auch die Menstruation von allen Semiten als ein Zustand derUnreinheit angesehen 106 , wie es bei allen primitiven und alten Völkern ge-schieht. Bei barbarischen Völkern ist diese Unreinheit deutlich mit der Ideeverbunden, dass das Menstrualblut dem Manne gefährlich sei; und auch dieRömer meinten:nihil facile reperiatur mulierum profluvio magis mirificum"(Plinius, Histor. natural. VII. 64), und dass nichts in höherem Grade tod-bringende Eigenschaften habe. Aelmliche Anschauungen sind unter den Arabernallgemein verbreitet; eine grosse Anzahl übernatürlicher Mächte tritt mit demWeibe in diesem Zustand in Verbindung (Kazwinl I, 365). In diesem Falleentspricht das Tabu der Semiten offenbar genau dem der barbarischen Völker;es hängt nicht mit der Ehrfurcht vor den Göttern zusammen, sondern ent-springt lediglich aus der Furcht vor übernatürlichen Einwh-kungen, die mitdem natürlichen Zustande des Weibes verbunden sind. Dass unreine Dino-eauf Grund der ihnen innewohnenden übernatürlichen Mächte oder Beziehungenunter das Tabu gestellt werden, ergiebt sich ferner aus der Thatsache, dass

164) Vergl. die näheren Angaben in Cap. XL "Wellhausen, Heidentum'-, p. 171.

165) Die Vorschrift des Koran, Sure 2, 222 beruht auf einem alten Brauch; vergl.Baid äwi zur Stelle. Hamäsa, p. 107 letzter Vers. [Rückert, Harn. p. 62.] Agh. XVI,27. 31. Für die heidnischen Syrer s. Fihrist, p. 319, Z. 18. Nach Wähidi, Asbäbwar es Frauen während der Menstruation nicht erlaubt, im Hause zu bleiben, was einhei barbarischen Völkern allgemeines Gesetz ist. Nach Mufaddal al-Dabbi, Am-tal , p. 24, Z.-20 lebte die 'ärilc abgesondert von ihrem Volke in einer Hütte, die, wie

sich aus der Erzählung ergiebt, an der Grenze des Weilers oder der Lagerstätte stand.Auf den gleichen Brauch deutet die Sage über den Fall von Hatra bei Tabari I, 829. 3.Bei ihrer ersten Menstruation scheinen Mädchen auf ein Zelt oder eine Hütte beschränktgewesen zu sein; vergl. Lisän s. v. mu'sir. Das ist ebenfalls ein überall in der Weltverbreiteter Brauch. Aehnlichen Beschränkungen sind auch die Witwen unterworfen;s. die Lexica, s. v. u^i^-.

Smith, Religion. o